Migration
Nach all den Turbulenzen: Wie geht es eigentlich Birame? Sehr gut!

Das Gericht hat entschieden, dass der Senegalese in Basel bleiben darf – bald vielleicht sogar unbefristet.

Martina Rutschmann
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Von 2011 bis 2012 war das Gesicht des Migranten Birame Diouf etliche Male in den Zeitungen abgebildet, inzwischen hat die Bewegung «Bleiberecht für Birmane» ihr Ziel erreicht – und Birame kocht legal im «Sunnebeedli».

Von 2011 bis 2012 war das Gesicht des Migranten Birame Diouf etliche Male in den Zeitungen abgebildet, inzwischen hat die Bewegung «Bleiberecht für Birmane» ihr Ziel erreicht – und Birame kocht legal im «Sunnebeedli».

Kenneth Nars

Merkwürdig, alle Leute rennen, junge, alte, Mütter mit Kindern. Und zwar immer. «Was soll das?», fragte er sich, damals, 2002 in Genf. Bald fand er eine Antwort: «Hier muss man mit der Zeit spielen, alles organisieren, jede Minute zählt, es gibt ständig zu tun. Die Senegalesen haben eine andere Beziehung zur Zeit, sie rennen nie, haben nie Stress.» Nach sechs Monaten rannte er selber, auch, wenn er nicht in Eile war.

Status wurde mit der Ehe legal

Birame hat in seiner Heimatstadt Dakar Englisch und Wirtschaft studiert. Er hatte einen Job in der Handelsabteilung einer Firma und eine Wohnung. Es war kein schlechtes Leben, das er führte, es gab keinen Krieg, keine wirtschaftliche Not, keine Umweltkatastrophen. Trotzdem sehnte er sich nach «einem besseren Leben», wie er sagt: «Im Senegal gibt es keine Entwicklung, keine Möglichkeit, weiterzukommen, sich etwas aufzubauen.» Er träumte von Europa.

Doch wo sollte er hin, ferienhalber, zunächst? Ein Freund aus Dakar riet ihm, nach Genf zu gehen, wo die Amtssprache wie im Senegal Französisch ist. Selber war der Freund schon dort.

Die zufällige Begegnung mit einer Baslerin änderte alles. Birame und die Frau verliebten sich, reisten nach einer Weile in den Senegal, heirateten dort und blieben, bis sie gemeinsam zurück in die Schweiz durften. Birame war nun Ehemann und legal und ein fleissiger Deutschschüler. «Ich wusste: Die Sprache ist das Wichtigste. Das sage ich allen Ausländern. Ohne Deutsch kannst du nichts erreichen.»

Er bekam einen Job im «Manger & Boire» und lernte liebe Menschen kennen in dieser Stadt, die er als «sehr offen» beschreibt. Er lebte das Leben, nach dem er sich gesehnt hatte. Bis es kriselte in der jungen Ehe und das Paar sich nach zwei Jahren und sieben Monaten trennte. Hätte es fünf Monate länger gewartet, hätte Birame problemlos bleiben können. Doch eine Ehe muss mindestens drei Jahre dauern, damit ein Ausländer Anspruch auf eine Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung hat.

Birames Gastro-Freunde wollten ihn nicht gehen lassen – und riefen die Bewegung «Bleiberecht für Birame» ins Leben, die unter anderem mit einem Benefiztag, an dem Stiller Has spielte, Schlagzeilen machte.

Mit den Einnahmen finanzierte die Gruppe einen Anwalt. Dieser machte vor Gericht geltend, dass «wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen» – und bekam nach jahrelangem Hin und Her Recht. «Das zeigt, dass es sich lohnt, zu kämpfen», sagt Birames Freund und Chef, der Gastronom Markus Stocker.

