Der Aufschrei war gross. Im Herbst 2016 hatte die Post angekündigt, landesweit gegen 600 Filialen dichtmachen zu wollen. So möchte der gelbe Riese wieder in die schwarzen Zahlen kommen. In Basel stehen drei Quartierfilialen auf der schwarzen Liste: Gellert, Kleinhüningen und Kannenfeld. Und sogar die Hauptpost in der Innenstadt wurde als gefährdet benannt. Die Kundenfrequenzen seien zu gering, die Mietkosten zu hoch.

Widerstand liess nicht lange auf sich warten. Parteien organisierten Protestaktionen. Quartiervereine sammelten Unterschriften für verschiedene Petitionen. Der Grosse Rat beschloss eine Standesinitiative mit der Forderung nach einem Moratorium. Die Post solle keine Filiale schliessen dürfen, zumindest bis eine Netzplanung öffentlich vorliegt. Der Gelbe Riese gewährte darauf hin für die Hauptpost eine Galgenfrist bis 2020. Danach hänge eine Weiterführung davon ab, ob die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessert werden kann.

Standesinitiative hat ohnehin kaum Chancen

Seither ist es ruhig geworden. Zumindest vor den Kulissen. Dahinter laufen intensive Gespräche zwischen der Post und der Basler Regierung. Eine Lösung scheint kurz bevorzustehen. Noch will sich Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin nicht in die Karten schauen lassen. Sogar die zuständige Wirtschaftskommission des Grossen Rats hat keine Ahnung, wie bz-Recherchen zeigen. Vielsagend kündigt Brutschin an: «Wir können in Aussicht stellen, dass der Kanton zusammen mit der Post bald informieren wird.»

Brutschin scheint sich nicht auf die Basler Standesinitiative verlassen zu wollen, die kommende Woche im Ständerat behandelt wird. Der SP-Regierungsrat tut vermutlich gut daran. Die Chancen, damit die Abbaupläne tatsächlich stoppen zu können, sind gering. In Bundesbern führt das Instrument fast nie zum Erfolg. Auch diese Woche hat sich der Ständerat dagegen entschieden, die Post zu verpflichten, die Schliessung von Poststellen und deren Umwandlung in Agenturen auf unbestimmte Zeit zu sistieren. Am Dienstag hat er eine entsprechende Motion abgelehnt.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga anerkannte dabei, dass es um ein sensibles Thema gehe. Deshalb erwarte sie von der Post auch, dass sie mit Behörden und Bevölkerung zusammen versuche, verträgliche Lösungen zu finden. Der Druck müsse aufrechterhalten werden. Ein generelles Moratorium ist für Sommaruga aber der falsche Weg. Auch die Post müsse wirtschaftlich arbeiten. Zudem seien die Erreichbarkeitsvorgaben bereits verschärft worden.

Post will Moratorium auf jeden Fall verhindern

Regelmässig betont die Postspitze, dass keine Filiale geschlossen werde, ohne dass eine Alternative geschaffen werde. Der staatsnahe Betrieb hat kein Interesse daran, dass die Politik die Vorgaben noch weiter verschärft. «Ein Moratorium in der Netzentwicklung ist aus Sicht der Post für alle kontraproduktiv», sagt Sprecherin Antoinette Feh Widmer. «Es führt zu Unsicherheiten sowohl bei den Postkunden als auch bei den Mitarbeitenden und der Post.» Auch lehne der Konzern die Forderung der Basler Standesinitiative ab, dass Bürger künftig gegen Filialschliessungen vorgehen können.

Dass Widerstand meist wenig nützt, zeigt sich ebenfalls in Basel. Wie im April bekannt wurde, wird die Filiale Gellert in die Hardhof-Apotheke gezügelt. Ab Mitte Oktober gibts dort einen Postschalter, bedient von Mitarbeitern der Apotheke. Zu den anderen beiden Quartierfilialen hat die Post noch keinen Entscheid gefällt.