Unterbruch
Nach 15 Jahren sind The Scrucialists bereit für eine Pause

Zum runden Geburtstag gönnt sich die Basler Band The Scrucialists eine Auszeit, um sich über die Zukunft im Klaren zu werden. Die Reggea-Pioniere, die von ihrer Musik nicht leben können, bleiben auf der Strasse unerkannt. Für sie ist das auch gut so.

Jasmin Grasser
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The Scrucialists: Eric Gut, Luc Montini, Simon Hänggi und Matthias Tobler (v.l.) vor dem Konzert auf der Treppe des Sommercasinos.

The Scrucialists: Eric Gut, Luc Montini, Simon Hänggi und Matthias Tobler (v.l.) vor dem Konzert auf der Treppe des Sommercasinos.

Kenneth Nars

Vor Wegbegleitern, Fans und Freunden spielten die Basler Reggae-Pioniere The Scrucialists am Freitag im Sommercasino ein Jubiläumskonzert nach 15 Konzertjahren.

Die Band, die 1997 gegründet wurde, nahm das Publikum mit auf eine musikalische und tanzbare Reise. Dub, Reggae, Dancehall-Melodien und Gitarrenriffs gingen fliessend ineinander über. Gekonnt wechselten die vier Basler zwischen verschiedenen Riddims. Sie spielten ihre Instrumentalstücke auf derselben Bühne, auf der sie 15 Jahre zuvor ihren ersten Auftritt hatten.

«Wir haben uns in der Zwischenzeit von dem Schock, dass es uns bereits so lange gibt, erholt», sagt Bassist Matthias Tobler lachend.

Zusammenarbeit mit Phenomden

Heute sind The Scrucialists eine der bekanntesten Backing Bands der Schweiz. Sie waren mit Szenegrössen wie Lady Saw auf Tour, haben an grossen Musikfestivals wie dem Summer Jam gespielt und den Künstler Lee Everton bis nach Japan begleitet.

Leben können die vier Musiker von ihrem kreativen Engagement nicht. Sie arbeiten Teilzeit als Lehrer, im Büro oder für die eigene Firma.

Die Laufbahn als Band im Hintergrund war eher Zufall als ein Karriereplan. «Mit Richard White konnten wir uns eine auf den Sänger ausgerichtete Banddynamik vorstellen», sagt Tobler. White zog es 1999 zurück in seine Heimat Barbados, von da an blieb die Band ohne festen Frontmann.

Davon liessen sich The Scrucialists nicht entmutigen und machten aus der scheinbaren Not eine Tugend. «Wir hatten bereits vorher für andere Künstler gespielt, dennoch war es für uns ein Lernprozess, im Hintergrund zu arbeiten», sagt Tobler.

«Wir mussten lernen, unseren eigenen Stil und unsere Qualität zu verkaufen», fügt der Keyboarder Simon Hänggi an.

Damit, dass sie nicht im Rampenlicht stehen und nicht auf der Strasse erkannt werden, hat keiner der Musiker ein Problem. «Wir sind keine Frontmänner», meint der Gitarrist Luc Montini.

Zusammen mit dem Schlagzeuger Eric Gut gründete er 1999 in Muttenz das One Drop Studio. Bald darauf brachte sich auch der Bassist der Band in die Produktion für nationale und lokale Künstler mit ein.

2009 zog das Studio an seinen heutigen Standort nach Kleinhüningen. «Wir hatten auch damit

sicher einen Einfluss darauf, dass Reggae heute in Basel fest zur Ausgangskultur dazugehört», sagt Tobler. Mit ihrem Engagement stiessen die vier Musiker auf offene Ohren: Seit 2005 arbeiten sie mit dem Zürcher Reggae-Sänger Phenomden zusammen. «Diese Kollaboration war ein Glücksfall», sagt Montini.

Herausfinden, wohin man will

Man teilte dieselben musikalischen Ideen, das machte die Zusammenarbeit einfach. Es passt zu den bodenständigen Baslern, dass sie trotz ihren Europatourneen von Schweizer Festivals schwärmen. «Wenn alle am Open Air St. Gallen Songs lauthals mitsingen, die man mitentwickelt hat, ist das ein sehr tolles Gefühl», sagt Montini.

Nicht nur während Gesprächen, sondern auch auf der Bühne verstehen sich die Bandmitglieder blind. Weil eine Frontfigur fehle, die das künstlerische Konzept alleine bestimme, gehe es innerhalb der Band sehr demokratisch zu. «Wir pflegen eine gute Mischung aus freundschaftlicher Nähe und genügend Distanz», sagt Gut.

Natürlich hätten die verschiedenen Sänger ihren künstlerischen Eindruck hinterlassen. «Dennoch hat sich unsere Musik in den letzten 15 Jahren nicht gross geändert», sagt Tobler.

Auch der Anspruch und die Leidenschaft hätten sich nicht gewandelt. «Wenn das, was wir machen, uns keine Freude mehr bereiten würde, müssten wir aufhören», sagt Montini bestimmt.

Ganz so weit ist es nicht. Dennoch hat die Band beschlossen, ein Jahr keine Konzerte zu spielen. In den letzten 15 Jahren sei jeweils ein Projekt auf das nächste gefolgt, es gab nie einen Unterbruch, erklärt Gut. «Diese Pause soll uns Zeit geben, um herauszufinden, was wir in Zukunft gerne machen würden – und wie wir Neues angehen wollen», sagt Montini.