«Inakzeptabel» sind die Ausschreitungen vom Freitagabend für den Basler SVP-Regierungskandidaten Lorenz Nägelin. «Ich fordere eine lückenlose Aufklärung und harte Sanktionen nach den Gewaltexzessen», erklärte er gestern via Twitter. Die Empörung überrascht kaum, wurde doch auch die SVP-Zentrale an der Kornhausgasse bei den nächtlichen Krawallen in Mitleidenschaft gezogen. So wurden diverse Scheiben demoliert. «Unglaublich» findet SVP-Grossrat Joël Thüring diesen «erneuten Angriff». Und JSVP-Sekretär Nicolas Bretscher will endlich das «Chaotentum stoppen».

Ohne Vorwarnung war es am Freitagabend gegen 22 Uhr zu einem Saubannerzug durch Basel gekommen. Rund 50 Personen sollen unterwegs gewesen sein und eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben. Nach etwas mehr als einer Stunde sei der Spuk wieder vorbei gewesen. Die Polizei sei mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz gestanden. «Die Nachtpatrouille ist zum Schluss gekommen, dass das so nicht geht», sagt René Gsell von der Staatsanwaltschaft. Daraufhin habe die Polizei «energisch reagiert».

Massive Gewaltbereitschaft

Insgesamt 14 mutmassliche Täter wurden festgenommen – drei Frauen und zehn Männer im Alter von 18 bis 28 Jahren sowie ein Jugendlicher. Gegen sie wurden Verfahren eingeleitet wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Körperverletzung sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Gegen sieben Personen sei beim Zwangsmassnahmengericht ein Haftantrag eingereicht worden. Die restlichen sieben Festgenommenen würden wohl wieder auf freien Fuss gelassen, hiess es gestern Nachmittag.

Im Petersgraben und bei der Spitalstrasse traf die Polizei auf die Randalierer. Die Beamten seien sofort «massiv angegriffen» und mit Steinen und Flaschen beworfen worden. «Diese Gewaltbereitschaft war schon sehr aussergewöhnlich», sagt Gsell. «Damit hatten die Beamten nicht gerechnet.» Mehrere Patrouillen, die sich den Krawallanten in den Weg gestellt hatten, waren teils so heftig angegriffen worden, dass sie sich in Sicherheit bringen mussten.

Darauf habe sich die Polizei dann entsprechend gewehrt und Gummischrot eingesetzt. Gegenüber der Nachrichtenagentur sda hatte auch ein Polizeisprecher von einer ausserordentlich hohen Gewaltbereitschaft der Krawallanten gesprochen. «Alles, was im Weg steht, wird zusammengeschlagen», scheine deren Devise gelautet zu haben. Umso erfreulicher seien die 14 Festnahmen.

Begonnen hatten die Randale beim Barfüsserplatz, wo die ersten Sachbeschädigungen begangen worden waren. Darauf zogen die Chaoten durch verschiedene Querstrassen, über die Lyss- in Richtung Totentanz bis zur Spitalstrasse. Auf ihrem Weg schlugen sie zahlreiche Scheiben ein und verschmierten Fassaden. Getroffen hat es etwa die Helvetia-Versicherung, deren Glasfront zertrümmert worden ist, sowie eine Liegenschaftsverwaltung und auch mehrere BVB-Stationen. Die Staatsanwaltschaft schätzt den Sachschaden auf gegen 100'000 Franken.

Gründe liegen im noch Dunkeln

Bei den Krawallen wurden zwei Polizisten und eine Demonstrantin verletzt. Sie wurden in die Notfallstation gebracht, konnten diese aber zwischenzeitlich wieder verlassen. Wegen der Vorfälle kam es zu Störungen auf einigen Linien der Basler Verkehrsbetriebe.

Am Sonntag konnte die Staatsanwaltschaft noch nichts zu den Beweggründen der Krawallanten sagen. Bekenntnisschreiben liegen ebenso wenig vor, wie sich aus den Schmierereien Rückschlüsse ziehen lassen würden. Dennoch geht Staatsanwaltschaftssprecher Gsell von einer geplanten Aktion aus. Nicht nur der Umstand, dass die Chaoten aus der ganzen Schweiz stammen sollen und einer sogar aus Holland, lasse darauf schliessen. Auch seien die mutmasslichen Täter mit Handschuhen, Sonnenbrillen oder Farbbeuteln ausgerüstet gewesen.

Basels Sicherheitsdirektor Baschi Dürr gratulierte am Samstag via Facebook seinen Polizeiangestellten zu den 14 Verhaftungen «nach den genauso gewalttätigen wie sinnlosen Randalen». Der direkt betroffenen SVP scheint das nicht zu reichen: «Harte Strafen gegen diese Idioten müssen die Folge sein», fordert Grossrat Thüring. Die Krawalle könnten noch politische Folgen haben.