Der Verwaltungsrat der BVB hat den am 29. Juni publizierten Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rates zu den BVB an einer ausserordentlichen Sitzung vom Freitag "zur Kenntnis genommen", wie er in seiner "ersten Stellungnahme" mitteilen lässt. Er werde ihn noch detailliert analysieren und bis Ende August "eine Zusammenstellung der von den BVB getroffenen Massnahmen erstellen".

Unmittelbar nachdem die GPK vor den Medien ihre harsche Kritik erläutert hatte, waren BVB-Verwaltungsratspräsident Paul Blumenthal und Vizepräsident Paul Rüst per sofort zurückgetreten. Tags darauf sprach der wegen Aufsichtsversagens gescholtene Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements, Hans-Peter Wessels, von Kommunikationsfehlern.

Die GPK hatte vor allem drei Punkte im Fokus: autoritäre Führung und einen beinharten Sparkurs, der weit über Regierungsvorgaben hinaus gehe und das BVB-Personal stark verunsichere, sowie ein unsauberes Zahlungsversprechen an den Gemeindeverbund von Saint-Louis (F) im Zusammenhang mit der 3er-Tramverlängerung über die Grenze.

Unterschiedlicher Rückblick

Der GPK-Präsident hatte vor den Medien auch an die GPK-Empfehlungen nach den letzten Skandalen von 2013 erinnert und festgehalten, diese seien bis heute nicht alle umgesetzt. Explizit sagte er etwa, an der BVB-Führungskultur habe sich "leider wenig geändert" seither. Damals war Blumenthal vom Verwaltungsrats-Mitglied zum Präsidenten befördert worden.

Der heutige BVB-Verwaltungsrat - inzwischen unter Interimspräsident Kurt Altermatt - sieht das jedoch anders: Die GPK-Empfehlungen vom Juni 2014 seien "inzwischen vollumfänglich umgesetzt", ist in der Stellungnahme zu lesen. Indes nehme er die neuen GPK-Feststellungen ernst und werde "die Anregungen umsetzen".

BVB-Verwaltungsrat und Geschäftsleitung wollten die Eignerstrategie mit dem "seit Anfang 2014 eingeleiteten Kulturwandel hin zu einem effizienten und auf dem Markt wettbewerbsfähigen Unternehmen weiter verfolgen". Dabei seien beiden Führungsebenen "das Befinden und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden weiterhin ein grosses Anliegen".

Die GPK hatte von Unsicherheiten im Personal wegen der defizitären Führungskultur berichtet und dazu unter anderem auf auffällig viele BVB-Fälle bei der Ombudsstelle verwiesen. Offenbar habe die BVB-Spitze diese Probleme nicht ernst genommen - die interne Kommunikation war laut GPK-Präsident "sehr mangelhaft".