Fasnacht

Nach Kölner Kutschenunfall: Basler Fasnachtscomité will nicht auf Panik machen

(Symbolbild)

Eine Basler Chaise muss über erfahrene und gesunde Pferde verfügen, dann ist deren Teilnahme am Cortège für das Fasnachts-Comité in Ordnung.

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Am Kölner Rosenmontagsumzug brannten Pferde durch, es gab Verletzte. Die Basler Tierschützer sehen sich nun darin bestärkt, ein Verbot für Kutschen am Cortège umzusetzen.

Es ist das Schreckensszenario schlechthin, das die Gegner der Chaisen an den beiden Basler Cortège seit Wochen wie den Teufel an die Wand malen: Man stelle sich vor, die Pferde brennen direkt auf der Route durch.

Und tatsächlich ist jetzt eingetreten, genau eine Woche vor dem Morgestraich: In Köln brannten am Rosenmontagsumzug die Pferde einer Kutsche durch. Sie galoppierten in die Menge und kamen dort zum Stillstand. Mehrere Menschen wurden verletzt, teilweise schwer. Der Umzug musste unterbrochen werden, die Unfallopfer wurden versorgt.

Offener Brief ans Comité

«Dieses Szenario kann in Basel bereits kommenden Montag ebenfalls eintreten», schrieb Oliver Bieli, der die Kampagne «Für eine Basler Fasnacht ohne Tierleid» anführt, umgehend in einem offenen Brief an das Basler Fasnachts-Comité: «Herr Bürgin, wir appellieren eindringlichst an Sie. Beenden Sie dieses bestehende Risiko und untersagen Sie für die Fasnacht 2018 umgehend den Einsatz von Pferdekutschen und berittenem Vortrab.»

Das Fasnachts-Comité hatte sich bislang auf den klaren Standpunkt gestellt, dass von Pferden gezogene Kutschen, also Basler Chaisen, zum Cortège gehören. Das hatte Comité-Obmann Christoph Bürgin am Samstag in einem Interview gegenüber der "Schweiz am Wochenende" gesagt. Vorgängig wurden die Abklärungen für die Tiere dennoch verschärft; eine Reaktion auf Bielis Kampagne. Zudem wurden zusätzliche Ruhezonen für die Tiere eingerichtet.

Szenario der Angst

Für Bieli und seine Mitstreiter geht das aber nicht weit genug, sie pochen nun erst recht auf ein Verbot. «Es geht nicht nur um den Tierschutz», sagt Bieli gegenüber der bz. «Es geht auch um Menschenleben, wie der Vorfall in Köln zeigt.»

Das Fasnachts-Comité hingegen will nicht auf Panik machen, auch wenn die Veranwortliche die Tragik des Unfalls würdigen. An den Basler Chaisen wird immer noch festgehalten. Comité-Obmann Christoph Bürgin sagte bereits im Interview mit der «Schweiz am Wochenende», dass Pferde an der Fasnacht weiterhin zugelassen sind. Neuerdings werden extra Ruhezonen angeboten, zudem werde streng darauf geachtet, dass die Nutztiere über viel Erfahrung verfügen und gesund sind.

Tierwohl im Vordergrund

«Aus diesem Grund wurden Massnahmen wie Meldepflicht der eingesetzten Pferde getroffen», so Bürgin: «Unsere Massnahmen entsprechen im Übrigen auch der revidierten Tierschutzverordnung, die am 1. März 2018 in Kraft tritt.» Diese Aussage stützt auch Bruno Kern, der im Comité für den Cortège verantwortlich ist: «Für das Wohl der Tiere wird gesorgt, es steht absolut im Vordergrund.» Die Pferde wegen des Vorfalls in Köln nun von der Fasnacht zu verbannen, sei kein Thema.

Kern mahnt auch dazu, dass das Publikum ebenfalls in der Verantwortung sei. Die Tiere seien mit Respekt zu behandeln. Ein Pferd etwa am Schweif zu ziehen sei kein Kavaliersdelikt, im Gegenteil. Denn die Tiere seien schliesslich Lebewesen. Wie es im Übrigen auch die Menschen sind, die unter den Kostümen den Cortège bestreiten.

Abwenden mit Transparenten

Die Tierschützer um Oliver Bieli jedenfalls stehen dann auch an der Fasnacht bereit. Ebenfalls am Montag, allerdings noch vor dem Kölner Unfall, schalteten sie auf ihrer Website einen Aufruf zum Protest auf. Die Cortège-Zuschauer mögen sich doch bitte abwenden, wenn eine Pferdekutsche vorbeizieht. Die Tierschützer würden ebenfalls vor Ort sein und ihren Protest zudem mit Transparenten kundtun. Auch an der Schääsede, dem Treffen der Chaisen, wollen die Tierschützer ein Zeichen dafür setzen, dass Pferde nicht an der Fasnacht teilnehmen sollen.

Gespräche mit dem Comité hätten keine stattgefunden, sagt Bieli, man habe hingegen kurz in schriftlichem Kontakt gestanden. «Das ist für uns auch nachvollziehbar», sagt er, «wir drücken ja auch auf einen wunden Punkt.» Er selbst habe seine fasnächtlichen Aktivitäten dieses Jahr auf Eis gelegt, schliesslich würden er und seine Mitstreiter auch noch von den Medien begleitet. Eines haben die Tierschützer mit ihrem medienwirksamen Auftreten schon erreicht: Die Tiere werden dieses Jahr besser umsorgt als je zuvor.

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