Jubel hier, Ernüchterung da. Die Hochrechnungen zu den Einwohnerratswahlen in Riehen wurden an den verschiedenen Stehtischen bei den Parteien emotional begleitet. Am lautesten wurde es bei den Grünliberalen. Sie holten im Vergleich zu vor vier Jahren gleich 40 Prozent mehr Stimmen, legten so umgerechnet um 1,7 Prozentpunkte zu und sicherten sich damit im Riehener Gemeindeparlament einen zweiten Sitz.

Parteipräsidentin Katja Christ sah sich als Wahlsiegerin für ihren engagierten Wahlkampf belohnt. «Wir hatten mit 36 Personen eine fast volle Liste mit vielen neuen Gesichtern. Die Vernetzung im ganzen Dorf war dadurch sehr gross.» Das gute Riehener Wahlresultat wertet sie auch im Hinblick auf den Kanton als positives Zeichen. «Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und das ist ein erster kleiner, toller Schritt.»

Pech hatte die SP. Während sie bei der Hochrechnung am frühen Nachmittag noch mit einem Sitzgewinn dastand, fiel dieser bei der Schlussabrechnung der LDP zu. SP-Co-Präsident Martin Leschhorn konstatierte aber zufrieden, dass seine Sozialdemokraten mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent nach zwölf Jahren wieder stärkste Kraft im Riehener Einwohnerrat werden. Die SP profitierte dabei auch von den Verlusten der Grünen, die im Vergleich zu vor vier Jahren 1,4 Prozentpunkte verloren. Knapp konnten die Grünen einen weiteren Sitzverlust verhindern, nachdem sie schon bei den letzten Wahlen ihre Fraktionsstärke einbüssten und seitdem nur noch doppelt im Einwohnerrat vertreten sind.

Die Gewinner und Verlierer – und die Liste aller gewählten Einwohnerräte können Sie hier nachlesen.

Enttäuschte CVP

Enttäuschte Gesichter gab es auch bei der CVP, die zwar 0,7 Prozentpunkte zurückfällt, ihre drei Sitze aber halten kann. Parteipräsidentin Priska Keller konnte sich die Verluste nicht erklären. «Wir waren auf der Strasse, gingen auf die Leute zu und waren auch das Jahr hindurch sehr aktiv. Ich weiss wirklich nicht, woran es liegt.» Für die CVP ist Riehen traditionell ein schwieriges Pflaster. Die konservativ-christlichen Wähler tendieren eher zur EVP. Diese konnte ihren Abwärtstrend der vergangenen Wahlen stoppen und ihre sechs Sitze souverän verteidigen.

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Ernüchterung bei der FDP und deren Präsident Andreas Zappalà. Sie verlor einen Sitz und steht neu bei fünf Vertretungen im Einwohnerrat. «In den letzten vier Wahlgängen im Kanton Basel-Stadt haben wir stets zugunsten der LDP verloren. Leider ist es dieses Mal nicht so, dass der Sitz im bürgerlichen Lager bleibt, sondern wohl zur GLP geht.» Zappalà wehrt sich gegen zuletzt aufkommende Vorwürfe in Riehen, wonach seine Partei den Gemeinderat nicht unterstütze und nur Leistungsabbau proklamiere. Die LDP verharrt trotz markanten Zugewinnen von rund 1,8 Prozent bei ihren fünf Sitzen. Die SVP verliert ihren vor vier Jahren durch Listenverbindungen «geschenkten neunten Sitz», wie es Parteipräsident Eduard Rutschmann gleich selber formuliert. «Damit haben wir gerechnet», entgegnet er der Frage, ob er ab dem Sitzverlust nicht enttäuscht sei. «Das gute Resultat im Einwohnerrat bestätigt unsere Politik im Dorf und im Parlament.»

Mehrheitsverhältnisse bleiben

Die Mehrheitsverhältnisse bleiben im Einwohnerrat trotz der leichten Verschiebungen bestehen. Der bürgerliche Block aus SVP, FDP, LDP und CVP gibt mit 21 Sitzen weiterhin den Ton an. EVP, SP und Grüne konnten sich auf 17 steigern. Die GLP wird mit ihren zwei Sitzen künftig noch stärker als Mehrheitsbeschafferin auftreten können.