An Silvester 2015, die Vorbereitungen für das Festmenu waren in vollem Gange, fuhr nachmittags nach 13 Uhr ein BMW beim Restaurant Rhypark vor. Zwei mit Affenmasken vermummte Personen betraten über den Seiteneingang das Lokal und verteilten Buttersäure auf dem Boden und auf dem Mobiliar. Das Diner musste abgesagt werden, der Schaden belief sich auf gut 90'000 Franken. Es war dies mutmasslich eine weitere Episode in den anhaltenden Auseinandersetzungen zweier Banden, die sich um die Vorherschaft im «Fame»-Club beim Claraplatz stritten.

Am Mittwoch, dreieinhalb Jahre nach dem Anschlag, stand ein Beschuldigter vor den Schranken des Basler Strafgerichts. Der 32-jährige Mann gab sich freundlich, gelassen und sicher, den Gerichtssaal als freigesprochener Mann zu verlassen. Selbst der Anwalt der Geschädigten hatte schliesslich sein Plädoyer mit den Worten beendet, auf der Basis der vorliegenden Anklageschrift der Staatsanwaltschaft müsse das Gericht wohl zu einem Freispruch kommen.

Dem Strafprozess ist ein unwürdiges Ermittlungsverfahren der Basler Strafermittler vorangegangen. So wurde es unterlassen, Videoaufzeichnungen sicherzustellen oder vorhandene Aufzeichnungen forensisch analysieren zu lassen. Da im Bandenstreit um das «Fame» bereits zuvor in Baselland ein Strafverfahren angelaufen war, wollten die Basler auch den Rhypark-Fall an die Baselbieter Kollegen abschieben. Die Land-Behörde wehrte ab, daraufhin strebten die Basler die Einstellung des Verfahrens an.

Nach weiteren Eingaben der Privatkläger nahmen die Städter das Verfahren wieder auf, wollten es nach einigen weitergehenden Ermittlungen aber erneut ans Land abtreten. Der Streit um die Zuständigkeit eskalierte bis vor das Bundesstrafgericht, das im Februar entschied, Basel-Stadt müsse dieses Verfahren selbst zu einem Ende bringen. Die Basler Staatsanwaltschaft verfasste daraufhin eine kurze Anklageschrift, gestern kam es zum Prozess.

Ein Urteil für den Beklagten

Der Beschuldigte erklärte vor Gericht einzig, er habe mit dem Überfall nichts zu tun. Ansonsten verweigerte er sich den konkreten Fragen des Richters zum Fall. Seine Strafverteidigerin war sich mit dem Privatkläger in einem Punkt einig, dass die Staatsanwaltschaft nämlich schlecht gearbeitet habe.

Damit erschöpfte sich allerdings die Gemeinsamkeit. Denn während der Privatkläger sich vor Gericht beklagte, die Geschädigten hätten von der Staatsanwaltschaft keine Einsicht in die Ermittlungen erhalten, auch ihr Insiderwissen sei nicht gefragt gewesen, monierte die Strafverteidigerin, die Staatsanwaltschaft habe sich parteiische auf die Seite der Privatklägerschaft geschlagen und eine objektive Haltung vermissen lassen.

Nach kurzer Beratung fällte der Einzelrichter das erwartete Urteil: Freispruch. Mehr als Indizien, die nie für einen Schuldspruch ausreichten, habe die Staatsanwaltschaft gegen den Beklagten nicht zusammengetragen. Unbestritten war, dass das Fahrzeug von der Firma des Beklagten in Lörrach gemietet worden war, doch ein Nachweis, wer es gefahren hat oder darin gefahren wurde, war damit nicht erbracht.

Die Meinung, dass es zu einem Freispruch komme, scheint sich beim Richter schon durch das Aktenstudiums gefestigt zu haben. Er hatte weder die zuständige Staatsanwaltschaft verpflichtet, am Prozess teilzunehmen, noch hatte er Zeugen vorgeladen. Selbst bei der Befragung des Angeklagten zu seiner Person beschränkte er sich auf das Nötigste und unterliess jede klärende Nachfrage.

Baselbieter Prozess folgt

Für den Überfall auf den Rhypark ist der Beklagte aus dem Schneider, allerdings nur dort. Denn im Strafprozess, der ihm in Baselland droht, stehen schwerere Delikte zur Anklage. Etwa der bandenmässige Handel mit mindestens vierzig Kilogramm Heroin. Der Beklagte war in Spanien in Auslieferungshaft genommen worden und war bis Anfang April in den Schweiz in Untersuchungshaft.

Seit seiner Freilassung ist er nach eigenen Angaben auf Arbeitssuche. Seine Firma, die von Allschwil aus mit aggressiver Verkaufsmethode Druckertoner vertrieb, ist in Liquidation. Sein Vermögen hatte die Steuerverwaltung vor drei Jahren auf gut eine halbe Million Franken taxiert. Mittlerweile ist er nach eigenen Angaben «schwer verschuldet».