Sie verschwanden so rassig, wie sie in Basel im vergangenen Sommer aufgetaucht waren: die E-Trottinette von Lime. Hinter dem US-Unternehmen stecken unter anderem der Internet-Gigant Google und der Fahrdienst Uber, die rund 340 Millionen US-Dollar investiert haben.

Trotz dieser soliden Kapitalbasis war Lime vor technischen Problemen nicht gefeit: Anfang dieses Jahres zog das Unternehmen sämtliche 500 Schweizer Trottinette, die in Zürich und Basel stationiert waren, aus dem Verkehr. Dies, nachdem mehrere Fahrer wegen blockierten Bremsen verunfallt waren. Man wolle die Software sämtlicher Fahrzeuge überprüfen, teilte Lime mit. Im Frühjahr 2019, so die Ankündigung, würde Lime mit den Leih-Trottis auf den Schweizer Markt zurückkehren.

Nun ist der Frühling längst vorbei, doch die Trottinette mit dem giftgrünen Akku sind nirgends zu sehen. Und es blieb auch lange unklar, wann und ob die Trottis wieder zurückkehren werden. Auf der Schweizer Website von Lime steht unter «News» lediglich geschrieben, man sei «guter Dinge», bald wieder auf den Strassen von Zürich und Basel unterwegs zu sein. Ein Statement vom 14. Januar 2019.

Unklarheit über offene Guthaben

An sich sollten die Lime-Scooters in Basel nicht vermisst werden. Längst ist die Konkurrenz aktiv geworden und hat sich einen Platz auf den Strassen erobert. Insgesamt verkehren derzeit 400 E-Scooter in Basel, von den deutschen Anbietern «Tier» und «Circ». Zwei weitere Unternehmen mit Namen «Seven» (Schweiz) und «Voi» (Schweden) loten derzeit aus, wo in der Schweiz sie mit den Trottinetten auftreten wollen. «Voi» sucht bereits nach Personal für den Platz Basel.

Die Alternativen wären also da. Doch Lime-Kunden nützt das nicht viel. Diverse Betroffene berichten der bz, dass sie noch im Januar Guthaben über 20, 50 oder gar 100 Franken auf ihrem Lime-Konto mit der Kreditkarte geladen hätten – und keine Ahnung, ob dies ihnen jemals rückerstattet würde, falls Lime entgegen der Ankündigung den Schweizer Markt doch aufgeben sollte. Eine Nutzerin sagt: «Ich habe schon mehrere Male versucht, Lime Schweiz per E-Mail zu kontaktieren, um Infos darüber zu erhalten, wie ich an mein Geld komme.» Eine Antwort sei ausgeblieben.

Auf Anfrage der bz erfolgt dann doch eine Reaktion. Ein Sprecher von Lime Schweiz sagt, die Rückerstattung der Guthaben könne via hilfe@limebike.com oder via Facebook oder Twitter angefordert werden. Warum gewisse Betroffene bis heute auf entsprechende Antworten warten, lässt er offen. Auch, warum die Überprüfung der Software der Leih-Trottis so lange dauert. Er schreibt: «Wir sind überzeugt, dass das Problem behoben wurde. Es wurden eine Reihe von Updates für die Firmware entwickelt, die inzwischen auf allen E-Trottis installiert sind.»

Mängel an vielen neuen Elektro-Tretrollern

Die Probleme sind behoben, doch die E-Scooter von Lime sind in Basel nirgends zu sehen. Eine Begründung dazu lässt der Sprecher ebenso unbeantwortet, und zitiert Lime-Geschäftsführer Estuardo Escobar: «Wir sind dabei, unseren Relaunch vorzubereiten. Dafür nehmen wir uns so viel Zeit wie notwendig.» Auf die Frage der bz, ob die Rückkehr noch in diesem Sommer, Herbst oder erst im kommenden Jahr stattfinde, bat der Sprecher um Verständnis, er könne derzeit nicht mehr dazu sagen.

Egal ob mit einem «Tier», einem Scooter von «Circ», «Seven», «Voi» oder dereinst vielleicht wieder «Lime»: Nutzer von E-Trottis sollten die flotten Tretroller in jedem Fall mit Vorsicht geniessen. Gerade gestern wies die Hamburger Verbraucherschutzbehörde darauf hin, dass viel neue Elektro-Tretroller Mängel aufweisen.