Nein, eine endgültige Abkehr von der Politik soll es nicht sein, stellt Tobit Schäfer klar. «Ich bin und bleibe ein politischer Mensch.» Zumindest eine Pause aber wird er einlegen. Am Dienstag hat er seinen Rücktritt auf Ende Januar 2018 aus dem Basler Grossen Rat bekannt gegeben – aus beruflichen Gründen, wie Schäfer in seinem Demissionsschreiben mitteilt. Der gemässigte Sozialdemokrat wird im Parlament zu den Spitzenpolitikern gezählt. Wiederholt wurden ihm auch Regierungs-Ambitionen nachgesagt.

Mit dem Rücktritt Schäfers schreitet der Generationenwechsel bei der SP weiter voran, was bei einem 37-Jährigen etwas seltsam anmuten kann. Schäfer sitzt aber immerhin bereits seit 13 Jahren im Grossen Rat. Nun macht er dem 26-jährigen Beda Baumgartner Platz, der Vizepräsident bei der Basler SP und beruflich bei der SP Schweiz als Kampagnenmitarbeiter tätig ist. Dieser will sich als Grossrat vorab in wirtschaftlichen und sozialen Themen einbringen. «Mir ist wichtig, dass von dem wirtschaftlichen Erfolg in Basel alle profitieren können», sagt er.

Eine wahre Herkulesaufgabe

Den Wechsel eingeläutet hatte Daniel Goepfert, der nach den Parlamentswahlen vor gut einem Jahr sein Amt gar nicht erst antrat, sondern Platz machte für die 35-jährige Alexandra Dill. Mitte Oktober gab dann die ehemalige SP-Präsidentin Brigitte Hollinger ihren Rücktritt aus dem Kantonsparlament bekannt. Für die 54-jährige Sozialarbeiterin wird die 39 Jahre alte Lisa Mathys, Parteisekretärin der SP Baselland, nachrücken. Und nur wenige Tage später wurde klar, dass nach seiner erneuten Wahl in den Verwaltungsrat der IWB auch Politurgestein Ruedi Rechsteiner den Grossen Rat verlassen wird. Für ihn rückt Nicole Amacher nach. Auch die 45-Jährige ist Parteifunktionärin und arbeitet als politische Sekretärin für die Basler SP. Und die Wechsel sind noch längst nicht abgeschlossen. Denn insgesamt muss die SP bis zum Ende der laufenden Legislatur rund ein Drittel ihrer 35-köpfigen Fraktion ersetzen.

Doch nicht nur im Grossen Rat hat die SP einen Generationenwechsel zu bewältigen. In den nächsten drei Jahre müssen die Genossen zudem ein oder gleich mehrere Regierungsmitglieder, ihre Ständerätin sowie eine Nationalrätin ersetzen. Das ist selbst für die mit Abstand stärkste Basler Partei eine wahre Herkulesaufgabe. Klar ist bisher, dass Finanzdirektorin Eva Herzog nach vier Legislaturen nicht mehr antreten kann; gleichzeitig zeigt sie Interesse am Ständeratssitz. Heftig spekuliert wird dagegen darüber, ob Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels nach zahlreichen Negativschlagzeilen sowie Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin nochmals antreten werden.

Auch bei den nationalen Wahlen steht die SP vor einer Herausforderung: So gilt es nicht nur, den frei werdenden Ständeratssitz von Anita Fetz zu verteidigen. Auch Nationalrätin Silvia Schenker kann wegen der parteiinternen Amtszeitbeschränkung nicht mehr antreten. Ihren Sitz sollte die Partei zwar ohne grössere Probleme verteidigen können. Wackeln dürfte dagegen der dritte linke Sitz von Basta-Politikerin Sibel Arslan, welche die Wahl vor allem dank des starken Abschneidens der SP schaffte. Unbestritten sein dürfte dagegen Nationalrat Beat Jans, der neben Herzog ebenfalls Interesse am Ständeratssitz signalisiert hat.

Ob Tobit Schäfer dann wieder mitzumischen versuchen will, lässt er vorerst offen. «Im Moment stellt sich für mich die Frage nach einer Regierungsratskandidatur nicht, falls es dereinst Vakanzen geben wird, werde ich mir darüber Gedanken machen», sagt er. «Bis auf weiteres» aber will er andere Prioritäten setzen. Wie er in seinem Rücktrittsschreiben betont, habe er bereits vor seiner Wiederwahl vor einem Jahr öffentlich deklariert, dass er seine vierte Legislatur nicht beenden, sondern seinen Platz frühzeitig für jemand Jüngeren freigeben werde. Fürs erste freue er sich, wieder mehr Zeit zu haben für Familie, Firma und ehrenamtliche Engagements.

Nachfolge zeichnet sich ab

Schäfer machte in den letzten fünf Jahren vor allem als Präsident der parlamentarischen Geschäftsprüfungskommission (GPK) von sich reden. In dieser Rolle stand er gerade im vergangenen Sommer im Scheinwerferlicht. Er scheute sich nicht, im Rahmen der Affären rund um die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) den Basler Verkehrsdirektor und Parteikollegen Hans-Peter Wessels scharf zu kritisieren. In den eigenen Reihen trug ihm das allerdings nicht nur Lob ein.

Auch dieses Amt will die SP nun verteidigen. Bereits soll es verschiedene Interessenten dafür geben. Zu den Favoriten gezählt wird der Anwalt Christian von Wartburg, der selber seit fünf Jahren GPK-Mitglied ist. «Das ist eine spannende und verantwortungsvolle Aufgabe», sagt er. Er könnte sich daher durchaus vorstellen, das Amt zu übernehmen. Dieser Entscheid liege aber in einem ersten Schritt bei der Fraktion und letztlich beim Grossen Rat.