Der Vorwurf wurde Anfang Woche öffentlich: Ein Sportler aus Basel soll an einer Veranstaltung für Rechtsradikale in Deutschland gekämpft haben. Erneut schlechte Presse für die Basler Kampfsportszene – bei regionalen Vereinen sorgt das für Frust. «Wir spürten die Auswirkungen von negativen Schlagzeilen ganz konkret, als wir auf der Suche nach einem Trainingsraum waren», sagt ein Trainer aus der Region, der anonym bleiben will. «Von Vermietern bekamen wir zu hören, dass sie keine Kampfsportler auf dem Areal haben wollen», erzählt er.

Auch Polizisten im Kickbox-Verein

Solche Erlebnisse sind für ihn bitter. In seinem Verein werde sehr darauf geachtet, dass Kickboxen als Sport betrieben wird, bei dem Fairness und Respekt im Mittelpunkt steht. «Bei uns im Verein trainieren die verschiedensten Leute, auch Polizisten. Die würden gar nicht kommen, wenn wir den Sport nicht seriös ausüben würden.» Dass sein Sport dann wegen «einiger Exponenten» einen schlechten Ruf erhält, ärgert ihn. «Das zieht Leute an, die ein falsches Bild vom Sport haben.» Das bestätigt Patrick Drees, der in Liestal seit Jahren das «First-Choice Gym» betreibt. Dort unterrichtet er Kick- und Thaiboxen, Jiu-Jitsu und MMA.

«Jeder Trainer bekommt die Schüler, die er auch verdient. Wir hatten nie Probleme damit, dass unsere Schüler ausserhalb des Trainings Ärger machen», betont er. Für den Ruf des Sports seien die Vorfälle der letzten Monate aber schade. Trotzdem will er sich nicht dafür rechtfertigen, Kampfsport zu betreiben und zu unterrichten. «Ein Fussballer kann ja auch nichts dafür, wenn sich neben dem Spielfeld Hooligans auf die Kappe geben.»

Beide Trainer sind sich aber einig: Die Vereine in Basel kommen aneinander vorbei. «Aus Streit halten wir uns ganz einfach raus. Mein Motto ist: Leben und leben lassen», erklärt Drees. Auch der andere Trainer bestätigt: «Wir gehen Konflikten aus dem Weg.»
Die beiden Trainer besuchen mit ihren Sportlern Wettkämpfe des schweizerischen Kickboxverbandes, der dem Weltverband WAKO angehört, oder Wettkämpfe der Organisation SCOS (Swiss Combat System). Von Rechtsextremismus an diesen Veranstaltungen hätten sie nichts mitbekommen, beteuern beide.

Verbände können nicht viel tun

Frustriert über den schlechten Ruf der Basler Szene ist Beat Richner, der Präsident des schweizerischen Kickboxverbandes. «Die Negativschlagzeilen sind uns sehr wohl bekannt. Leider bleibt uns nichts weiter übrig, als diese zur Kenntnis zu nehmen. Wir haben mit diesen Leuten aber nichts zu tun», schreibt Richner auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende».

Der schweizerische Kickboxverband greife bei Regelverstössen hart durch: «Wenn bei uns bekannt wird, dass ein registrierter Sportler oder eine Sportlerin erlernte Techniken ausserhalb des Trainings oder Wettkampfs anwendet, wird die entsprechende Person vom Verband ausgeschlossen», stellt Richner klar. Teilweise könne sogar der Ausschluss des ganzen Vereins in Erwägung gezogen werden. «Wir legen einen grossen Wert auf bewusste Traditionen, die eine Ethik der Achtung lehren. Es geht um Körperbeherrschung und Disziplin. Die absolute Fairness gegenüber eines Gegners steht immer im Mittelpunkt.»

Einen Lösungsvorschlag für mehr Kontrolle im Kickboxen hat Roger Rubi parat-Er ist Präsident der Organisation SCOS. «Es sollte nur einen einzigen Verband geben in der Schweiz», findet Rubi. «Dann wäre es möglich, nationale Lizenzen zu vergeben und eine einheitliche Qualitätsprüfung einzuführen.» Eine weitere Massnahme wäre laut Rubi, dass Kickboxverbände finanzielle Hilfe im Rahmen von J+S Unterstützungsgeldern erhalten. «Dann wären Verbände nicht finanziell darauf angewiesen, dass sie Vereine an ihren Wettkämpfen zulassen, bei denen nicht sicher ist, ob diese sich an die ethischen Regeln vom Kickboxen halten.»

Dass es dazu kommt, ist aber unwahrscheinlich, wie eine Anfrage an das Bundesamt für Sport zeigt: «Aus Sicherheitsgründen sind Sportarten wie Kickboxen und Boxen, die den Niederschlag oder sogar die Schädigung des Gegners zulassen, von J+S ausgeschlossen», sagt Kurt Henauer vom Bundesamt für Sport.