Manchmal können 15 Minuten die Welt bedeuten. So viel Zeit fordern die Personalverbände für die Tausenden Spitalangestellten in beiden Basel, damit diese sich vor der Arbeit umziehen können. Vor der Arbeit? Während der Arbeit! Heute rechnet fast keine Klinik, ob öffentlich oder privat, die Umkleide- auch zur Arbeitszeit. Weder beim Basler Universitätsspital (USB), dem Claraspital, Felix Platter, Bethesda, Merian Iselin, Kinderspital beider Basel, der Rennbahnklinik Muttenz, der Klinik Arlesheim, Hirslanden Birshof oder der Vistaklinik ist es so.

Einzig die Ergolz Klinik in Liestal und die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel bieten heute eine volle Integration der Umkleidezeit. Das Kantonsspital Baselland (KSBL) wiederum hat eine Speziallösung: Das Umziehen zählt nur zur Arbeitszeit, wenn es um eine Schutzausrüstung, Überziehkleider, Bekleidung für den Operationssaal, Dekontaminationsräume oder Ähnliches geht. Die gewöhnliche Arbeitskluft der Pfleger und Ärzte gehört aber nicht dazu.

Das muss sich nun ändern. Zwei Ereignisse machen ein Einlenken der Spitäler unausweichlich. Im März verabschiedete das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine neue Wegleitung zum Arbeitsgesetz. Dort steht erstmals: «Im Zusammenhang mit Umkleiden/Ankleidung gilt all das als Arbeitszeit, was obligatorisch Teil des Arbeitsprozesses ist.» Dies auch besonders bezogen auf Sicherheit und Hygiene. Und vergangene Woche legte sich auch die Baselbieter Regierung in einer Interpellationsantwort an SP-Landrätin Lucia Mikeler fest: «Eine Zeitgutschrift für die Umkleidezeit von Spitalangestellten ist zu bejahen, das heisst sie fällt unter die Arbeitszeit.»

Das Kantonsspital geht beim GAV über die Bücher

Doch was bedeutet das nun konkret für die Spitäler? Auf Nachfrage der bz stellt Rolf Wirz, Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, klar: «Die Antwort der Regierung ist als Aufforderung zu verstehen, die Arbeitszeitregelungen entsprechend anzupassen.» Auch Ärzte und Pflegepersonal seien mitgemeint. Die Speziallösung des KSBL genügt also kaum. «Eventuell braucht es Anpassungen am Gesamtarbeitsvertrag (GAV)», so Wirz. Es sei nun Aufgabe der Sozialpartner, zusammenzusitzen und eine Lösung zu finden.

Tatsächlich verweist das KSBL auf den gemeinsam mit der Psychiatrie Baselland (PBL) ausgearbeiteten GAV: «Dort wurde mit den Sozialpartnern geregelt, dass Umkleiden nicht als Arbeitszeit gilt», sagt KSBL-Sprecherin Anita Kuoni. Sie hält aber auch fest, dass das Thema an einer GAV-Kommissionssitzung bereits angesprochen worden sei, und schliesst eine Änderung des GAV nicht aus. Dies müsse aber in Abstimmung mit der PBL geschehen.

15 Minuten umziehen statt arbeiten wird fürs Spital teuer

Bereits einen Schritt weiter ist das Basler Unispital, auch wenn hier freilich nicht die Baselbieter Regierung den Anschub gab. Seit der Seco-Beurteilung arbeitet eine Arbeitsgruppe an einer neuen Regelung. USB-Sprecher Nicolas Drechsler sagt, dass es in erster Linie um das Pflegepersonal gehe, da dieses fixe Blockzeiten habe und heute erst nach der Umkleide einstempelt, während Ärzte sich mit ihren Badges schon beim Spitaleingang einwählen. «Es ist uns klar, dass wir etwas ändern müssen, doch die Lösung darf nicht Millionen kosten», mahnt Drechsler an.

Tatsächlich können die geforderten 15 Minuten die Arbeitgeber teuer zu stehen kommen. Denn für die Gewerkschaften ist klar, dass das Personal im selben Zeitumfang von Aufgaben entlastet werden muss. Auch Peter Eichenberger, Präsident der Vereinigung der Nordwestschweizer Spitäler (VNS) und Direktor des Claraspitals, warnt vor erheblichen Mehrkosten. Bei einem Arbeitstag von 8 Stunden und 24 Minuten entsprechen 15 Minuten immerhin rund drei Prozent. Weiter möchte er sich noch nicht äussern. Nur so viel: «Bis Ende Jahr machen wir eine Auslegeordnung», so Eichenberger. Und bereits Ende September sei das Thema bei der Versammlung des VNS traktandiert.