Unteres Kleinbasel
Nach Schliessung des BKB-Automaten an der Klybeckstrasse: Experiment «bargeldlos» geglückt

Im vergangenen September verschwand der Geldautomat der Basler Kantonalbank (BKB) an der Klybeckstrasse. Ein halbes Jahr lang muss das Untere Kleinbasel somit fast ohne Bankomaten auskommen – und das funktioniert.

Michel Ecklin
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Ist im Unteren Kleinbasel der Bedarf nach «Frischgeld» überhaupt noch vorhanden?

Ist im Unteren Kleinbasel der Bedarf nach «Frischgeld» überhaupt noch vorhanden?

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Das Untere Kleinbasel ist eines der am dichtesten bewohnten Gebiete der Schweiz. Auf anderthalb Quadratkilometern (Quartiere Matthäus und Klybeck) leben 23'000 Menschen, und es gibt Hunderte von Geschäften, wo man Geld ausgeben kann.

Das Quartier macht derzeit unfreiwillig ein Experiment durch. Denn man kommt dort seit drei Monaten kaum mehr zu Bargeld. Die Basler Kantonalbank (BKB) hat nämlich 2016 ihre Filiale an der Klybeckstrasse (Nähe Feldbergstrasse) geschlossen. Im vergangenen September verschwand auch noch der dortige Geldautomat. Damit gibt es zwischen Claraplatz und Wiesenplatz, zwischen Rhein und Messe noch genau einen Geldautomaten, nämlich den von Postfinance am Bläsiring. Er ist aber in einer Nebenstrasse, auf Anhieb findet man ihn kaum.

Mit dem temporär geschlossenen Geldautomaten der Basler Kantonalbank an der Klybeckstrasse hat man sich abgefunden.

Mit dem temporär geschlossenen Geldautomaten der Basler Kantonalbank an der Klybeckstrasse hat man sich abgefunden.

Michel Ecklin

Dass die BKB den Automaten an der Klybeckstrasse nicht sofort ersetzt hat, erklärt Sprecher Michael Buess so: «Im Hinblick auf die Verschiebung der BKB-Filiale Klybeck an die Greifengasse wurde früh mit der Suche nach einem geeigneten Standort für einen Ersatz-Bankomaten begonnen.» Die Suche sei nicht einfach gewesen, jetzt ist man fündig geworden. Gegenüber dem alten Standort an der Klybeckstrasse wird die BKB einen neuen Automaten aufstellen. Eröffnet wird er «Anfang zweites Quartal 2018», schreibt Buess.

Dann wird das Quartier über ein halbes Jahr fast ohne Bankomat geblieben sein. Laut Postfinance ist die Anzahl Transaktionen beim Automaten am Bläsiring «in der zweiten Jahreshälfte 2017 leicht gestiegen».

Fünf Franken mit Karte zahlen

Doch inzwischen kann man sich fragen, ob das Untere Kleinbasel überhaupt noch einen wesentlichen Bedarf nach Frischgeld hat. In den bisher drei Monaten ohne Geldautomat scheint man nämlich bestens über die Runden gekommen zu sein. Jedenfalls hat André Auderset, Präsident der Interessengemeinschaft Kleinbasel, noch von keinerlei Reklamationen von Geschäftsinhabern oder Kunden gehört. «Vor allem in modernen, jungen Lokalen zahlt man doch sogar Beträge unter fünf Franken mit Karte», hat er festgestellt. Eventuell sei es für ältere Leute, die auf Bargeld angewiesen seien, ein Problem, mutmasst er. Dem steht allerdings entgegen, dass die Bevölkerung des Unteren Kleinbasel zu den jüngsten der Stadt gehört.

Bei der Basler Kantonalbank gingen nur vereinzelte Reaktionen zum fehlenden Automaten ein. Die Geldausgabe auch nicht wirklich vermisst hat Sabine Lauber, Ad-interim-Präsidentin von Reh4, dem Verein, in dem sich Inhaber von Läden, Galerien und Orten zusammengeschlossen haben, die im Kleinbasel «progressive, independente oder subversive Räume» betreiben. Es handelt sich um kleine Läden mit eher tiefem Umsatz. «Der fehlende Bankomat ist bei uns kein Thema», sagt sie. «Ich glaube, für die Läden ist es gar nicht schlimm, dass es keinen gibt.» Tendenziell werde sowieso immer mehr mit Karte bezahlt.

Erleichtert wird das durch neue Technologien. Die traditionellen Kartenterminals kosten die Geschäftsinhaber eine hohe Abogebühr. Das lohnt sich nur bei hohem Umsatz, den die Reh4-Läden kaum haben. Doch mit den Systemen über Handy fallen nur pro Transaktion Gebühren an. Je nach Karte werde zwar eine hohe Gebühr abgezwackt, sagt Lauber. «Aber wir nehmen sie auf uns, als Teil unserer Dienstleistung.»

Dönerläden haben umgestellt

Parallel dazu haben einige Imbissläden rund um die Feldbergstrasse begonnen, Karten zu akzeptieren, wenn auch oft nur für Beträge von mindestens zehn Franken. Die vielen jugendlichen Nachschwärmer im Unteren Kleinbasel kommen also auch zu später Stunde bargeldlos zu einem Döner mit Bier.

Dauerhaft ohne Bargeld-Bezugsmöglichkeit bleibt die Gegend südlich des Claraplatzes. Auderset erinnert sich, dass es den Versuch gegeben hat, eine Bank dazu zu bringen, beim Wettsteinplatz einen Automaten aufzustellen. Doch das war nicht von Erfolg gekrönt. Auderset meint dazu: «Die Banken sind mit neuen Standorten für Bankomaten sehr zurückhaltend geworden.»