Ozon

Nach Hitzetagen: Das verdrängte Ozon-Problem ist wieder da

Das Reizgas kommt mit der Hitze: Der festgelegte Grenzwert wurde in der Region bereits wieder überschritten. Die Symptome hoher Ozonbelastung reichen vom harmlosen Augenbrennen bis zum Druck auf der Brust und Schmerzen beim tiefen Einatmen.

Endlich zwei Tage Sonne am Stück, und schon taucht ein Problem wieder auf, das wir erfolgreich verdrängt hatten: das Ozon. Ein Blick ins Archiv der Schweizer Medien spricht Bände: Ende der 90er-Jahre und bis etwa 2005 wurde im Sommer nahezu täglich über die Gefahr von Ozon in Bodennähe berichtet. Viele Zeitungen druckten die Überschreitungen der Grenzwerte prominent ab. Und seither? In den letzten beiden Jahren wurden schweizweit gerade mal 200 Artikel abgedruckt. Daraus zu folgern, dass das Problem gelöst wäre, ist aber völlig falsch. Es ist bloss in den Hintergrund getreten.

Ozon ist ein Sommerproblem

Andrea von Känel, der Leiter des Lufthygieneamts beider Basel, warnt: «Sobald wir wieder einmal einen richtig guten Sommer haben, werden wir auch in den nächsten Jahren Grenzwertüberschreitungen zu verzeichnen haben.» Das schlechte Wetter in den Sommermonaten hat also durchaus seine positiven Seiten, insbesondere für die Bevölkerungsgruppen, die unter dem Reizgas besonders leiden: Alte, Kinder, Schwangere und Kranke. Die Luftreinhalteverordnungen und Grenzwerte, die Ende des 20. Jahrhunderts etabliert wurden, zeigen Wirkung. Aber wie von Känel sagt, nur sehr langsam. Erst in einigen Jahren werden die Massnahmen dazu führen, dass nicht jedes Mal, wenn die Temperaturen ansteigen, die Grenzwerte überschritten werden. Der Ausstoss an Ozon des Verkehrs, der Industrie und der Haushalte hat sich bereits um gut 60 Prozent verringert. Aber die Sünden der Vergangenheit lasten schwer auf der Luftqualität.

Grenzwert massiv überschritten

Am Donnerstag, dem ersten heissen Sonnentag seit langem, schossen bei der Messstation in Basel-Binningen die Werte in die Höhe und der Grenzwert von 100 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wurde deutlich übertroffen: 160 Mikrogramm war an diesem Tag der Spitzenwert. Bereits am Wochenende dürften die Werte aber wieder sinken, da das Sommerwetter dem Regen weicht. Um hohe Konzentrationen zu erreichen, reicht ein Tag. Bedenklich wird es aber erst, wenn es mehrere Tage schön und heiss bleibt. «Nachts wird das Ozon nicht abgebaut, das führt dazu, dass in längeren Schönwetterperioden die Konzentration steigt», erläutert von Känel diesen Effekt. «Es wird ein eigentliches Reservoir an Ozon angelegt, das in der Nacht nicht einfach verschwindet». So beginnt jeder Tag bereits mit zu hohen Werten. Je länger und je stärker die Luft mit Ozon belastet ist, desto schlimmer sind auch die gesundheitlichen Folgen.

Erhebliche medizinische Folgen

Diese sind durchaus nicht unbedenklich: Die Symptome hoher Ozonbelastung reichen vom harmlosen Augenbrennen bis zum Druck auf der Brust und Schmerzen beim tiefen Einatmen. Daraus entstehen Entzündungen der Atemwege und Atemwegserkrankungen, die bei geschwächten Patienten bis zum Tod führen können. Dies führte in der Vergangenheit in Hitzeperioden zu steigenden Einweisungen in den Spitälern. Bewegung verstärkt die Beschwerden. Darum gilt: Bei schönem, heissem Sommerwetter lieber ruhig im Schatten liegen bleiben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1