Baselworld

Nach Diamantendiebstahl: Chinese beteuert seine Unschuld und fleht das Basler Gericht an

(Symbolbild)

2014 soll ein Chinese an der Baselworld einen 5,5-karätigen Diamanten gegen einen günstigen Stein ausgetauscht haben.

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An der Baselworld 2017 nahm man einen 52-jährigen Besucher aus China fest, er soll drei Jahre zuvor einen Diamantendiebstahl begangen haben. Die Videoüberwachung hilft bei der Würdigung der Beweise nur bedingt weiter.

Im März 2014 tauschte ein Trickdieb an der Baselworld einen 5,5-karätigen Diamanten gegen einen günstigen Zirkoniastein. Der Angestellte der Diamantenfirma aus Antwerpen bemerkte das zwar rasch, doch war der Dieb bereits über alle Berge. Hinterher stellte sich heraus, dass aus einer Vitrine auch noch ein 11-Karäter fehlte. Gesamtwert: rund 340'000 Franken. Eine Videoüberwachung hatte die Firma bei ihrem Stand nicht, doch auf den Aufzeichnungen der Messe (die Halleneingänge werden vollständig überwacht) identifizierte einer der Angestellten hinterher einen Asiaten. Drei Jahre später schlug das Gesichtserkennungssystem der Messe Alarm: Im Frühling 2017 verhaftete die Polizei an der Baselworld einen 52-jährigen Chinesen sowie mehrere Begleiter.

Die Begleiter hatten mehrere Zirkoniasteine in ihren Taschen, das Verfahren gegen sie wurde aber mangels Beweisen eingestellt. Der 52-Jährige hingegen sitzt nun seit zehn Monaten in Haft: Ein morphologisches Gutachten verglich die Gesichtsmerkmale mit den alten Videoaufnahmen. «Übereinstimmung höchst wahrscheinlich», so das Fazit der Gutachterin.

«Ich bin unschuldig und möchte mich nicht mehr dazu äussern. Ich glaube an die Schweizerische Gerechtigkeit», sagte der Angeklagte laut Dolmetscherin am Dienstag im Basler Strafgericht zum Prozessauftakt. Er lebte bislang als Obstbauer in Youngzhou, rund 500 Kilometer nördlich von Hongkong. Nachgewiesen sind viele Reisen rund um die Welt, seine genauen Einkommensverhältnisse sowie die Grösse seines Bauernhofs blieben aber unklar. Vor zehn Jahren wurde er in Hongkong bei einem Diebstahl erwischt. Ob er 2014 in der Schweiz war, wusste er nicht mehr so genau. Am ausgetauschten Stein wurde zwar ein DNA-Profil sichergestellt, nicht aber das des 52-Jährigen.

Staatsanwältin Franziska Fischer betonte, der Mann habe Kontakte zu verurteilten Diamantendieben und sei Teil einer grenzüberschreitenden Bande. In Anlehnung an die «Pink Panthers»-Juwelendiebe aus dem Balkan sprach sie bei der chinesischen Gruppierung von «Pink Panda». Sie forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls.

Stolz Finger gezeigt

Verteidigerin Susanna Marti hingegen wollte für ihren Mandanten einen Freispruch sowie eine Haftentschädigung von 200 Franken pro Tag. Er gehöre der reichen Oberschicht an und könne sich deshalb seine Reisen leisten. Die Verbindungen zur Kriminalität seien «unbewiesene Spekulationen». Wie in ähnlichen Fällen hat die geprellte Firma wie auch deren Versicherung keine Zivilforderung eingereicht, und der damalige Verkäufer am Messestand erschien trotz mehrmaliger Aufforderung und Kostenübernahme nicht zur Einvernahme in der Schweiz. Ein Zeuge sprach von einem Täter mit abgeschnittenen Fingern, auf eine entsprechende Bitte von Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone zeigte der Mann im Gerichtssaal stolz seine unversehrten Finger. Das Urteil fällt morgen.

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