Sie sei spät, schreibt die Muttenzerkurve. Doch nun greifen die Fussballfans erneut in die politische Diskussion um den Landhof ein. In einem am Sonntag veröffentlichten Text stellen sie den Abriss des Tribünengebäudes infrage. Das kommt nicht völlig überraschend. Wer die Fankurve in den vergangenen Wochen beobachtet hat, dem wird nicht entgangen sein, wie sie die Geburtsstätte des FC Basel stärker ins Bewusstsein zu rufen versuchte. Zwar findet dort jedes Jahr das «Kurve-Grümpeli» statt.

Diesen Sommer aber nutzten die Fans die Tribüne für Public Viewings während der WM. Und erst kürzlich kündete die Kurve eine grosse Jubiläumsfeier im November an jenem Ort an. Am 15. November, genau 125 Jahre nach jener Zusammenkunft in der Schuhmachernzunft an welcher die allererste Mannschaft den Basler «Footballklub» (sic!) ins Leben rief. «Gits e bessere Ort, um dr FCB z würdige, als dr mystischi Landhof?», fragt die Webseite zu jenem Fest rhetorisch. Es verwischt Ursache und Wirkung wenn die Aktivisten schreiben, dass sie aufgrund des Festes häufiger auf jenem Areal verkehrten. Und damit wieder in Kontakt gelangten mit den überwachsenen Stehrampen, dem verblichenen Totomat und vor allem der angegrauten Tribüne, die sich quer in den Innenhof stellt.

Nicht die erste Wortmeldung

Nostalgie ist sowohl Beweggrund wie Mittel. Aber nicht nur. «Diese Fläche würde mit dem neuen Projekt komplett verschwinden», schreibt die Muttenzerkurve, und meint damit die überdachte Tribüne, welche einem Pavillon weichen müsste. Auch sei es interessant zu prüfen, ob eine Sanierung nicht günstiger sei als ein Neubauprojekt.

Dazu stellt die Muttenzerkurve eine Machbarkeitsstudie zur Verfügung, welche im Jahre 2011 genau jene Frage grob behandelte. Der Ton der Mitteilung ist zurückhaltend. Die Kurve stellt keine Forderung in den Raum, nur dass eine Diskussion stattfinden soll. Zwar begrüsst die Muttenzerkurve die geplante Öffnung des Areals, glaubt aber, dass eine vielfältige Nutzung auch mit einem sanierten Tribünengebäude möglich ist. Auch müsste dann der bestehende Kinderspielplatz flächenmässig nicht verkleinert werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Fans in den politischen Diskurs um den «Ländi» eingreifen. 2010 hingen Parolen wie «Landhof muess blyybe» in der Fankurve. Ein Landhof-Fest wurde organisiert, an welchem der FC Grossrat gegen eine Auswahl FCB-Legenden wie Erni Maissen oder Helmut Benthaus schuttete. Das war im Februar 2010, im März folgte die Volksabstimmung.

Heusler war für Tribüne

Im Anschluss an das Volksurteil, der Landhof möge grün bleiben, wurde eine Begleitgruppe ins Leben gerufen. In dieser engagierte sich auch die Muttenzerkurve, aber nicht nur: Mit dem Verein «Vision Landhof» bekannten sich damals unterschiedliche Player zum Fortbestand eines Fussballplatzes: das Sportmuseum, der Fussballverband Nordwestschweiz sowie zahlreiche Prominente. Bernhard Heusler etwa machte sich auch für das Bewahren einer Tribüne stark, neben ihm Karli Odermatt und Adrian Knup.

Mit dem Siegerprojekt «Stranger than Paradise» fiel zwar schliesslich in einer Fachjury die Tribüne durch – doch dass Rasen und Stehrampe verbleiben sollen, verbuchten die Verantwortlichen vom «Vision Landhof» als Teilerfolg.

Danach geschah lange nichts. Jetzt aber, da die grossrätlichen Kommissionen über ein Quartierparking an jener Stelle beraten müssen, lebt auch die alte Diskussion wieder auf. «Nachdem wir mit diversen langjährigen Landhofnutzern gesprochen hatten, ist für uns klar, dass wir auch über den Erhalt und Sanierung der Tribüne reden müssen», schreibt die Muttenzerkurve.

Sie stellt eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2011 zur Verfügung, wonach eine Sanierung oder sogar ein Umbau kostengünstiger zu realisieren wäre als ein komplett neues Projekt. In den Schlussfolgerungen der vom Bau- und Verkehrsdepartement in Auftrag gegebenen Studie heisst es aber auch: «Um ein Raumangebot nach heutigen Bedürfnissen schaffen zu können, überzeugt aus ökonomischer Sicht der Neubau bei gleichzeitigem Abriss des Tribünengebäudes.» Undeutlich ist, ob damit die aktuellen Nutzungsflächen beibehalten würden.

Zumindest was das geplante Jubiläumsfest anbelangt, scheinen die alten Allianzen noch nicht eingerostet. Als Mitverantwortliche zeichnen diverse Institutionen aus der Basler Fussballkultur, darunter erneut das Sportmuseum, aber auch das Flutlicht Filmfestival. Auch mit dem FCB ist ein Zusammengehen geplant. Dieser veranstaltet nur einen Steinwurf vom Landhof entfernt eine Galafeier. Mit deren Gästen vereinigt sich das Publikum der Muttenzerkurve zum «musikalischen Schlussbouquet» im Rundhof der Messe um 23 Uhr.