Der bz ist zu Ohren gekommen, dass das Geschäft beim travelshop im März so gut wie noch nie gelaufen ist. Trotz den Anschlägen in Brüssel und der Türkei. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Christian Wagner: Das hat uns selber sehr erstaunt, dass das Buchungsverhalten bei uns nicht eingebrochen ist. Wir haben in den 25 Jahren einige Anschläge aus der Ferne miterlebt. Es scheint, dass die Verarbeitungszeit nach solchen Ereignissen immer kürzer wird. Nach dem Anschlag bei Charlie Hebdo, war es in unserem Büro zwei Wochen äusserst ruhig. Nach Brüssel jedoch, stellten wir keinen allzu starken Unterschied zum Vortag fest. So pervers es auch klingen mag: Es ist nach Paris eine Art Gewöhnungseffekt eingetreten. Es würde heute auch niemanden mehr abhalten nach London zu reisen trotz der Terroranschläge vor zehn Jahren. Wir Menschen sind einfach so. Wir vergessen.

Sie empfehlen den Leuten, ihre Reise übers Reisebüro zu buchen, anstatt im Internet. Besonders während dieser Terrorzeit. Warum?

Die Türkei hat beispielsweise noch keine offizielle Warnung vom EDA. Es existieren gewisse Warnungen von diversen Stellen, dass keine Besichtigungstouren mehr unternommen oder keine öffentlichen Plätze mehr besucht werden sollten. Die grosse Verunsicherung ist durchaus da und wir spüren dies besonders bei unseren Türkeikunden. Sie rufen an, wie die Alternativen aussehen. Wir können als Ansprechpartner beraten, da wir auch im intensiven Austausch mit Veranstaltern stehen und zusammen entscheiden, ob man zuwarten sollte oder eine sofortige Alternative in die Wege leiten. Dies ist unser erheblicher Mehrwert. Wer nun selbstständig eine solche Reise in die Türkei geplant hat, ist mit seinen Ängsten und Sorgen auf sich alleine gestellt. Eine Stunde im Reisebüro spart 13 Stunden surfen, sagte einst der CEO des Reisebüros Globetrotter.

Welche Länder leiden unter der Zurückhaltung der Leute und welche Destinationen profitieren von diesen Krisen?

Spanien ist momentan der grosse Profiteur. Die reagieren bereits mit Hotelpreiszuschlägen und boomen. Die ganzen östlichen Staaten im Mittelmeer leiden unter dieser Zurückhaltung der Menschen. In der Türkei ist die Lage schwierig, in Ägypten harzt es seit längerer Zeit und Griechenland ist auch nicht mehr der Hit aufgrund der vielen Schlagzeilen über die Flüchtlingssituation. Die Nachfrage hat sich deutlich nach Westen verlagert. Ausserhalb Europas spüren wir rein gar nichts von reduziertem Reiseverhalten.

Inwieweit informieren Sie über mögliche Terrorgefahren?

Die Medienberichterstattung sensibilisiert die Leute bereits, was die Gefahren in den betroffenen Ländern anbelangt. Natürlich analysieren wir die Situation im Einzelnen. Wir weisen als Reisebüro aber auch auf viele andere wichtigen Dinge hin.

Im Sommer findet die Fussballeuropameisterschaft in Paris statt. Eine Massenveranstaltung. Wie beurteilen Sie die Situation?

Dies ist eine spannende Frage. Heute ist man mit dem TGV beispielsweise sehr schnell in Paris. Daher kommen die Leute nicht unbedingt zu uns. Aber persönlich würde ich da sehr pragmatisch reagieren. Ich würde das auf jeden Fall machen. Ich würde mir die Freude am Fussball nicht vertreiben lassen. Wir sollten unseren Lüsten und Gewohnheiten weiter ausleben. Wenn nun ein Kunde diese Reise plant und ein flaues Gefühl hat, dann hören wir auf das Bauchgefühl. Schlussendlich entscheidet immer noch der Kunde. Wir nehmen das sehr ernst.