«Das gibts ja gar nicht. Tatsächlich, unglaublich, wow!» So reagierte SRF-Sportmoderator Jan Billeter am Sonntagabend, als Kunstturner Lucas Fischer im Studio den Zettel mit dem Namen des «SV Muttenz» in den Händen hielt – was bedeutete: Der grosse FC Basel trifft Ende Oktober im Achtelfinal des Schweizer Cups auf den kleinen Nachbarn, den SV Muttenz.

Ähnlich wie im Studio ging es wenige Minuten später in einem Auto zu und her, das sich vom Greyerzerland auf dem Rückweg in die Nordwestschweiz befand. In diesem sassen Manfred Wieland, Präsident des SV Muttenz, und andere Mitglieder des Vereins. Der interregionale 2.-Ligist hatte kurz zuvor seinen 1/16-Final gegen den FC Bulle mit 3:0 gewonnen. Nun erreichte die SV-Führungsriege die Kunde vom grossen Los per Telefon. Und wie im «Sportpanorama» gingen auch im Auto sogleich die Spekulationen los, wo denn nun die beiden Teams aufeinandertreffen würden: Im SV-Heimstadion, dem beschaulichen Margelacker – oder doch im St. Jakob-Park.

Manfred Wieland, Sie erfuhren im Auto vom nächsten Gegner «Ihres» SV. Wie war die Stimmung?

Manfred Wieland: Euphorisch. Wir stehen im Achtelfinal des Schweizer Cups, zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins, und dann erst noch gegen den FC Basel – das ist Wahnsinn. Dann haben aber auch schon die Diskussionen angefangen. Können wir den Match bei uns durchführen oder nicht?

Wie lautet das Fazit?

Wir setzen alles daran, dass wir bei uns auf dem Margelacker antreten können. Definitiv entscheiden werden wir uns später. Am Montagabend haben wir die erste Sitzung im Vorstand.

Muttenz hat Erfahrung mit Spielen gegen Vereine aus der Super League. 2012 durfte der SV die Berner Young Boys empfangen – im Margelacker.

Genau. Wir haben einen Wissensvorsprung, was Spiele gegen oberklassige Vereine angelangt. Vieles wird ähnlich ablaufen.

Damals kamen gegen 3 000 Zuschauer ins Stadion. Beim FCB müsst ihr mit mehr rechnen. Das Sicherheits-Dispositiv wird nochmals teurer ausfallen.

Da bin ich mir nicht sicher. Gegen YB musste die Polizei durchaus damit rechnen, dass es zu Ausschreitungen kommt. Gegen den FCB ist die Ausgangslage anders. Der FCB hat sehr viele Fans in Muttenz, auch beim SV Muttenz gibt es Dutzende Mitglieder, die eine FCB-Saisonkarte besitzen. Das wird ein Fussballfest – ein Spiel unter Freunden. Vor Ausschreitungen muss man aber immer gewappnet sein, das ist schon klar. Trotzdem sollte dies kein zu grosses Hindernis darstellen, um zu Hause spielen zu können.

Das Stadion Margelacker fasst maximal 3 500 Zuschauer. Als der FC Basel 2007 in Binningen spielte, kamen über 6 000.

An das haben wir auch gedacht. Wir planen, zusätzliche Plätze anzubieten. So kämen wir auf bis zu 5 000, vielleicht sogar 6 000 Zuschauer und hätten auch entsprechend mehr Einnahmen. Ein wenig Sorgen bereitet mir das Spieldatum. Die Achtelfinals sind am Mittwoch oder Donnerstag, 28. oder 29. Oktober, angesetzt. Wir müssten also unter der Woche die ganze Infrastruktur auf- und wieder abbauen, denn die Anlage wird auch von Vereinen benutzt, etwa die Leichtathletik-Anlage. Sie muss rasch wieder benutzbar sein.

2012 spielte der SV gegen die Young Boys. Damals sprang der Kanton mit 160 000 Franken ein, in dem er etwa den Grosseinsatz der Baselbieter Polizei nicht verrechnete. Zusätzlich wurden dem Verein fürs Spiel 12 000 Franken aus dem Swisslos-Sportfonds gesprochen. Steht ihr mit den Behörden bereits im Gespräch?

Noch nicht, das wird aber in den kommenden Tagen geschehen. Mit dem FCB stehen wir schon in Kontakt, mit der Gemeinde muss ich mich auch noch kurzschliessen. Irgendeine Form von Unterstützung brauchen wir, das steht fest, alleine können wir solch einen Mega-Event nicht schultern. Schon wenn der Zivilschutz mit anpackt, ist uns geholfen.