Anti-Atom-Archiv
Nach Rauswurf: Beim Zoll Otterbach herrscht wieder gute Stimmung – bei fast allen

Das Künstlerduo Aernschd Born und Barbara Preusler musste das Holzpavillon beim Zoll Otterbach 2016 verlassen und Platz für den Bund machen. Vorübergehend ist wieder Leben in der Bude – doch was danach kommt, ist nach wie vor unklar.

Martina Rutschmann
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Holzpavillon

Holzpavillon

Nicole Nars-Zimmer
Das Künstlerduo Born-Preusler betrieb hier einst das Anti-AKW-Archiv.

Das Künstlerduo Born-Preusler betrieb hier einst das Anti-AKW-Archiv.

Martin Töngi

Und jetzt ist alles gut. Wer hätte das gedacht? Als das Ehepaar Aernschd Born und Barbara Preusler 2016 erfuhr, dass es sein «Lebenswerk» räumen muss, war die Trauer gross. Hier hatten der Liedermacher und die Kunstschaffende die Dokumentationsstelle zur Anti-AKW-Bewegung aufgebaut und sich ihr Privatleben eingerichtet. Leben und arbeiten unter einem Dach, ein Traum war in Erfüllung gegangen – und das am Ende der Stadt im letzten Haus vor dem Grenzübergang Otterbach.

Und dann die Kündigung. Eigenbedarf. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) brauche die Räume im Pavillon selber. Wofür, war unklar. Die Räume würden in das Gesamtkonzept des Empfangszentrums Basel integriert, wie genau, sei nicht definiert, hiess es. Das Künstlerduo musste gehen.

Aufenthaltsort für Asylsuchende

Die Dokumentationsstelle hat längst eine neue Bleibe gefunden, Born und Preusler als Privatmenschen ebenfalls. Sie leben inzwischen in Reinach und nehmen rege am Dorfleben teil. «Wir haben uns gut eingelebt und sind recht fleissig hier. Die Leute sind sehr freundlich und haben uns toll aufgenommen», sagt Barbara Preusler. Happy End Nummer 1. Und Nummer 2?

Diese Story nahm im November vergangenen Jahres ihren Anfang und dauert an. Adresse: Freiburgerstrasse 80, letztes Haus vor der Grenze. Wo einst Anti-AKW-Transparente ausgestellt waren, treffen sich seit Herbst Asylsuchende des benachbarten Empfangs- und Verfahrenszentrums. Voraussichtlich bis Mitte Jahr bietet der Oekumenische Seelsorgedienst für Asylsuchende (OeSA) seine Dienstleistungen hier an, die anderen Räume im Gebäude nutzt das Empfangszentrum selber.

Autonome schlitzen Reifen auf

Wohin die OeSA nach der Zwischennutzung zieht, sagt Leiterin Astrid Geistert noch nicht. Nur das: Man bleibe auf dem Areal, bestimmt gehe man aber nicht zurück in die Container. Diese hatte jahrelang neben dem Holzpavillon gestanden und waren chronisch zu eng.

Barbara Preusler hat die ehemaligen Nachbarn in guter Erinnerung: «Die Organisation hilft Menschen mit viel Energie und Liebe und gibt ihnen Heimat. Wir freuen uns für sie, dass sie nun mehr Platz haben.» Ihr Mann und sie seien länger nicht mehr vor Ort gewesen, für sie zähle die Zukunft.

Wer das Holzpavillon nicht kennt, muss es quasi suchen, so klein und versteckt ist es im Vergleich zu den grossen Bauten auf dem Areal. Und es werden mehr: Die Bauarbeiten des Bässlergut-Ergänzungsbaus sind in vollem Gang – das passt nicht allen. Seit Monaten bekämpfen linksautonome Gruppen den Gefängnisbau, indem sie etwa Autoreifen beteiligter Firmen aufschlitzen. Im Internet listen sie auf, wem sie wie schaden. Der jüngste Eintrag stammt vom Februar. Die Staatsanwaltschaft führt rund 65 Verfahren in der Sache. Missstimmung herrscht also nach wie vor auf dem Areal, wenn auch aus anderen Gründen als 2016.

Pavillon-Zukunft bleibt unklar

Wie es mit dem Pavillon weitergeht, ist nach wie vor unklar. «Während der anstehenden Bau- und Sanierungsarbeiten des Empfangs- und Verfahrenszentrums kann er als Baustellenbüro und als Ausweichräumlichkeiten für andere Nutzungen dienen. Wie das Gebäude in das Gesamtkonzept des Bundesasylzentrums nach dem Umbau einbezogen wird, ist nicht abschliessend geklärt», sagt Martin Reichlin vom SEM.

Gleich klang es vor zwei Jahren, als Aernschd Born und seine Frau die Kündigung erhielten. Aber wie gesagt: Die beiden möchten am liebsten nicht mehr dran denken. «Wir brauchen unsere Power für das Jetzt!», sagen sie.