Die Enttäuschung ist gross. Zahlreiche Sozialdemokraten äusserten am Freitag ihr Bedauern über die Absage ihres Kronfavoriten. Sie alle hatten Martin Leschhorn sofort als valablen Nachfolger genannt, nachdem Brigitte Hollinger anfangs Januar ihren Rücktritt als Präsidentin der Basler SP angekündigt hatte. Gemeinsam mit den Vizepräsidenten Mustafa Atici und Michela Seggiani wird sie auf die Delegiertenversammlung von Ende April hin ihr Amt niederlegen.

Der falsche Zeitpunkt

Auch Leschhorn selber hatte das Amt als «spannend» bezeichnet. Die Herausforderung reize ihn. Es gelte, das Profil der Partei weiter zu schärfen und diese gleichzeitig zu verjüngen. Die Wahrscheinlichkeit, im April neuer SP-Präsident zu werden, schätzte er damals auf 30 Prozent ein. Nun aber ist alles anders: Der 47-jährige Historiker hat sich definitiv entschieden, nicht zur Verfügung zu stehen. Dies hat er an der Mitgliederversammlung der SP Riehen vom Donnerstag mitgeteilt. «Zum einen wäre es schwierig für mich, als Geschäftsführer eines Hilfswerks, Beruf und dieses Amt unter einen Hut zu bekommen», sagt er. Zum anderen stehen in Riehen in einem Jahr Lokalwahlen an, und auf diese wolle er sich als Riehener SP-Co-Präsident konzentrieren können. «Dieser Wechsel kommt für mich einfach zum falschen Zeitpunkt.»

Noch bevor die parteiinterne Findungskommission ihre Arbeit aufgenommen hat, ist Leschhorn ein weiterer Name auf einer langen Liste von Absagen. Bereits abgewinkt haben etwa Tobit Schäfer, der sich auf die Geschäftsprüfungskommission konzentrieren will, Salome Hofer, die das Grossratspräsidium anpeilt. Und auch Dominique König oder Beatriz Greuter haben bereits abgesagt.

Das Rennen um das Parteipräsidium ist wieder völlig offen. Mehrere SP Mitglieder wollen sich denn auch noch nicht festlegen. Etwa Sarah Wyss. Die neue Präsidentin der grossrätlichen Gesundheitskommission lässt aber klar durchblicken, dass sie im Moment «andere Prioritäten» habe. Sie bedauert den Entscheid Leschhorns, genauso wie Pascal Pfister: «Ich habe bis zuletzt gehofft, dass er das Amt übernimmt.» Er sieht nun die Findungskommission in der Pflicht. Und diese beschäftigt sich neu mit einer alten Idee: der Doppellösung.

Bereits vor vier Jahren stand die Frage im Raum, ob sich nicht ein Co-Präsidium die Arbeit an der Spitze der SP teilen könne. Die Arbeitsbelastung dürfte seither nicht kleiner geworden sein. Manche reden von einem 20-Prozent-Pensum. Es wird klar: Bringt man diese Möglichkeit ins Spiel, erweitert sich automatisch das Feld der Aspiranten. Christian von Wartburg etwa sagt: «Beschliesst die Findungskommission ein Co-Präsidium, könnte ich mir eventuell vorstellen, diesen Job zu machen.» Darauf angesprochen, mit wem er sich das Amt teilen würde, nennt er Pascal Pfister. Dieser wollte die Aussage seines Fraktionskollegen am Freitag allerdings nicht kommentieren. Zwei Männer an der SP-Spitze? Nicht undenkbar, aber auch nicht gerade wahrscheinlich.

Auch Toya Krummenacher unterstützt grundsätzlich die Idee eines Co-Präsidiums. «Beim Gewerkschaftsbund habe ich gute Erfahrungen damit gemacht», sagt die Grossrätin. Auch sie bedauert zwar, dass Martin Leschhorn abgesagt hat, gleichzeitig aber möchte sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausschliessen, selber für das Präsidium zu kandidieren.

Jessica Brandenburger ist Mitglied der Findungskommission. Sie kann sich eine Doppelspitze ebenfalls gut vorstellen. Als Juso-Co-Präsidentin konnte sie selbst schon Erfahrungen sammeln. «Wenn die Arbeit fair auf mehrere Schultern verteilt wird, ist das eine gute Lösung», sagt Brandenburger. Sie bestätigt, dass mehrere SPler mit diesem Wunsch an sie herangetreten sind. «Wir halten nächste Woche unsere erste Sitzung dazu ab», sagt Brandenburger.