Kongresse

Nach OSZE sollen weitere folgen: Basel kauft sich zur Kongressstadt ein

Für die MCH Group haben Messen wie die Muba Priorität, der Kanton möchte aber das Kongress-Zentrum füllen.

Für die MCH Group haben Messen wie die Muba Priorität, der Kanton möchte aber das Kongress-Zentrum füllen.

Das OSZE-Treffen soll nicht der einzige Mega-Kongress in Basel bleiben. Vielmehr plant der Kanton, in Zukunft jährlich verschiedenste solcher Anlässe in die Stadt zu holen. Für bis zu 400'000 Franken pro Jahr kann die Regierung Kongresse akquirieren.

Dick wird aufgetragen im Dezember. Wenn aus 57 Ländern die Aussenminister ans OSZE-Treffen nach Basel kommen, wird die Stadt funkeln und glänzen. Das Ziel ist klar: Der OSZE-Gipfel soll nicht der einzige Grossanlass dieser Art in Basel bleiben. Gerne hätte man regelmässig so prominente Gäste in der Stadt. «Basel hat das Potenzial, alle drei bis fünf Jahre einen Grossanlass durchzuführen», sagt Sabine Horvath, die Chefin des Basler Standortmarketings.

Damit es so kommt, ist Basel bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Anfang Jahr wurde kommuniziert, bis 2017 jährlich bis zu 500 000 Franken bereitzustellen, um aus Basel eine Kongressstadt zu machen. Doch: Das Kongress-Geschäft ist knallhart. Grosse Anlässe muss man in der Regel «einkaufen».

Bemerkenswert ist die neue Strategie, weil der grösste Anbieter von Kongress-Infrastruktur in Basel, die Messebetreiberin MCH Group, ganz andere Prioritäten setzt.

Offenbar ist die Kongress-Akquisition kein einträgliches Geschäft. «Es ist kein Geheimnis: Das Kongress-Zentrum ist nicht eine besonders ergiebige Ertragsquelle», sagt Ueli Vischer, Verwaltungsratspräsident der MCH Group. Auch Samuel Hess vom Departement Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) bestätigt: «Für die MCH Group sind Messen das Hauptgeschäft.»

Pro Tag bis zu 1200 Franken

Und doch glaubt Basel, ein gutes Geschäft aufgespürt zu haben. Neben den Grossanlässen will der Kanton rund zehn neue Kongresse pro Jahr nach Basel holen, wie Hess erklärt. Er ist zuständig für wissenschaftliche oder wirtschaftliche Kongresse, während Standortvermarkterin Sabine Horvath die speziellen und grossen Anlässe hierher bringen soll.

Aber lohnt sich das denn auch? Hess und Horvath sind davon überzeugt. «Kongresse generieren eine internationale Ausstrahlung und eine grosse touristische Wertschöpfung», sagt Horvath. Jonas Scharf, Leiter des Kongress-Zentrums der MCH Group, rechnet vor: Ein durchschnittlicher Kongress-Teilnehmer bringe pro Tag zwischen 600 und 1200 Franken nach Basel. «Der Gewinn für den Veranstalter ist nicht nur monetär, er darf auch die Stadt hinter sich wissen», sagt Scharf. Sprich: Caterer, Restaurants, Hotels, Chauffeure und dergleichen.

Basel ist nicht Barcelona

Das dürfte der Grund sein, weshalb Basel ein so hohes Interesse an Kongresstouristen hat: Diese geben wesentlich mehr aus als «normale» Touristen und sind auch nicht so preissensitiv. Doch mit dem Kongressmarkt begibt sich Basel in einen global heftig umkämpften Wettbewerb. Und Basel hat ein Manko: «Basel ist nicht eine Marke wie Wien, Barcelona oder Berlin. Das muss uns bewusst sein», sagt Scharf.

Deshalb wird nun investiert. Basel habe alle Voraussetzungen, eine erfolgreiche Kongressstadt zu sein, wird von allen Beteiligten betont. Ob der Plan aufgeht, wird sich zeigen. Samuel Hess vom WSU ist zuversichtlich: «Basel hat schon bisher Life-Sciences-Kongresse unterstützt. Wir fangen also nicht bei null an.» Die Pipeline sei voll. Ein Beispiel dafür verrät Handelskammer-Direktor Franz Saladin: Er arbeitet daran, mithilfe der Fördergelder 2018 einen der grössten Kongresse für Schlafforschung nach Basel zu bringen. Das klingt zwar nicht nach so viel Prestige wie ein OSZE-Spitzentreffen, doch die Dimensionen sind immens. Zwischen 2500 und 3000 Teilnehmer würden dann nach Basel kommen. Es ist davon auszugehen, dass das die Stadt einiges kosten wird.

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