Kulturpolitik
Nach Kürzungsentscheid: Das Architekturmuseum ist gerettet – vorerst

Noch im Sommer sah es düster aus für das Schweizerische Architekturmuseum (SAM) in Basel. Wie das Sportmuseum erhält es künftig keine Bundesgelder mehr, was beide Häuser in ihrer Existenz bedroht. In den vergangenen Monaten aber ist einiges passiert. Mit Stolz kann das SAM deshalb verkünden: Das Haus ist gerettet – allerdings bisher nur für die kommenden vier bis fünf Jahre.

Daniel Ballmer
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Die Verantwortlichen haben es kaum zu hoffen gewagt: Private haben das Schweizerische Architekturmuseum für die nächsten Jahre gerettet.

Die Verantwortlichen haben es kaum zu hoffen gewagt: Private haben das Schweizerische Architekturmuseum für die nächsten Jahre gerettet.

Roland Schmid

«Noch Ende Juli hätte ich nicht daran geglaubt», räumt Stiftungsratspräsident Samuel Schultze ein. Nun aber ist es geschafft: Das Schweizer Architekturmuseum (SAM) ist fürs Erste gerettet. Im Sommer hatten gleich drei Basler Museen dicke Post aus Bern erhalten.

Weil das Bundesamt für Kultur sein Fördermodell geändert hat, bekommen das Architekturmuseum und das Sportmuseum künftig keine Bundesgelder mehr – was sie in ihrer Existenz bedroht. Auch das Haus der elektronischen Künste (HEK) musste einen Rückschlag hinnehmen. Sein jährlicher Beitrag wird bis 2020 von 420'000 auf 250'000 Franken zusammengestrichen.

Bisher erhält das Architekturmuseum von Basel-Stadt 80'000 Franken im Jahr. Aus Bern flossen 300'000 Franken. Bei einem Gesamtbudget von 1,2 Millionen ist der Einschnitt entsprechend drastisch. Zumindest aber erhält das SAM für eine Übergangszeit bis Ende 2018 noch 70 Prozent des bisherigen Bundesbeitrags, um so seine Zukunft planen zu können. Und die Museumsverantwortlichen haben die Chance genutzt. Direktor Andreas Ruby habe viel lobbyiert und noch mehr Gespräche geführt – mit Erfolg. Der Fortbestand des Museums sei für die nächsten vier bis fünf Jahre gesichert sagt Schultze. «Wir sind mit dem Entscheid des Bundes gar nicht einverstanden, aber es war auch ein Weckruf.»

«Über unsere Situation alarmiert»

Private Geldgeber halten das Museum vorerst über Wasser. Schultze: «Der Schweizer Ingenieur und Architektenverein ist über unsere Situation alarmiert und hat einen namhaften Zustupf zugesagt.» Wie das Architekturbüro Burckhardt + Partner engagieren sich zudem auch Herzog & de Meuron schon heute finanziell und personell. «Ich unterstütze die Bemühungen, das Museum langfristig auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, wo ich kann», betont Stararchitekt Pierre de Meuron. Für ihn wäre das Aus des SAM ein «riesiger Verlust». Es habe eine spezifische Geschichte in Basel, «dieser Stadt der Kunst, Kultur und Architektur: Es gehört hierher».

Zukunftsängste

Das Sportmuseum kämpft weiter

Eng wird es auch für das Schweizer Sportmuseum, das künftig mit 150 000 Franken Bundessubventionen weniger auskommen muss. Kommt hinzu: Von Basel-Stadt sind Gelder nur noch bis Ende Jahr zugesichert, Baselland wollte den Entscheid des Bundes abwarten. Einzig Swiss Olympic subventioniert das Museum noch bis Ende 2020.

Dennoch haben die Museumsverantwortlichen noch lange nicht aufgegeben: «Die Schweiz ist ein sportbegeistertes Land und wir sind überzeugt, dass es ein Sportmuseum braucht, das sich mit Fragen der Sportkultur auseinandersetzt», sagt der interimistische Museumsleiter Hans-Dieter Gerber. Das Museum ist deshalb daran, einen Aktionsplan und eine Neuorientierung auszuarbeiten, der bis Anfang 2018 vorliegen soll. Basierend darauf sollen weitere potenzielle Quellen definiert und konkret angegangen werden. Parallel dazu laufen Bestrebungen im Baselbieter Landrat sowie Gespräche mit Basel-Stadt und Swiss Olympic. «Der politische Prozess läuft», sagt Gerber.

Mit dieser neusten Entwicklung könnte das Architekturmuseum auch beim Kanton wieder bessere Karten haben. Mitte Dezember entscheidet der Basler Grosse Rat über das Budget 2018. Derzeit stecken die Kommissionen mitten in der Vorberatung. Bisher haben Kulturpolitiker signalisiert, dass der Kanton kaum eins zu eins für den Bund in die Bresche springe. Schliesslich wolle Baselland mit dem neuen Kulturvertrag bereits fünf Millionen einsparen.

Und auch das Kunstmuseum braucht wegen eines strukturellen Defizits zusätzliche Mittel. Das SAM müsse deshalb zumindest noch weitere Geldquellen anzapfen.

Bessere Karten beim Kanton?

«Wir können der Politik zumindest aufzeigen, dass wir nicht auf der faulen Haut liegen», sagt Stiftungspräsident Schultze. Noch bestehe aber kein Grund zur Euphorie. Mit den zusätzlichen Mitteln könne das Museum ein paar Jahre überleben – mehr nicht. «Ein Beitrag des Kantons wäre weiter wesentlich.» Deshalb hoffen die Verantwortlichen darauf, dass der Kanton seinen Beitrag ab 2019 von heute 80'000 auf 250'000 Franken erhöht. Bisher aber zeige sich das Präsidialdepartement sehr vorsichtig. «Wir spüren guten Willen», sagt Schultze.

«Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann will aber keine Versprechen abgeben, weil das Parlament das Budget noch absegnen muss.» Die bisherigen 80'000 Franken Kantonssubventionen im Jahr seien im Vergleich zu anderen Museen sehr wenig, betont Schultze weiter. Aus diesem Grund werde nun versucht, das Museum über die nächsten vier Jahre hinaus finanziell abzusichern. Dann sei das SAM wohl auch nicht mehr unbedingt auf den Bund angewiesen. «Wir dürfen nicht mehr zu elitär sein, müssen publikumsträchtiger werden», ist sich Schultze bewusst. Auch gelte es, künftig noch unbefangener an Sponsoring heranzugehen. «Wir haben jetzt Zeit gewonnen», sagt Schultze. «Diese müssen wir nutzen.»