Basel
Nach Martin Gudenraths Abgang braucht es ein Umdenken im Stadtkanton

Der Verwaltungsratspräsident der Basler Verkehrsbetriebe ist über eine Kleinigkeit gestolpert. Doch weil dies auch im Bankrat der Basler Kantonalbank schon vorkam, braucht es dringend Kontrollen für die Chefs der staatsnaher Firmen.

Moritz Kaufmann
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Martin Gudenrath geht von sich aus (Archivbild).

Martin Gudenrath geht von sich aus (Archivbild).

bz Basel

Fast im gleich hohen Takt, wie die grünen Drämmli durch Basel fahren, lieferten die giftgrünen Basler Verkehrsbetriebe (BVB) Stoff für Negativschlagzeilen. Man führte ein neues Anzeigesystem ein, das in den kalten Wintermonaten nicht funktionierte. Man beschaffte auf eigene Faust neue Trams und stiess damit die BLT vor den Kopf. Das Verhältnis zum Baselbieter Partnerunternehmen ist seither nie mehr aufgetaut. Die BVB-Chefs manövrierten sich immer wieder selbst in den Schlamassel. Gudenrath, der umtriebige, oft unsensible und zuletzt ungeliebte Verwaltungsratspräsident, ist nun über eine vergleichbare Kleinigkeit gestolpert. Es wurden offenbar gut bezahlte Praktika an Verwandte vermittelt und Spesen falsch abgerechnet.

Der Abgang Gudenraths sollte Basel aufhorchen lassen. Letzte Woche kam ans Licht, dass Mitglieder des Bankrats der Basler Kantonalbank eigenen Firmen Aufträge zugeschanzt hatten. Zwar wird beteuert, dass – im Gegensatz zu den BVB – alles rechtens sei. Und doch zeigt sich: In den Chefetagen der staatsnahen Betriebe Basels geht man fahrlässig mit Vertrauen um. Ein Praktikum hier, ein Auftrag dort. Man kennt sich. Einzeln betrachtet mögen es Bagatellen sein, doch in der Summe stinkt es.

Basel braucht dringend professionellere Kontrollorgane für die Chefs der öffentlichen Unternehmen. In dieser Hinsicht haben die zuständigen Politiker versagt. Im Fall der Kantonalbank befindet sich ein neues Gesetz in der Pipeline, das Fragen der Aufsicht neu regelt. Nun braucht es auch im Umfeld der BVB neue Mechanismen, die helfen, das Vertrauen zu den Kunden und zu Partnern wie der BLT wieder herzustellen.