Strafgericht

Nach Schlägerei vor Basler Club benutzten sie ihr Auto als Waffe

Der Eingang zum Club Velvet in Basel an der Steinentorstrasse.

Der Eingang zum Club Velvet in Basel an der Steinentorstrasse.

Zwei Männer erhalten in Basel eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten, weil sie ihr Opfer absichtlich anfuhren.

Der nächtliche Streit liegt schon mehr als vier Jahre zurück: Nach einer durchzechten Nacht im April 2015 fuhren die heute 28 und 33 Jahre alten Männer aus Mulhouse nach Basel und feierten im Club Velvet an der Steinentorstrasse weiter. Da sie die damaligen Türsteher gut kannten, durften sie im Innenhof parkieren. Als sie gegen fünf Uhr morgens nach Hause wollten, touchierten sie beim Rückwärtsfahren durch den engen Durchgang mehrere Passanten. Beide stiegen aus, es kam zu einer Schlägerei.

Ein weiterer Passant mischte sich ein und erhielt ebenfalls Schläge, daraufhin flüchtete er, weil die zwei Autorowdys bei den Türstehern Verstärkung holen wollten. Danach wird die Geschichte etwas wirr, es gab weitere Auseinandersetzungen vor dem Paddy Reilly’s Pub. Ob die Männer bereits zuvor im Velvet Club aneinander geraten waren, ist unklar. Schliesslich fuhren die beiden Männer mit ihrem Auto in Richtung Heuwaage, wo sie den Flüchtenden wieder entdeckten: Neben dem Taxistandplatz fuhren sie ihn mit Tempo 30 an und luden ihn förmlich auf. Es blieb glücklicherweise bei leichten Verletzungen, der Mann flüchtete weiter vor seinen Verfolgern, die zwei Autorowdys wiederum flüchteten danach nach Frankreich.

Am Dienstag mussten sich die zwei Männer wegen Gefährdung des Lebens vor dem Basler Strafgericht verantworten: Im Zuschauerraum sass eine Schulklasse, die gespannt deren Version hören wollte. Doch beide Männer verweigerten die Aussage und wollten auch nichts über ihre Person verraten.

Beifahrer mitschuldig, weil er nicht eingegriffen hatte

Das taktische Schweigen war sinnvoll: Teilweise hatten sie früher Aussagen gemacht, doch bei derart gravierenden Vorwürfen hätte die Staatsanwaltschaft sofort einen Verteidiger stellen müssen. Da dies erst später geschah, durfte das Gericht einige belastende Aussagen nicht berücksichtigen. Welcher der beiden Männer in welchem Moment jener Nacht das Auto gelenkt hatte, war ebenfalls nicht so ganz klar. Sicher ist aber, dass die französischen Behörden dem 33-Jährigen schon im Jahr 2008 den Führerausweis entzogen hatten.

Einzelrichter Roland Strauss sah zwar keine konkrete Gefährdung des Lebens als nachgewiesen an, verurteilte aber beide Männer wegen versuchter Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand. Der 33-Jährige sei auf das Opfer zugefahren, doch auch der 28-Jährige hätte als Beifahrer durch einen Griff ans Steuerrad oder an den Schalthebel in den Kausalverlauf eingreifen können und sei deshalb als Mittäter zu verurteilen.

Rache an dem, der deeskalieren wollte

Beide Männer hätten sich an einem Mann rächen wollen, der zuvor eigentlich bloss verhindern wollte, dass die Auseinandersetzung eskaliert. Angemessen wäre laut Strauss eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, doch wegen der langen Verfahrensdauer gewährte er 30 Tage «Rabatt»: Beide Männer wurden daher zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt. Das Urteil können sie noch weiterziehen.

Das Opfer hatte vergeblich eine Genugtuung von 1000 Franken verlangt: Strauss wies diese Zivilforderung ab, die Voraussetzungen dafür seien nicht gegeben. Die restlichen Passanten bleiben unbekannt, sie haben sich offenbar nie bei der Polizei gemeldet.

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