Die Rassismusdebatte hat die Basler Fasnacht eingeholt. In den Fokus geraten sind die Negro-Rhygass 1958 und die Guggemusig Mohrekopf 1954. Mehrere Personen monieren, die Namen seien rassistisch und im Jahr 2018 nicht mehr angebracht. Vor allem das Logo der Negro Rhygass steht in der Kritik. Es zeigt ein Pauke spielendes schwarzes Männchen mit dicken Lippen und einem Knochen im Haar – die Darstellung entspricht dem stereotypischen Bild des «Mohren», wie es in Europa bis zum Ende des Kolonialismus üblich und weit verbreitet war.

Anlass der Empörung ist das «Negro-Fescht», das die Guggenmusik am vergangenen Samstag im Kleinbasel durchführte. «20 Minuten» erwähnte am Dienstag einen nicht namentlich genannten Leser, dem vor allem das Festplakat missfiel, auf dem das Männchen zu sehen war. «Wie ist es möglich, dass ein solches Logo an einem Volksfest verwendet werden darf?», wird der Student zitiert. Die Figur stelle einen Sklaven aus der Kolonialzeit dar – so etwas gehe im Jahr 2018 nicht mehr.

In den vergangenen Tagen kam es in sozialen Netzwerken zu gehässigen Kommentaren und zu Aufrufen, die Guggenmusiken zu melden – was dann auch geschah: Zumindest Facebook deaktivierte am Mittwoch die Seiten der Negro-Rhygass und der Guggemusig Mohrekopf. Die Inhalte waren ab dem späteren Vormittag nicht mehr aufrufbar. Die Massnahme wird üblicherweise dann getroffen, wenn sich eine grössere Zahl von Nutzern beschwert hat. Auch die Website der Negro-Rhygass funktionierte gestern nicht mehr.

Auf der Seite openpetition.eu lancierte am Mittwoch eine Userin eine Petition, mit der sie sogar die «Auflösung der Negro-Rhygass und des Negro-Feschts» fordert. Bis zum Abend hatte das Begehren bereits über 400 Unterschriften.

Unverständnis bei den Guggen

Daniel Bachmann, Obmann der Mohrekopf-Gugge, sagt zur bz: «Ich kann die Aufregung um den Begriff nicht nachvollziehen. Unser Name hat mit unserer Gründungsgeschichte zu tun, er geht auf den Mohrekopf zurück, bekanntlich ein Schaumwaffelgebäck mit Schokoladenüberzug.» Mohre wiederum sei eine alte Bezeichnung für eine Wildsau-Mutter.
Reklamationen habe es immer wieder gegeben, sagt Bachmann, der seine Funktion seit 18 Jahren ausübt. «In den letzten drei Jahren hat es aber zugenommen.» In der Gugge werde grosser Wert gelegt auf Toleranz und gegenseitigen Respekt, sagt Bachmann. Rassismus habe bei ihnen keinen Platz.

Rassismus-Debatte: Facebook sperrt die Negro-Rhygass und Mohrekopf

Negro-Rhygass und Mohrekopf beim Gugge-Sternmarsch am Fasnachtsdienstag 2018.

Die Negro-Rhygass erklärt die Herkunft von Name und Logo mit Walter Mittelholzer. Der Schweizer Flugpionier musste 1927, dem Jahr, in dem die Ur-Formation der Gugge gegründet wurde, mitten in Afrika notlanden. «Daher auch unser Vereinsemblem», heisst es auf der Website: «Ein kleiner Mohr mit Pauke.»

Negro-Obmann Niggi Schmieder war am Mittwoch für die bz nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Er sagte aber zur «Tageswoche»: «Wir haben in den letzten 60 Jahren nur ganz selten kritische Rückmeldungen erhalten. Weder der Name, noch das Emblem unseres Vereins suggerieren Rassismus.»

«Erbärmliche Hexenjagd»

Die Kantone Basel-Stadt, Baselland und Solothurn unterhalten die Fachstelle «Stopp Rassismus!». Gemäss der Co-Leiterin Nihal Karamanoglu haben sich zahlreiche Personen gemeldet. Ein Teil davon habe sich über Name und Logo der Negro-Rhygass beschwert, andere hätten aber auch für die Gugge Position eingenommen.

Eine klare Haltung vertritt Marc Schinzel. Der Baselbieter FDP-Landrat aus Binningen schreibt auf Twitter von einer «erbärmlichen Hexenjagd». In der Schweiz, schreibt der Politiker, würden das freie Wort, die Kunstfreiheit und die kulturellen Traditionen hoch gehalten.

Georg Kreis war bis 2011 Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR). Der Historiker schreibt auf Anfrage, an der Fasnacht würden «besonders liberale Regeln» gelten. Sie wirke aber auch in den Alltag hinein. «Man sollte nicht sogleich nach amtlichen Verboten rufen, sich aber auch nicht einzig am Bedürfnis eigener Äusserungsfreiheit orientieren, sondern sich überlegen, wie das bei den Mitmenschen ankommt, die indirekt als Kostümfiguren benutzt und als Logo-Maskottchen abgebildet werden.» Wäre er Mitglied bei der zuständigen Gugge, würde er zumindest für die Abschaffung des Knochens plädieren.

In den vergangenen Jahren gab es in vielen Ländern Kontroversen um Symbole und Feste mit mutmasslich rassistischen Bezügen. In Holland und Belgien wird seit Jahren darum gestritten, ob der «Zwarte Piet», der schwarze Nikolaus-Helfer, noch zeitgemäss sei. Die Mohrenkopf-Hersteller mussten sich ebenfalls gegen Rassismus-Vorwürfe wehren. Die bekannteste Mohrenkopf-Produzentin in der Region ist die Othmar Richterich AG aus Laufen. Sie verteidigt den Namen damit, «Mohren» sei der Dorfname der Laufner. Auf sie beziehe sich der Mohrenkopf, nicht auf Menschen mit dunkler Hautfarbe.

Die Guggemusig Mohrekopf erklärt ihren Namen mit einem Bäckerlehrling, der sich unter den Gründungsmitgliedern befunden habe. Der Lehrling habe zu den Treffen immer wieder nicht verkaufte, aber noch geniessbare Mohrenköpfe mitgebracht. Bei der Frage, wie man sich nennen solle, sei dann jemand auf die Süssgebäck gekommen. «Hätte der Lehrling damals Meitlibei mitgebracht», sagt Obmann Daniel Bachmann, «dann würden wir jetzt halt ‹Meitlibei› heissen.»

Von einem Namenwechsel will die Gugge nichts wissen. Auf ihrer Website heisst es in einem älteren Beitrag, man werde sich – trotz aller Diskussionen – keinen neuen Namen suchen.