Nach zehn Monaten in Untersuchungshaft interessierte sich der 52-jährige Chinese an der Urteilseröffnung gestern Morgen lediglich dafür, wie rasch er nun nach Hause gehen darf.

Insofern erhielt er eine gute Nachricht: Die drei Richter verurteilten ihn wegen einfachen Diebstahls zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten und hoben die Sicherheitshaft auf, das Migrationsamt wird nun seinen Rückflug organisieren. Laut Gericht hat er demnach an der Baselworld 2014 einen 5,5-karätigen Diamanten im Wert von rund 100'000 Franken geschickt gegen einen minderwertigen Zirkoniastein getauscht und konnte mit der Beute fliehen. Die drei Richter schauten sich dazu auch die damaligen Videoaufnahmen der Messe an, der Mann sei darauf eindeutig identifizierbar. Vom Diebstahl selbst gibt es allerdings keine Aufnahmen.

Vom Vorwurf des Diebstahls an einem 11-Karäter im Wert von rund 240'000 Franken hingegen sprach ihn das Gericht frei, es gab dafür schlichtweg keine Beweise. Bei einer Kontrolle wurde nachträglich lediglich festgestellt, dass der Stein nicht mehr in der Vitrine war.

Die Beweislage war kompliziert, weil er der Mann den Behörden erst drei Jahre später bei einem erneuten Besuch der Messe im Frühling 2017 ins Netz ging. Der Fall zeigt aber auch die typischen Probleme in der internationalen Rechtshilfe auf: Das «Pink Panda»-Netzwerk von chinesischen Juwelen- und Schmuckdieben ist der Polizei bekannt, auch informieren sich die Strafverfolgungsbehörden gegenseitig über Verdächtige und Festnahmen. So stand der Mann immer wieder in Kontakt mit anderen Leuten, die an Schmuckausstellungen aufgefallen waren. Auch der Zweck einer Brille mit Fensterglas in seinem Gepäck lässt tief blicken. Mindestens ein Bekannter von ihm ist auch ein verurteilter Juwelendieb. Von den Diamanten fehlt jede Spur.

Viele Zweifel, wenig Beweise

Wasserdichte und gerichtsfeste Beweise hingegen sind schwierig zu beschaffen: So soll er 2005 in Hongkong einen Diebstahl begangen haben, ein entsprechender Strafregisterauszug konnte aber bis zur Hauptverhandlung nicht beschafft werden. Damit galt der Mann formell als nicht vorbestraft.

Gerichtspräsidentin Katharina Giovannone betonte, dem Gericht sei durchaus klar, dass man nur dann Diamanten stehle, wenn man auch über ein entsprechendes Vertriebsnetz verfüge. Dennoch könnte man bei diesem einen Diebstahl nicht von Gewerbs- oder Bandenmässigkeit ausgehen. «Es mag erstaunen, dass wir die Strafe nur bedingt aussprechen», so Giovannone. Formell gelte er aber als Ersttäter, auch hätten die zehn Monate Haft wohl durchaus schon eine abschreckende Wirkung entfaltet. «Es ist unser primäres Bestreben, dass Sie nicht mehr in die Schweiz kommen und hier Delikte begehen.»