Betriebsklima

Nach ernüchternder Mitarbeiterbefragung: BVB sollen aufs Personal zugehen

Nicht einmal jeder Zehnte stellte sich in der Umfrage hinter die Unternehmensführung. (Symbolbild)

Die Mitarbeiterzufriedenheit bei den BVB ist auf dem Tiefststand – Gewerkschaft fordert Entschädigung.

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) kommen nicht zur Ruhe. Kaum hatte der öV-Betrieb den sogenannten Gleis-Gau überstanden, der angeblich auf Wartungsmängeln beruhte, folgt der nächste Hammer. Eine gross angelegte Mitarbeiterbefragung zeigt, dass das Betriebsklima beim Verkehrsunternehmen von sowieso schon tiefem Niveau aus weiter gesunken ist (Ausgabe vom Samstag).

Die Mitarbeiterzufriedenheit ist sogar niedriger als während der grossen Krise vor zwei Jahren. Als Folge nahmen damals der Verwaltungsratspräsident und sein Vize den Hut. Besonders frappant: Die Geschäftsleitung geniesst bei den Mitarbeitern an der Basis praktisch keinerlei Rückhalt oder Vertrauen mehr. Nicht einmal jeder Zehnte stellte sich in der Umfrage hinter die Unternehmensführung.

Als «leider wenig überraschend» ordnen die Gewerkschaften die Zahlen ein. Der VPOD kritisierte schon vor mehr als zwei Jahren den Personalmangel bei den BVB, insbesondere im Fahrdienst und der Technik. Gewerkschafterin Toya Krummenacher sagt: «Erst in der zweiten Jahreshälfte 2018 gestanden die BVB ein, dass wir Recht hatten.»

Die ungenutzt verstrichene Zeit habe die Situation für das Personal aber weiter verschärft. «Die Abwärtsspirale drehte weiter.» Zwar begrüsse man, dass nun Massnahmen vorgesehen und teilweise schon umgesetzt worden sind, bis diese greifen, werde es noch eine gute Weile dauern. «Das Personal ist aber jetzt schon auf den Felgen», kritisiert Krummenacher.

«Personal muss Fehler ausbaden»

Die verlorene Zeit sei nicht rückgängig zu machen, sagt die SP-Grossrätin Krummenacher. «Darum fordern wir von den BVB, dem Personal etwas dafür zurückzugeben. Im Sinne einer Entschuldigung für die Managementfehler, die das Personal an der Front ausbaden muss.»

Alle diese Fehler würden sich im Betriebsklima und somit in der Mitarbeiterbefragung niederschlagen. Insbesondere das mangelnde Vertrauen in die Geschäftsleitung sei für die Gewerkschaft ein Signal, dass es jetzt keine leeren Versprechen seitens der Direktion mehr vertrage. «Es braucht jetzt unmissverständliche und grosse Schritte auf das Personal zu.»

Die BVB geben sich trotz der schlechten Ergebnisse der Befragung, die im vergangenen Oktober und November durchgeführt wurde, unbeirrt: Die Befragung habe sich mit einer laufenden Reorganisation überschnitten. «Es ist nicht zu vermeiden, dass Veränderungen bei den Mitarbeitenden auch Unsicherheiten und Kritik auslösen», lässt Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler via Presseabteilung ausrichten.

Die Ergebnisse der Befragung würden aber zeigen, dass diese nötig waren. «Wir sind damit auf dem richtigen Weg», so Hunkeler. Konkrete Fragen zu den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragung beantwortete sie aber nicht.

Dafür verschickte gleichzeitig mit der Stellungnahme BVB-Direktor Erich Lagler ein praktisch gleichlautendes Mail an alle Mitarbeiter: «Ich möchte Sie darüber informieren, dass detaillierte, noch nicht kommunizierte Ergebnisse unserer Mitarbeitendenbefragung 2018 an die Presse gelangt sind. Wir rechnen mit entsprechender Berichterstattung und bedauern, dass wir Sie nicht umfassend aus erster Hand informieren konnten.» Schliesslich sei es ein zentrales Anliegen, die Haltung der Mitarbeitenden zu kennen und wo nötig, Massnahmen zu ergreifen. Entsprechend nehme man die Ergebnisse der Umfrage sehr ernst.

«Das Arbeitsklima und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden sind für die Führung der BVB ganz wichtig. Wir schätzen es deshalb, wenn sich bei solchen Befragungen die Mitarbeitenden offen und kritisch äussern», so Hunkeler wie Lagler.

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