Cemil Sakar, Teilhaber des Kleinbasler Clubs «Fame», wurde am 18. September 2014 auf der St. Jakob-Strasse in Muttenz angeschossen und mittelschwer verletzt. Mehrere Schüsse trafen den 35-jährigen Türken, nachdem er kurz vor zwei Uhr nachts sein Auto verlassen hatte. Mindestens eine Person schoss, zwei flüchteten mit einem Roller in Richtung Basel.

Nun soll der Fall einen ersten gerichtlichen Abschluss finden. Angeklagt ist allerdings nicht der Schütze, sondern der Getroffene. Dieser habe gemäss Staatsanwaltschaft fälschlicherweise ein Mitglied einer verfeindeten Clique bezichtigt, der Schütze zu sein. Sakar sagte aus, er habe ihn trotz aufgesetztem Helm erkannt. Eine Tatort-Rekonstruktion bei vergleichbaren Wetter- und Sichtbedingungen habe jedoch gezeigt, dass es unmöglich sei, unter solchen Umständen einen Menschen mit Helm zu erkennen, ermittelte die Staatsanwaltschaft. Da Sakar zudem im Sommer 2016 in Kleinhüningen mit einem geladenen Revolver in einer Polizeikontrolle hängenblieb, verhängte die Staatsanwaltschaft Baselland einen Strafbefehl an der oberen Grenze: eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen sowie eine Busse von 1000 Franken.

Gegen diesen Strafbefehl legte Sakars Anwalt Beschwerde ein, deshalb wird der Fall am Dienstag vor dem Strafgericht verhandelt. Dies allerdings ohne den Beschuldigten: Dieser sitzt in einem spanischen Gefängnis fest.

Akte Fame, ungelöst

Eine Anklage, die dem Gericht tatsächlich einen mutmasslichen Täter präsentiert, ist nicht in Sicht. Die Ermittler tappen im Dunkeln. Mangels neuer Hinweise wurde bereits im vergangenen Oktober die aktive Suche nach dem Täter eingestellt. Die Schüsse in der Nacht stellen jedoch nur eine Episode in einem grösseren Fall dar, der «Akte Fame, ungelöst».
Ausgangspunkt ist die Fehde zweier rivalisierender Clans um die Vorherrschaft beim «Fame». Gegenspieler von Sakar ist Ilhan Eyikat. Beide beschuldigen die Gegenseite, sich Anteile am Club mit unlauteren Mitteln gesichert zu haben.

Ungeklärt ist auch ein Überfall von vier als Affen verkleideten Männern auf den «Rhypark» an Silvester 2015/16, der einem ehemaligen «Fame»-Geschäftsführer galt, der treuhänderisch für Sakar tätig war. Ungelöst ist zudem ein Tränengas-Anschlag im Partyclub «Vice» an der Heuwaage. Dort amtet der von Sakar beschuldigte Gefolgsmann von Eyikat als Geschäftsführer.

Ziemlich offensichtlich ist die Aktenlage bei einer Attacke, die wohl als eine der dümmsten Aktionen in die Gaunergeschichte eingehen wird und sich Ende 2017 abspielte. Ilhan Eyikat, der nominell weiterhin die Hälfte der «Fame»-Anteile besitzt, produzierte eine Urkunde, die den bisherigen Geschäftsführer und Sakar-Getreuen ab- und ihn selbst als Geschäftsführer einsetzte. Dieses Dokument reichte er beim Handelsregister ein und verschaffte sich damit – notabene mit Unterstützung von Polizisten – Zugang zum «Fame». Anwälte rückten aus, machten den Vorgang rückgängig und produzierten neue Anzeigen. Das Schreiben war offensichtlich eine Fälschung: Es trug die Unterschrift von Sakar, der jedoch schon damals in spanischer Haft sass.

Offen ist, wie es in diesem Zusammenhang zur Plünderung des «Fame»-Equipments gekommen ist. Die Parteien beschuldigen sich gegenseitig. Dass beide Interesse hatten, die Musik- und Lichtanlage auf die Seite zu schaffen, ist naheliegend. Denn nur Tage danach warf die Eigentümerin Baloise den «Club» aus dem Haus; über Monate war die Miete nicht bezahlt worden.

Baselland ist gefordert

Dass es im Umfeld des «Fame» oder bei einer Eyikat-nahen Firma in Allschwil zu Schlägereien gekommen ist und bereits Drogendelikte vor dem Basler Strafgericht verhandelt worden sind, macht die Situation nicht einfacher. Obwohl sich mittlerweile die Mehrzahl der Delikte auf Stadtboden abspielte, sind die Basler Ermittler aus dem Schneider. Da mit der Schiesserei in Muttenz das erste offensichtliche Strafdelikt im Baselbiet stattfand, sind deren Ermittler für den gesamten Komplex zuständig.

Ob der Versuch tauglich war, einen ersten Nebenaspekt mit einem Strafbefehl zu erledigen, wird sich vor dem Baselbieter Einergericht zeigen.