In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch war für die Allschwilerin Eveline Rossi nicht an Schlaf zu denken, wie sie berichtet: «Es war ein konstantes Fliegen zu vernehmen, manchmal wurde es lauter dann wieder leiser.» Zwar sei der Fluglärm in Allschwil ein bekanntes Übel, jedoch habe der Lärm gestern Nacht einfach nicht aufhören wollen. In ihrer Hilflosigkeit wählte Rossi um zwei Uhr die Notrufnummer 112, um sich dort zu erkundigen, was es mit dem Lärm auf sich hat: «Mir wurde erklärt, dass es sich um ein Vermessungsflugzeug handle.»

Der nächtliche Fluglärm liess die Allschwilerin am nächsten Tag nicht los, weshalb sich Rossi am Mittwochmorgen mit dem Kanton sowie mit dem Bund und der Allschwiler Gemeinde in Verbindung setzte. Schnell wurde klar: Keine der genannten Instanzen hatte Kenntnis von den Vermessungsflügen. Unterdessen konnte das Mysterium aber geklärt werden. Das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) des Kantons Basel-Stadt ist für den Fluglärm verantwortlich. 

Auf Anfrage bestätigt Nicole Stocker, stellvertretende Leiterin Kommunikation des BVD, dass vergangene Nacht sogenannte Vermessungsflüge stattgefunden haben: «Während der Flüge entstehen im Auftrag des Kantons Laserscans, aus denen wir ein aktuelles 3-D-Modell von Basel-Stadt erstellen können.»

Dieses Modell dient als Planungsgrundlage für grosse Infrastrukturprojekte wie das Herzstück der Regio-S-Bahn oder den Rheintunnel, so Stocker. Die Vermessung findet aus der Luft statt, da dies deutlich günstiger ist, als eine Messung vom Boden aus.

Während rund fünf Stunden hat die zweimotorige Cessna das Stadtgebiet in einer Höhe von 1500 Metern gitternetzförmig überflogen. Stocker erklärt: «Die Flüge fanden aufgrund der Bewilligung in der Nacht statt. Die Bewilligung hat die französische Flugbehörde – das französische Pendant zum BAZL in der Schweiz – erteilt.»

So zeichnete Flugradar24 die Flüge auf:

Ein weiterer Vermessungsflug soll durchgeführt werden, voraussichtlich in der kommenden Nacht. Dieser Flug wird rund drei Stunden dauern und über Riehen und Bettingen sowie entlang des Rheins stattfinden. Danach finden keine Flüge mehr statt.

Wieso hatte niemand Kenntnis davon?

Im Normalfall hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) – welches für die Luftfahrtentwicklung und die Aufsicht über die zivile Luftfahrt in der Schweiz zuständig ist – Kenntnis über ausserordentliche Flüge. Nicole Räz, Pressesprecherin des BAZL, erklärt auf Anfrage: «Da das entsprechende Flugzeug aus dem Ausland gekommen ist, sprich da es in Basel weder gelandet noch gestartet ist, war es kein bewilligungspflichtiger Flug.» In der Schweiz gibt es kein Nachtflugverbot, sondern lediglich ein Starte- bzw. Landeverbot. Sofern die Mindestflughöhen eingehalten werden, muss das Bundesamt für Zivilluftfahrt nächtliche Flüge nicht bewilligen. 

Auch wenn auf der rechtlichen Ebene alles korrekt verlief, stört sich die Allschwilerin Eveline Rossi an der Tatsache, dass niemand über die nächtliche Aktion Bescheid wusste. «Es kann doch nicht sein, dass die Behörden keine Ahnung davon haben.» Konfrontiert mit dieser Aussage zieht Nicole Stocker, stellvertretende Leiterin Kommunikation des BVD, eine klare Lehre aus dem gestrigen Ereignis: «Dass der Fluglärm in der Nacht einige Leute aufgeschreckt hat, verstehen wir. Künftig werden wir im Voraus besser kommunizieren, damit keine Verunsicherung entsteht. »