Thomas Riedtmann zieht die Konsequenzen: Weil er im Grossen Rat auf grosse Skepsis gestossen ist, zieht er nun seine Kandidatur für die Stelle des Basler Ombudsmanns zurück. Wie er in einer Medienmitteilung schreibt, habe er diesen Entschluss heute dem Grossratspräsidenten Joël Thüring sowie der Wahlvorbereitungskommission mitgeteilt.

Anfang Juni hatten die Sozialdemokraten als mit Abstand grösste Fraktion im Grossen Rat beschlossen, Thomas Riedtmann nicht zu wählen. Das ist aussergewöhnlich. Wenn die parlamentarische Wahlvorbereitungskommission einen Vorschlag zur Neubesetzung eines Amtes vorlegt, wird dieser vom Kantonsparlament meist nur noch durchgewunken. Auch in anderen Fraktionen waren immer wieder kritische Stimmen zu hören: So wurde die Unabhängigkeit des langjährigen Mitarbeiters des Finanz- und Erziehungsdepartements infrage gestellt.

«Wer sich hilfesuchend an die Ombudsstelle wendet, muss auf ihre völlige Unabhängigkeit von der Verwaltung vertrauen können», argumentierte die SP. Die Stelle wirkt als Scharnier zwischen Bevölkerung und Verwaltung. Riedtmann könne seine Vermittlerrolle kaum wirklich unabhängig wahrnehmen.

Die Wahlvorbereitungskommission hatte für die Ombudsstelle eine Doppelbesetzung vor: So sollten die Juristin Elisabeth Burger Bell und Ökonom Riedtmann die Stelle im Job-Sharing teilen. «Äusserungen verschiedener politischer Exponenten gegenüber den Medien lassen allerdings den Schluss zu, dass der Grosse Rat als Wahlbehörde der Ombudsstelle meine Kandidatur nicht in jenem Umfang unterstützt, wie es für die Ausübung dieses wichtigen Amtes notwendig wäre», schreibt nun Riedtmann.

«Auch bei einer erfolgreichen Wahl wären dies keine guten Startvoraussetzungen für die neu besetzte Ombudsstelle.» Denn als Vermittlerin bei Konflikten zwischen Verwaltung und Bevölkerung benötige sie ein hohes Mass an Legitimation und Ruhe.

Riedtmann hoffe jedoch sehr, dass die mit ihm vorgeschlagene Burger Bell trotz seines Rückzuges die Chance zur Wahl als Ombudsfrau behalte, wie er weiter schreibt. Er selbst werde weiterhin als Bereichsleiter Zentrale Dienste des Erziehungsdepartements tätig sein.

Die SVP erwarte nun von der Wahlvorbereitungskommission die Neuausschreibung der Stelle des Ombudsmannes. Das schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Dabei sei die Kandidatur von Elisabeth Burger Bell unbedingt weiterhin zu berücksichtigen. Die SVP schlägt ein Assessment über ein unabhängiges Personalbüro vor. Sie ist klar dagegen, dass nun einfach das zweitplatzierte Duo ausgewählt werden soll – dies wäre der Kandidatin Burger Bell gegenüber unfair.