Das Blatt hat sich gewendet. Nun steht Daniel Model im Rampenlicht. Er, der mit einer Dokumentensammlung auf zwei CDs die Strafuntersuchung gegen Basels Erziehungsdirektor Christoph Eymann provoziert hat. Diese Vorwürfe gegen Eymann haben sich gemäss einer Strafuntersuchung als haltlos erwiesen. Jetzt prüft die Basler Staatsanwaltschaft, ob gegen Model «ein hinreichender Tatverdacht auf eine Straftat vorliegt». Dies sagt Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft. Die Behörde muss von Amtes wegen tätig werden, wenn jemand falsche Anschuldigungen macht oder die Rechtspflege irreführt.

Ohne stichhaltige Beweise vorzulegen, hatte Model den LDP-Politiker beschuldigt, ihm ein Schweigegeld bezahlt zu haben. Das Geld sollte für eine Hanfanlage verwendet werden. So habe Eymann verhindern wollen, dass Model seine ehemalige Frau im Cosco-Betrugsfall aus den 90er-Jahren belastet. Sie hatte in den Cosco-Firmen als Anwältin gewirkt. Ein Strafverfahren gegen sie wurde 1999 eingestellt.

Alle Delikte wären verjährt

Die zehnseitige Einstellungsverfügung des Strafverfahrens gegen Regierungsrat Eymann vom 9. Oktober liegt dem «Sonntag» vor. Der ausserordentliche Staatsanwalt Burger stellt darin klar, dass «sämtliche Vorwürfe» Models und seiner Mitstreiter als «unglaubwürdig» erscheinen: «Aus den vorliegenden Unterlagen ergeben sich keine hinreichenden und glaubwürdigen Hinweise für eine Involvierung des Beschuldigten in die Cosco-Betrügereien.» Die Belege, die auf ein Treffen zwischen Model und Eymann sowie das Zahlen von Schweigegeld hindeuteten, erschienen inhaltlich gefälscht. Aus der Verfügung geht hervor, dass einer der angeblichen Zeugen in ein neues Strafverfahren verwickelt ist. Im Übrigen, so schreibt Burger weiter, wären auch sämtliche vorgeworfenen Delikte «zwischenzeitlich verjährt».

Nur Eymann selbst kann gegen die Einstellungsverfügung bis zum 19. Oktober Beschwerde beim Appellationsgericht erheben. Damit ist die Sache gelaufen. Anders sieht es im zweiten Verfahren aus, das Model gegen Eymann wegen Nötigung angestrengt hatte. Auf diesen Vorwurf ging Burger gar nicht ein, weil Model die Umstände der behaupteten Straftat in den Grundzügen nicht dazulegen vermocht habe. Hier könnte Model Beschwerde einreichen.

Sieg auf der ganzen Linie

Der Ausgang des Verfahrens ist ein Sieg Eymanns auf der ganzen Linie. Die Strafuntersuchung wird eingestellt. Die Kosten des Verfahrens trägt der Staat. Eymann wird für die Kosten der Verteidigung mit 10 908 Franken entschädigt. Er prüft ebenfalls, ob er gegen Model rechtlich vorgehen will.

Der Erziehungsdirektor liess es sich nicht nehmen, mit einem persönlichen Mediencommuniqué selbst die Resultate der Untersuchung bekannt zu geben. Die Staatsanwaltschaft, die eher als Kommunikatorin zu erwarten gewesen wäre, wollte nach Informationen des «Sonntags» zuwarten, bis die Verfügung rechtskräftig wird. Die Gesamtregierung mochte sich auch nicht äussern. Denn die Regierung habe den ausserordentlichen Staatsanwalt auf Antrag der Staatsanwaltschaft gewählt, begründet Regierungspräsident Guy Morin gegenüber dem «Sonntag». Er ergänzt: «Wir wirken hier nur als Wahlbehörde und haben darum auch nicht über das Resultat des Strafverfahrens informiert.» Natürlich seien alle sehr froh, dass das Strafverfahren eingestellt wurde, erklärt Morin.

Die Affäre schwelte seit mehr als fünf Jahren. In kleineren Medienberichten brach sie periodisch an die Oberfläche. Es brauchte eine Verkettung von Umständen und Zufällen, bevor die Basler Medien das Thema im vergangenen September breit darlegten. Mit der Berichterstattung der «Basler Zeitung» ging etwa der stadtbekannte Anwalt Felix Liatowitsch scharf ins Gericht. In einem Leserbrief bemängelt er eine anfängliche «unfundierte Demontage», die nun in eine «ebenso überzogene Lobhudelei» mündete. Der Kommentator der «bz Basel» riet sich und seinen Kollegen, den «ethischen Kompass» neu zu richten.

Ob so viel Fremd- und Eigenschelte macht Eymann gegenüber den Medien gute Miene zum bösen Spiel: Kurz vor den Wahlen stellen sie ihm das allerbeste Zeugnis aus.