Guy Morin war ehrlich: «Ich weiss nicht, ob ich zugesagt hätte, wenn ich vor acht Wochen schon gewusst hätte, wie die Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative ausgeht.» Der Basler Regierungspräsident war vor knapp zwei Monaten angefragt worden, ob er sich im Vorfeld der Europawahlen am Montagabend bei einer Veranstaltung der Lörracher Europa-Union zur trinationalen Zusammenarbeit äussern wollte. Die Organisation setzt sich, wie der Name schon sagt, für die politische Union Europas ein. Es sei vorweggenommen: Morin zog sich gut aus der Affäre.

Er drückte seine Hoffnung aus, dass die Grenzen auch weiter offen gehalten werden. Morin argumentierte: «Offenheit gegenüber dem Ausland ist unser Erfolgsfaktor» und verwies darauf, dass die Region Basel mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 60'000 Dollar «extrem erfolgreich» sei. Für Basel-Stadt liege das BIP sogar bei 90'000 Dollar. «Basel dürfte von der Personenfreizügigkeit und der Globalisierung schweizweit am meisten profitiert haben», betonte Morin.

Die Angst um die Löhne

Basel sei ausserdem stets stärker gewachsen als der Rest der Schweiz. «Hauptgrund dafür ist die Zuwanderung», sagte er. Diese lag schweizweit pro Jahr bei 80'000. «Dennoch haben wir eine extrem geringe Arbeitslosigkeit. Alle Zugewanderten hatten einen Job», führte er weiter aus.

Morin erklärte die Annahme der Initiative mit der Angst um die Löhne und vor den hoch qualifizierten Zuwanderern und dass man die Infrastrukturen nicht dem Bevölkerungswachstum entsprechend ausgebaut habe. Er kritisierte: «Die flankierenden Massnahmen wurden nicht ernst genommen. Jetzt haben wir die Retourkutsche.» Ausserdem appellierte er daran, die Wachstumsängste der Bevölkerung ernst zu nehmen und qualitatives Wachstum anzustreben.

Innenpolitisch sieht Morin riesige Auseinandersetzungen auf die Schweiz zukommen. Um die grenzübergreifende Zusammenarbeit allerdings macht er sich keine Sorgen und gab sich überzeugt: «Alle Projekte werden umgesetzt». Damit dürfte er auch Klaus Eberhardt, Oberbürgermeister von Badisch Rheinfelden, aus dem Herzen gesprochen haben. «Wir machen weiter», sagte dieser und verwies darauf, dass man für die Verdeutlichung der positiven Folgen der Kooperation konkrete Vorhaben brauchen. Als Beispiel nannte Eberhardt die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke.

Deutsche teilen Morins Optimismus

Eberhardt sass nach dem Impulsreferat von Guy Morin zusammen mit Lörrachs Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm auf dem Podium. Hinsichtlich der Folgen der Masseneinwanderungsinitiative zeigte er sich verhalten optimistisch. «Ich setzte auf den Erfahrungspragmatismus unserer Nachbarn.» Gudrun Heute-Bluhm berichtete, dass es laut Aussage eines Headhunters bei den deutschen Fachkräften in der Schweiz schon 2013 Rückwanderungstendenzen gegeben habe.» Die Zahl der Manager ist 2013 erstmals gesunken.»