Krise
Nach BVB-Affäre: Basler Regierung desavouiert Direktor Erich Lagler öffentlich

Grosser Verlierer der BVB-Affäre ist Direktor Erich Lagler. Er muss beim Sparprogramm Avanti zurückkrebsen.

Jonas Hoskyn und Daniel Ballmer
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Unter die Räder gekommen: BVB-Direktor Erich Lagler und sein Effizienzsteigerungsprogramm Avanti.

Unter die Räder gekommen: BVB-Direktor Erich Lagler und sein Effizienzsteigerungsprogramm Avanti.

Nicole Nars-Zimmer

Die Regierung hat entschieden: Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) müssen die viel diskutierte Million an die Franzosen aus der eigenen Kasse berappen. Und das umstrittene Effizienzsteigerungsprogramm Avanti, welches hauptsächlich für das miserable Betriebsklima im öV-Unternehmen verantwortlich ist, wird gebremst. Der zuständige Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) und der BVB-Verwaltungsrat präsentierten vergangene Woche demonstrativ Einigkeit, als sie diese Entscheide bekannt gaben.

Einer dürfte dabei keine grosse Freude gehabt haben: BVB-Direktor Erich Lagler wurde durch den Regierungsentscheid gleich doppelt desavouiert. Lagler hatte sich erfolglos dagegen gesträubt, die Altlast seines Vorgängers zu übernehmen. Die Million wurde den französischen Partnern im Frühjahr 2012 an einer Sitzung versprochen. Ob die BVB-Spitze oder Wessels selber die umstrittene Zusage gemacht haben, darüber wird seit Langem gestritten.

Klar ist: Lagler wurde kurz nach seinem Amtsantritt vor drei Jahren auf dem falschen Fuss erwischt, als die Franzosen nachfragten, wo das Geld bleibe. Die BVB hatte eben gerade dem Bau- und Verkehrsdepartement einen zweistelligen Millionenbetrag zurückzahlen müssen, nachdem die stillen Reserven aufgelöst wurden. Erst als Wessels insistierte, bestätigten die BVB widerwillig das Zahlungsversprechen in einem Brief.

Auch hatte Lagler eine klare Meinung, wie die Million finanziert werden soll: Noch Ende Juli sprach er sich in einem Interview mit der bz dafür aus, dass das Parlament einen Nachtragskredit sprechen soll. Nicht einmal eineinhalb Monate später stellt BVB-Verwaltungsratspräsident Kurt Altermatt nun seinen Direktor in den Senkel: «Wir sind eine Verpflichtung eingegangen und stehen dazu.» Es sei immer klar gewesen, dass die Million aus der Kasse der BVB kommt. Er habe das damals für eine gangbare Variante gehalten, meint Lagler dagegen rückblickend.

Lagler will bleiben

Noch deutlicher tritt der Bruch beim Effizienzsteigerungsprogramm Avanti zutage. Lagler wurde nach der Misswirtschaft der früheren Geschäftsleitung als Aufräumer geholt. Sein Ruf eilte dem SBB-Kadermann voraus. Doch die Ideen von Lagler sorgten schnell für Verunsicherung und Angst bei der Belegschaft. Dazu gehörte auch, dass Lagler das von der Regierung vorgegebene Sparziel von einer Million Franken pro Jahr verfünffachte. Avanti sorgte je länger je mehr für Kritik aus der Belegschaft und der Politik.

Dass die Regierung und auch der BVB-Verwaltungsrat nun erklären, das Sparprogramm werde abgebremst, kann kaum anders denn als Desavouierung des Direktors verstanden werden. Lagler deutete vor wenigen Wochen auch selber an, dass er sich in diesem Falle einen Rücktritt überlege. «Wenn der Eigner sagt, für ihn sei die Hauptsache, dass grüne Busse und Trams fahren, egal was sonst passiert, muss ich nicht unbedingt fünf Millionen einsparen», sagte er im bz-Interview.

«Ob das dann noch eine Aufgabe ist, die mich persönlich herausfordert, ist eine andere Frage.» Auf erneute Nachfrage beantwortet Lagler seine eigene Frage nun: «Selbstverständlich Ja. Ziel der BVB-Spitze bleibt, dass das Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig ist. Das ist eine grosse und spannende Herausforderung, wenn man sich die rasante Entwicklung des ganzen Mobilitätsmarkts vor Augen führt.» Die Antwort kann allerdings nichts daran ändern, dass auch mehrere Politiker Lagler nach den Ereignissen der vergangenen Woche als zumindest «hart angeschlagen» bezeichnen.

Kritik an autoritärer Führung

Ins Bild passt weiter: Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats (GPK), welche die BVB-Affäre untersuchte, thematisierte die autoritäre Führungskultur, welche in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat herrsche. Gegen die Kritik innerhalb des Verwaltungsrats wehrte sich die neue Vizepräsidentin Mirjam Ballmer vergangene Woche an der Pressekonferenz wortreich. Die Geschäftsleitung und der BVB-Direktor wurden dabei allerdings mit keinem Wort erwähnt. Es blieb Lagler selber überlassen, sich im letzten Abschnitt der Presseunterlagen zu verteidigen.