Raubüberfall
Mysteriöser Einbruch im Märthof und ein fehlgeschlagener Tankstellen-Überfall: Haupttäter müssen ins Gefängnis

Zwei Männer erhalten wegen Raubversuchen eine unbedingte Freiheitsstrafe.

Patrick Rudin
Merken
Drucken
Teilen
Der ehemalige Interdiscount XXL am Marktplatz. (Archivbild)

Der ehemalige Interdiscount XXL am Marktplatz. (Archivbild)

Keystone

Das Abstreiten war sinnlos: Das Basler Strafgericht verurteilte heute einen 30-jährigen Schweizer wegen versuchten Raubes zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Der Mann soll im März 2018 die treibende Kraft dabei gewesen sein, als drei Männer einen Interdiscount-Verkäufer in dessen Privatwohnung dazu zwangen, Details über die Alarmanlage im Märthof preiszugeben. Der nächtliche Raubzug selber ging dann allerdings schief, weil die Alarmanlage dennoch losging. Zwei der Täter wurden bis heute nicht identifiziert, vieles an der Geschichte blieb auch in der Gerichtsverhandlung diese Woche ungeklärt.

Beim 24-jährigen Mitangeklagten mit brasilianischem Pass sah das Gericht die Teilnahme als nicht erwiesen an, deshalb gab es einen Freispruch. Insbesondere konnte ihn das Opfer nicht zweifelsfrei identifizieren. Allerdings gab es für beide Männer einen Schuldspruch bei einem weiteren Raubversuch: Beim Überfall auf die Coop-Tankstelle in der Brüglingerstrasse im April 2018 soll der 24-Jährige den Verkäufer mit einer Waffe bedroht haben, der 30-Jährige wiederum hatte die Sache geplant und auch den Fluchtwagen aus SBB-Beständen organisiert.

Ja, ich habe Scheissdreck gebaut. Aber die Diebstähle habe ich nicht begangen, die Raube schon gar nicht.

(Quelle: 30-jähriger Schweizer, Verurteilter)

Teilweise trug der immer sehr eloquent auftretende 30-Jährige selber zu seiner Verurteilung bei: Er hatte hinterher einer Bekannten von seinen krummen Dingern erzählt. Einzelne Diebstähle hatte er nach knapp drei Monaten Untersuchungshaft im Herbst 2018 mit dem Satz «Ich nehme es auf mich» zugegeben, später dann bestritten. Verteidiger Moritz Gall machte vergebens geltend, dies sei bloss eine Reaktion auf eine faktische Beugehaft gewesen. «Ja, ich habe Scheissdreck gebaut. Ich arbeite jeden Tag von Montag bis Samstag während 12 Stunden, nur damit ich meine Schulden abbezahlen kann. Aber die Diebstähle habe ich nicht begangen, die Raube schon gar nicht», hatte der 30-Jährige in der Verhandlung betont.

Der mehrfach vorbestrafte 24-Jährige kommt mit einer etwas geringeren Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 3 Monaten davon, allerdings verhängte das Gericht bei ihm einen Landesverweis von acht Jahren. Beide Männer nahmen das Urteil mit Kopfschütteln und sichtlich frustriert zur Kenntnis. Einzelne Delikte hatten sie zugegeben, ihre Beteiligung an den Raubversuchen aber stets bestritten. Sie werden den Schuldspruch vermutlich weiterziehen. Die Anklage umfasste insgesamt 21 Punkte.

Frau darf dank EU-Pass in der Schweiz bleiben

Urteile gab es auch für zwei weitere Angeklagte: Ein 32-jähriger Türke hatte bei zwei SBB-Kupferdiebstählen im Rangierbahnhof Muttenz mitgeholfen. Weil er bereits vorbestraft ist, verhängten die drei Richter eine unbedingte Freiheitsstrafe von 3 Monaten und einen Landesverweis über 5 Jahre. Eine 29-jährige Frau mit slowakischem Pass hatte bei einem der Kupferdiebstähle mitgeholfen, sie kam mit einer bedingten Geldstrafe und dank ihrer EU-Bürgerschaft ohne Landesverweis davon.