Warenmesse

Nach ausbleibendem Erfolg wagt die Muba den Neustart

Skizzen zur neuen Muba. Konkret sind die Pläne der Messehalle 2, wo es künftig Zonen statt aneinandergereihte Stände gibt.

Skizzen zur neuen Muba. Konkret sind die Pläne der Messehalle 2, wo es künftig Zonen statt aneinandergereihte Stände gibt.

Die Ausgabe 2017 der Warenmesse war ernüchternd. Jetzt plant der Muba-Chef ein neues Konzept: Statt einzelnen Ständen sollen künftig Erlebniswelten die Besucher anlocken.

Daniel Nussbaumer könnte eigentlich durchatmen. Unter dem neuen Messeleiter schaffte die Muba im Frühjahr den Turnaround. Nach dem kontinuierlichen Publikumsschwund der vergangenen Jahrzehnte konnte die Messe unter ihm endlich wieder zulegen. 130 000 Besucher waren es im Vorjahr gewesen, 145 000 zog die Muba 2017 an. Doch Nussbaumer hält nicht viel von den Zahlen. In seinen Augen sei sie «ernüchternd» gewesen. Der erst 33-Jährige ist der Meinung, seine Vorstellung einer modernen Messe sei noch nicht angekommen.

Den Widerständen zum Trotz plant Nussbaumer, die Muba schrittweise komplett umzubauen. Eine erste Etappe folgt bei der kommenden Ausgabe vom 20. bis 29. April 2018. Dies geht aus dem Messekonzept hervor, das der «Schweiz am Wochenende» vorliegt. In der Halle 2 sollen die einzelnen Stände vier ineinandergreifenden Zonen und Themengebieten weichen. Nussbaumer schwebt eine «Welt» vor – vorbei die Zeiten, in denen die Zuschauer sich an «aneinandergereihten Quadraten» vorbeischlängelten. «Es sollen bei den Produkten die Sinne im Vordergrund stehen und nicht das Technische», findet Nussbaumer. «Eine Cola schmeckt im Keller ja auch anders als in Cancún am Strand.»

Ein Gerüst als Architektur

Der junge Chef nimmt nicht für sich in Anspruch, das Rad neu erfunden zu haben. «Was wir hier machen, macht beispielsweise Apple schon lange.»

Vier Themenbereiche werden künftig unter dem Titel «Inspiration.LIVE» in der Halle 2 ineinanderfliessen. Die «Basel.LIVE» ist den regionalen Ausstellern gewidmet. Bei «Start-up.LIVE» können sich die Jungunternehmer in einem besseren Licht als im vergangenen Jahr präsentieren. Sie kamen zugegebenermassen nicht zur Geltung», sagt Nussbaumer. In der Zone «You.LIVE» steht die «Eigen- und Fremdwahrnehmung» der Menschen im Vordergrund. Sie sollen hier Bildungs- und Weiterbildungsangebote finden, aber gemäss Konzept auch «Fashion & Lifestyle» mit Produkten, die den Besuchern bei der Selbstverwirklichung behilflich sein sollen. «Denkbar ist, dass man hier Modeschauen zu sehen bekommt oder eine virtuelle Stadtführung», sagt der Messechef. Den architektonischen Rahmen bilden Gerüststangen und halbtransparente Baunetze in diversen Farben, die den Besucher durch die Messehalle führen.

Daniel Nussbaumer ist überzeugt, dass die 101-jährige Muba ein Facelifting braucht. Doch er weiss auch um die Gefahren eines schnellen Umbaus. Viele bewährte Aussteller werden einen anderen Standplatz suchen müssen. Gleichzeitig habe man traditionelle Unternehmen wie beispielsweise die EF Sprachreisen für das neue Konzept bereits an Bord holen können. «Nicht alle Aussteller, nicht das ganze Publikum wird zufrieden sein», ist sich Nussbaumer bewusst. «Aber am schlimmsten ist, wenn wir stillstehen.» Bei den Umfragen unter den Besuchern habe sich gezeigt, dass Neuerungen altersunabhängig gut ankämen.

Womöglich haben ihn diese Umfrageergebnisse bewegt, auch in anderen Bereichen Änderungen anzustossen. So soll ab nächstem Jahr auch der Essbereich neu gestaltet werden. Statt aneinandergereihte Stände von Chäschüechli- und Wurstverkäufern soll den Besuchern eine Reise durch die schweizerische Kulinarik geboten werden. Geplant sind Pop-up-Dinners, ein Naschmarkt sowie Kochshows. Zudem schwebt Nussbaumer vor, die Besucher mit Insektengerichten oder Herstellungsprozessen zu Invitrofleisch vertraut zu machen.

Nur 22 Prozent zum Shoppen da

Die besten Zeiten sind für Warenmessen vorbei. In den 60er Jahren pilgerte eine Million Besucher an die Muba nach Basel. Solche Zahlen werden für immer unerreichbar sein, das weiss auch Nussbaumer. Wichtig sei indes, dass das Angebot wachse – und sich für alle Altersklassen etwas finde. Die Umfragen der vergangenen Jahre zeigten die unterschiedlichen Beweggründe für einen Muba-Besuch. 40 Prozent gingen wegen des Essens und Trinkens, 26 Prozent genossen die Messe als Freizeitspass, 35 Prozent gaben an, «aus Tradition» hier zu sein. Lediglich 22 Prozent seien «konkret» gekommen, um etwas zu kaufen.

Ein Wert, der sich ebenfalls bald verbessern könnte. So träumt der Messechef davon, dem schweizweit bekannten Fashion Outlet Gastrecht in der Messehalle 5 zu gewähren – einer Halle also, die seit Jahren nicht benutzt wurde. Ein weiteres Zeichen, dass die neue Muba ihr Heil in der Offensive sucht.

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