«Europäische Universitäten»

Nach Erasmus-Aus: Es gibt einen Hoffnungsschimmer für Uni Basel

Der Bundesrat will prüfen, ob die Basler und andere Schweizer Studierende ab 2021 wieder am EU-Mobilitätsprogramm «Erasmus+» teilnehmen können.

Der Bundesrat will prüfen, ob die Basler und andere Schweizer Studierende ab 2021 wieder am EU-Mobilitätsprogramm «Erasmus+» teilnehmen können.

Die Universität Basel könnte ab 2021 doch am Pilotprojekt «Europäische Universitäten» teilnehmen.

Seit über einem Jahr fordern National- und Ständerat vergeblich vom Bundesrat, dass die Schweiz wieder am EU-Mobilitätsprogramm «Erasmus+» teilnimmt. Seit 2014 ist dieses sistiert. Für die Universität Basel wäre dies die Voraussetzung, am Pilotprojekt «Europäische Universitäten» teilzunehmen und so mittel- und langfristig an EU-Gelder für Lehre und Forschung zu kommen.

Nun bewegt sich Bern. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) schreibt: «Der Bundesrat wird die Frage einer erneuten Assoziierung an das Nachfolgeprogramm zu Erasmus+ auf die neue Programmperiode ab 2021 hin prüfen und hat sich für 2019 das Ziel gesetzt, ein entsprechendes Verhandlungsmandat zu verabschieden.»

Wie das WBF entscheidet, ist offen. Zumindest setzt es sich wieder mit dem Thema auseinander. Die Basler Ständerätin Anita Fetz (SP) äusserte die Hoffnung, dass mit der anstehenden Neuverteilung der Departemente Bewegung in die Debatte komme. Ob der ab Anfang Jahr neue und tendenziell europakritische Departementschef Guy Parmelin (SVP) das EU-Programm positiver bewertet als sein freisinniger Vorgänger Johann Schneider-Ammann muss sich allerdings weisen.

Bitter für die Uni Basel

Dass die neuen «Europäische Universitäten» am Programm «Erasmus+» beteiligt sein oder aus mindestens drei EU-Ländern stammen müssen, hat die EU-Kommission im Herbst entschieden. Für die Uni Basel war dies um so bitterer, weil sie seit rund drei Jahren mit dem «European Campus» zur europäischen Avantgarde der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Hochschulen gehört. Mitglieder sind mit Strassburg, Colmar/Mulhouse, Karlsruhe, Freiburg und Basel die fünf Universitäten am Oberrhein. Es fehlt also ein EU-Land.

Bis 2024 sollen in Europa 20 «Europäische Universitäten» entstehen. Die Idee geht ursprünglich auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron zurück. Bis Ende Februar 2019 läuft die Ausschreibung für die ersten sechs Pilot-Universitäten. Für sie stehen vorerst 30 Millionen Euro zur Verfügung.

Der «European Campus» hat zuletzt intensiv Partner-Unis aus der EU gesucht, um die Anforderungen für die «Europäischen Universitäten» zu erfüllen. Laut Mediensprecherin Sarah Nieber will sie sich bis Ende Februar nächsten Jahres für die ersten Pilotprojekte bewerben. Dabei werde die Semmelweis Universität Budapest, mit der es Kontakt gab, voraussichtlich kein Partner sein. Sie wäre durch ihre Spezialisierung auf Medizin auch für Basel interessant gewesen.

Kontakte bestehen auch nach Posen. Die anderen beiden europäischen Universitäten, mit denen der «European Campus» im Gespräch ist, möchte Nieber derzeit nicht bekannt geben.
Nieber und Thomas Grob, Vizerektor Lehre der Uni Basel, sind überzeugt, dass Basel über die im Rahmen der «European Campus» gegründete Rechtspersönlichkeit EVTZ voll antragsberechtigt für EU-Forschungsgelder ist.

Ob dies für das neue Programm «Horizon Europe 2021 - 2027» wirklich klappt, hängt allerdings mit dem Grad der Assoziierung der Schweiz zusammen. Mit dem möglichen Scheitern des Rahmenabkommens mit der EU droht Ungemach. Anita Fetz ist überzeugt, dass die Forschungskooperation in der privilegierten bisherigen Form zu ende gehen würde. «Die Schweiz wäre dann bei den zugewandten Nationen mit Grossbritannien und die Türkei.»

Eric Nussbaumer sieht schwarz

Der Baselbieter Nationalrat Eric Nussbaumer (SP) sieht ähnlich schwarz. «Bereits heute werden wir zurückgestuft auf einen Drittstaat ohne zukunftsfähige vertragliche Bindung mit der EU. Wenn wir diese Position beibehalten, werden auch der Forschungsplatz und unsere Stellung in internationalen Forschungsvorhaben erodieren.»

Die Uni will an ein Scheitern der Forschungskooperation nicht glauben. Grob teilt mit: «Davon gehen wir nicht unbedingt aus; jedenfalls hoffen wir es nicht.» Optimismus klingt anders.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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