Christian Egeler

Nach einem Jahr als Grossratspräsident hat er seine Stimme wieder

Dieses Bild wird es nie mehr geben: Christian Egeler verabschiedete sich als Grossratspräsident.

Dieses Bild wird es nie mehr geben: Christian Egeler verabschiedete sich als Grossratspräsident.

Christian Egeler hätte alle möglichen Themen seines Amtsjahres aufgreifen können, in seiner letzten Rede als Präsident des Grossen Rates. Doch er legte den Schwerpunkt auf die Fusion und bedauerte das Nein des Volkes.

Es war alles noch offen, als Grossratspräsident Christian Egeler (FDP) am 1. August auf dem Bruderholz für ein Ja zur Fusionsprüfung zwischen Baselland und Basel-Stadt warb. Was Egeler bei seiner flammenden Rede noch nicht wissen konnte: Einen Monat später brannten in 32 Baselbieter Dörfern Höhenfeuer als Symbol der Eigenständigkeit. Und einen weiteren Monat später verwarfen mehr als zwei Drittel aller Baselbieter die Fusionsinitiative.

Christian Egeler hätte alle möglichen Themen seines Amtsjahres aufgreifen können, in seiner letzten Rede als Präsident des Grossen Rates. Doch er legte den Schwerpunkt auf die Fusion. Und setzte damit ein Zeichen, ohne dies vielleicht zu wollen.

Kantonsfusion nicht vom Tisch

Bereits vor einem Jahr mahnte er in seiner Antrittsrede: Zeichen zu setzen, sei wichtig, diese verlören aber an Wirkung, wenn sie zu oft gesetzt würden. Es war damals das Letzte, was er im Parlament aus persönlicher Sicht sagen durfte, da der Präsident neutral sein muss. Diese Neutralität hat Egeler gut hingebracht, er war stets besonnen, stets geduldig und erhob kaum je die Stimme. Nun gestand er, dies sei ihm manchmal schwer gefallen. «Ich war der einzige Grossrat, der nicht zur Sache sprechen durfte. Nun habe ich meine persönliche Stimme wieder gefunden.» Damit berichtete er von seinen Beobachtungen und bedauerte, es habe sich «da und dort die Symbolpolitik eingeschlichen».

Und mit dieser Stimme erzählte er vom Sommer, als er für die Fusion warb – und gestand damit ein, sich ausserhalb des Rathauses mit seiner eigenen Meinung nicht immer zurückgehalten zu haben. Die Höhenfeuer, Florian Schneiders Rotstablied und das Plakat mit dem Baslerstab, der dem Rotstab einen Schleckstängel hinhält aber gleichzeitig den Hammer hinter dem Rücken parat hat, seien für den kurzfristigen Erfolg gut gewesen. «Für die langfristige Zusammenarbeit in der Region war es aber schlecht. Trotz aller lauthals beschworenen Selbstständigkeit sind wir auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen.»

Ein Plädoyer für die Freiheit

Es schien, als würde er die verbleibende Amtszeit im Grossen Rat und die wiedergewonnene Stimme dazu nutzen, dem Thema neuen Auftrieb zu verleihen: «Wir müssen uns mehr für eine regionale und nicht nur kantonale Sicht der Dinge einsetzen.» Das beinhalte, sich zu zeigen, mit den Leuten zu sprechen, das Bewusstsein zu haben, dass Basels wirtschaftlichen Erfolge der ganzen Region zu verdanken seien. Ausruhen dürfe man sich aber nicht. «Wir müssen den Mut haben, Neues auszuprobieren. Vielleicht scheitert man manchmal, aber so funktioniert Fortschritt.»

Egeler hat in den gut zehn Jahren als Grossrat gezeigt, dass er kein klassischer Freisinniger ist, sondern einer, der sein Herz manchmal auch ein bisschen links schlagen lässt. Dennoch liess er es nicht aus, mit der Freiheit das zentralste aller liberalen Anliegen anzusprechen. So sei es ein Irrglaube, jeden Missbrauch per Gesetz beseitigen zu können. Zumal Gesetzen oft mit neuen Gesetzen begegnet würde. Er zitierte den Publizisten Ludwig Hasler: «Eine Freiheit, die nicht missbraucht werden kann, ist keine Freiheit.» Selbst wenn es darum ginge, sich vor Attentaten zu schützen, sei Repression allein der falsche Weg. Im Gegenteil: Die Freiheit müsse allen Menschen ermöglicht werden.

Meistgesehen

Artboard 1