Veranstaltungen: Flüchtlingstage

Am Samstag, 17. Juni, steigt anlässlich des nationalen Flüchtlingstages ein Fest auf dem Barfüsserplatz. Unter dem Titel «Last Minute. Eine Flucht ist keine Ferienreise» bieten Organisationen wie unter anderem die Caritas beider Basel ein Programm mit etlichen Angeboten für Kinder und Erwachsene. Es beginnt um 11.30 Uhr und endet um 19 Uhr. Um 17 Uhr spricht die Direktorin der Schweizerischen Flüchtlingshilfe.

Am Weltflüchtlingstag am Dienstag, 20. Juni, lädt die Gruppe «Help For Refugees Basel» von 18.15 Uhr bis um 22.15 Uhr ins Italienische Konsulat an den Schaffhauserrheinweg 5 in Basel ein.

Rosetta Lopardo sorgt für musikalische Unterhaltung, das Catering Pellicanò kocht Italienisch. Das Geld aus der Kollekte kommt einem Sommercamp für Flüchtlingskindern aus Süditalien zu Gute.

Gästeliebling wegen Yassa-Menü

Stocker hatte Birame ins Restaurant Johann, das inzwischen geschlossen ist, geholt und beschäftigt ihn jetzt im «Sunnebeedli»-Restaurant. Dort kocht Birame manchmal den senegalesischen Lammeintopf Yassa, der ihn bereits im «Johann» zum Liebling der Gäste gemacht hatte. «Birame ist mit seinem sonnigen Wesen eine Stütze für das Team», sagt Stocker.

Und Birame selber betont, wie wichtig der Einsatz seiner Basler Freunde gewesen sei. Möglicherweise hätte er ohne sie den Entscheid des Migrationsamtes, wonach er kein Härtefall sei, kampflos geschluckt. Und sässe jetzt in seinem alten Leben. Wobei dieses nicht mehr dasselbe wäre, sagt er: «Wenn man ein paar Jahre weg ist von der Heimat, ist man auch dort ein Ausländer.» Was für ihn aber kein Problem sei, weder dort, noch hier.

Schlechte Erfahrungen wegen seiner Hautfarbe habe er in der Schweiz noch keine gemacht. «Ich verhalte mich korrekt und meide Orte, an denen sich merkwürdige Leute aufhalten.» Würde er sich nach 20 Uhr am Claraplatz aufhalten, müsste er sich nicht wundern, wenn ihn die Polizei kontrollieren würde, sagt er selber.

Auch wegen seiner Religion, dem Islam, sei er noch nie kritisiert worden. «Die Leute sehen mir meinen Glauben ja nicht an.» Für ihn ist klar: «Religion ist Privatsache.» Er besucht hie und da eine Moschee und trinkt nie Alkohol. Den Ramadan könne er nicht einhalten, schliesslich müsse er die Menüs, die er kreiert, kosten.

Die Religion ist seine Privatsache

Die Anschläge, die Terroristen im Namen seiner Religion verüben, verurteilt Birame: «Diese Leute missbrauchen die Religion für ihre politische Ideologie.» Was ihn auch beschäftigt, sind die vielen Flüchtlinge, die über das Meer nach Europa kommen. «Da muss eine Lösung gefunden werden», sagt er traurig.

Auch aus seinem Land flüchten jährlich zahlreiche Menschen auf diese gefährliche Art. Vergangenes Jahr waren es knapp 10 000. Birame weiss, dass längst nicht alle so viel Glück haben werden, wie er es hatte. Er ist aber sicher, dass man es schaffen kann, wenn man nur hart genug kämpft, sich anpasst und die Landessprache kann.

Seit einigen Wochen lebt Birame seit zehn Jahren mit einer B-Bewilligung hier. Er kann jetzt also eine unbefristete C-Bewilligung beantragen, was er bald tun wird, wie er freudig sagt. Inzwischen bezeichnet er die Schweiz als seine Heimat, als die andere Heimat neben Senegal. Wo er seinen 60. Geburtstag feiern möchte, behält er für sich. Es sei zu früh, daran zu denken. Ausserdem gäbe es hier noch viel zu tun für ihn. Sagt er – und rennt in die Küche.