Es war ein Beschluss, der für zahlreiche Reaktionen sorgte. Am Dienstagabend entschied der Studierendenrat der Universität Basel, an seiner Forderung festzuhalten und beim Rektorat den Antrag einzureichen, an der Uni in Zukunft keine Gratis-Ausgaben der «Weltwoche» auflegen zu lassen. Einige Schlagzeilen und Titelbilder des Magazins seien laut den Initianten «klar rassistisch», und Studierende könnten sich dadurch angegriffen fühlen.

Dass längst nicht alle Studierenden hinter diesem Entscheid stehen, zeigte sich bereits am folgenden Morgen. Der Präsident der Studentischen Körperschaft der Uni Basel (Skuba), Giuliano Borter, kündigte gegenüber dem Online-Portal «Primenews» seinen Rücktritt an. Die vergangenen Tage seien für ihn eine Belastungsprobe gewesen, so Borter. Der Skuba-Präsident musste regelmässig für die Entscheide des Studierendenrats einstehen, obwohl er dort selbst gar nicht Mitglied und deswegen auch nicht stimmberechtigt ist.

JSVP gegen «untragbare Zensur»

Wer Borters Nachfolge antreten wird, steht noch aus. Klar ist: Die Person wird einen schweren Start haben. Durch die Forderung des Studierendenrats gerät nun auch die Skuba unter Beschuss. SVP-Grossrat Alexander Gröflin forderte via Twitter dazu auf, aus der Skuba auszutreten. Der Stein des Anstosses: Sämtliche Studierenden an der Universität Basel sind automatisch Skuba-Mitglieder und zahlen pro Semester zehn Franken Mitgliederbeitrag.

Gröflins Aufruf kommt nicht überall gut an. «Der Boykott des politisches Prozesses hat in unserer Demokratie nichts verloren», kommentiert Ratsmitglied Mirko Lischer, der sich selbst erfolglos gegen den «Weltwoche»-Entscheid gewehrt hatte. 

Bisher hatte Gröflins Aufruf zwar keine Konsequenzen, wie Cyrill Grieder, der Geschäftsführer der Skuba, bestätigt: Die Anzahl Austritte der vergangenen Wochen läge «im tiefen einstelligen Bereich.» Dennoch dürfte der Entscheid des Studierendenrats weite Kreise ziehen.
Bereits in die Debatte eingemischt hat sich die Junge SVP beider Basel, die sich in einer Medienmitteilung gegen den Entscheid des Studierendenrates stellt und dessen Beschluss als «untragbare Zensur» bezeichnet. Dass die Welle der Kritik so nicht antizipiert wurde, zeigten die Voten am Dienstagabend. Sie habe ein derartiges Medienecho nicht erwartet, gab eine Studentin zu. Die bereits im Vorfeld geführte Debatte hatte einen erheblichen Einfluss auf das Stimmverhalten: Der Beschluss, der ursprünglich mit nur einer Gegenstimme zustande kam, wurde am Dienstagabend mit zehn Gegenstimmen nur relativ knapp abgesegnet.

Referendum in Sicht

Eine Wendung, die auch der Vizepräsidentin der Baselbieter FDP, Naomi Reichlin, auffiel. Die Studentin bedauert den Beschluss des Gremiums: «Der Studierendenrat hat einen intoleranten Entscheid gefällt und bestätigt damit das Bild einer abgehobenen Studentenschaft, die nur mit Gleichgesinnten klarkommt.» Sie möchte sich nun stärker für die studentischen Anliegen engagieren. «Ich habe infolge der ‹Weltwoche›-Debatte meine Bewerbung eingereicht, um künftig als Mitglied des Studierendenrates mitbestimmen zu können», sagt sie gegenüber der bz. Einige Studierende wurden bereits aktiv. Wie «Primenews» berichtet, wurden an der Uni am Mittwochabend erste Unterschriften für ein Referendum gesammelt. Noch bis zu diesem Freitag haben die Studierenden Zeit, um 150 Stimmen zu sammeln und den Entscheid doch noch zu kippen.

Kommt das Referendum nicht zustande, liegt der Entscheid beim Rektorat. Dieses könne sich noch nicht äussern, wie Uni-Sprecher Matthias Geering sagt. Er stellt aber klar: «Generell möchten wir an der Uni nicht über einzelne Publikationen werten.» Im Kollegienhaus würden jeweils ungefähr zehn «Weltwoche»-Ausgaben aufgelegt. Das werde auch mit anderen Zeitschriften so gehandhabt. Für den «Meinungsaustausch» würden den Studierenden auch die «Tageswoche» und kleinere Publikationen zur Verfügung gestellt. «In der Vergangenheit sind wir davon ausgegangen, dass die Studierenden die Inhalte selbst einordnen können.»
Ob das Rektorat dieser Einschätzung auch künftig folgen wird, wird sich bald zeigen: Bis Ende Monat soll der Entscheid laut Geering feststehen. «Wir werden den Fall an der nächsten Sitzung besprechen.»