Jetzt ist klar: Die «Basler Zeitung» geht an die Tamedia. Chefredaktor Markus Somm ist noch ein halbes Jahr in Funktion, nimmt danach eine Auszeit und wird später Autor beim Tages-Anzeiger. Und Eigentümer Christoph Blocher verabschiedet sich aus der Medienstadt Basel.

"Der Verkauf entspricht der aktuellen Entwicklung in der Medienbranche. Ich hoffe nicht, dass die BaZ nun wieder zum Sprachrohr der SP wird und damit in alte Muster zurückfällt", sagt dazu FDP-Grossrat Christophe Haller, Präsident der Kommission für Wirtschaft und Abgaben. Und Eduard Rutschmann, Vizepräsident der Basler SVP, sagt: "Ich bedaure, dass Basel wieder eine Zeitung verliert. Gleichzeitig befürchte ich einen Linksrutsch in der hiesigen Medienlandschaft."

"Man hat es ja kommen sehen", sagt der Basler SP-Regierungsrat und Medienminister Christoph Brutschin. Er ist weniger euphorisch als manche Parteikollegen. "Ich hoffe auf zwei Dinge: zum einen, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden und zum anderen, dass Tamedia das Versprechen eines Lokaljournalismus aus und über Basel hält." Er wünscht sich nicht nur ein Auge auf den Sport, die Politik und die Kultur, sondern auch auf die Wirtschaft.

Tamedia umspannt nun die grossen Städte 

Von linker Seite ergänzt SP-Präsident Pascal Pfister: "Ich verlange einen Sozialplan für die aktuellen Mitarbeiter der BaZ." Von Tamedia erwarte er "qualitativ hochstehenden Journalismus". Derweil David Wüest-Rudin von den Grünliberalen kommentiert: "Die BaZ galt als rechtsbürgerliches Blatt. Als Forumszeitung zwar, aber in der Tendenz rechtsbürgerlich. Ich werte den Verkauf an Tamedia als Chance."

Moderater gibt sich Patricia von Falkenstein, Präsidentin der Basler LDP, deren bürgerlich-konservative Partei an den vergangenen Wahlen 2016 als klare Siegerin hervorging: "Ich bin froh, dass es nun klar ist. Für uns, aber auch für die dort Arbeitenden. Es ist aber schon schade, dass die Redaktion dieser Tageszeitung nicht mehr ganz in Basel sein wird."

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Beat Jans: Als Basler SP-Nationalrat hat er ein reges Interesse an einem Basler Blick auf Bern. "Die Medienkonzentration nimmt zu. Tamedia umspannt Basel, Bern, Zürich und Lausanne, das ist zu viel", sagt er denn auch. Allerdings ist Jans auch wiederholt gegen die BaZ unter Blocher aufgetreten, ist Präsident von Fair Media. Ein Verein, der sich unter anderem dem Kampf gegen den Stil der BaZ verschrieben hat. Und deshalb überwiegt heute Jans' Freude: "Mich freut, dass Blochers Kampfzug gegen das vermeintlich linke Basel nun hoffentlich ein Ende findet."

Verkauf sei "unausweichlich" gewesen

Christoph Blocher nahm auch bereits Stellung zum Verkauf. Und zwar gegenüber der Handelszeitung. In einem Interview betonte er, dass er die Basler Zeitung vor sechs Jahren übernommen habe, um sie zu sanieren "und die Medienvielfalt zu gewährleisten. Beides ist gelungen". Dies, nachdem er vor wenigen Wochen in seiner eigenen Sendung Teleblocher noch dementiert hatte, als die Schweiz am Wochenende im März die Verkaufspläne öffentlich gemacht hatte.

Blocher zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia

Blocher zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia

Im Interview äussert sich Christoph Blocher nur vage zu seinem Vorhaben, lässt aber durchblicken: Politisch und personell wird er bei den Zeitungen seine eigene Linie fahren.

Den Glauben an Tageszeitungen habe er nicht verloren, sagte Blocher: "Aber bezahlte regionale Zeitungen, wie die BaZ, sind allein gefährdet. Darum war der Verkauf unausweichlich, damit sie bestehen bleibt."

Er sehe eine Zukunft bei den Lokalzeitungen. Seine Firma Zeitungshaus AG habe darum 24 Lokalanzeiger übernommen und erwerbe nun das Tagblatt der Stadt Zürich, den Furttaler/Rümlanger sowie die beiden grössten Lokalanzeiger in der Westschweiz: GHI in Genf und Lausanne Cités. Dies zu jeweils 50 Prozent. Die Zeitungshaus AG konzentriere sich in Zukunft auf Lokalanzeiger. Blocher: "Hier sehe ich auch die Print-Zukunft. Da wollen wir weiterwachsen."