Küsschen, Gratulation, Umarmung, Faustschlag. Es war Pech für alle, die Politiker Martin Horn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu seinem Sieg gratuliert hatten: Nach dem Faustschlag mitten in dessen Gesicht war die Wahlparty vom Sonntag für Horn vorerst vorbei. Der frisch gewählte Oberbürgermeister von Freiburg im Breisgau musste ins Spital gebracht werden. Bilanz: gebrochene Nase, abgebrochener Zahn, blaues Auge. Und das am wohl schönsten Tag im Leben des 33-Jährigen. Der Parteilose hatte es geschafft, den Grünen Dieter Salomon nach 16 Jahren vom Oberbürgermeister-Thron zu stossen.

Es sah ganz zunächst danach aus, als ob das einem Wähler nicht gepasst hätte und dieser seinen Unmut darüber in Form eines Faustschlages zum Ausdruck bringen musste. Inzwischen geht die Freiburger Polizei allerdings nicht mehr von einem politischen Motiv aus.

Wer der Prügler ist, sagt sie nicht. Nur, dass er ein 54-jähriger Deutscher aus dem Markgräflerland sei, den man in Polizeikreisen schon gekannt habe: «Der Mann ist bereits durch mehrere Vorfälle als psychisch auffällig polizeilich in Erscheinung getreten», heisst es. 

Freiburger Bürgermeister meldet sich aus Spital

Online-Aufruf für Zeugen

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Freiburg ordnete das Amtsgericht Freiburg inzwischen die vorläufige Unterbringung des Tatverdächtigen in eine psychiatrische Klinik an. Bereits am späten Sonntagabend hat die Polizei ein Hinweisportal eingerichtet. Zeugen werden aufgefordert, Bilder oder Videos zum Vorfall hochzuladen. Der Staatsschutz ermittelt.

Martin Horn liess sich die Feierlaune durch den Vorfall nicht verderben. Nach der Behandlung im Spital kehrte er an die Wahlparty zurück. «Ich lasse mich davon nicht unterkriegen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Am Montag stellt er bereits seine politischen Pläne vor: Er möchte den sozialen Wohnungsbau stärken, da in der Universitätsstadt preisgünstiger Wohnraum fehle.

Basel führt keine Statistik

In der Region Basel sind keine vergleichbaren Vorfälle bekannt. Dies sagt der Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler auf Anfrage. Peter Gill von der Basler Staatsanwaltschaft drückt sich weniger klar aus: «Beim Tatbestand ‹Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte› werden Delikte erfasst, welche Behördenmitglieder betreffen. Wir führen jedoch keine Statistik über Angriffe auf Politiker», sagt Gill.

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass Basler Politiker bisher von derartigen Angriffen verschont geblieben sind – oder diese zumindest nicht an die Öffentlichkeit gelangten. Auch in Freiburg war der Vorfall vom Sonntag eine Premiere, wie die dortige Polizei auf Anfrage bestätigt.