Mit seiner heutigen Rücktrittsankündigung dürfte FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann viele Politbeobachter vor den Kopf gestossen haben. Überrascht von seinem plötzlichen Gesinnungswandel zeigte sich unter anderem die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Ihr wird schon seit längerem nachgesagt, bundesrätliche Ambitionen zu hegen, auch wenn solche persönliche Pläne aus Sicht der Betroffenen nur ungern an die Öffentlichkeit gelangen.

Ganz neue Ausgangslage

Sollte sich Schneider-Schneiter tatsächlich Hoffnungen gemacht haben, wäre dies nicht ganz unbegründet: Schon länger wird in Bundesbern über einen Rücktritt von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard spekuliert. Es könnte sogar ebenfalls noch während der laufenden Herbstsession soweit sein. Der öffentliche Druck, eine Frau in die Landesregierung zu wählen, ist indes gross. Als Frau und Vertreterin der Deutschschweiz bewegt sich Schneider-Schneiter in einem relativ kleinen Kreis von möglichen Kandidatinnen. Das machte sie bisher zur Mitfavoritin. Kommt dazu: Baselland ist einer jener Kantone, die schon am längsten auf eine Vertretung in der Landesregierung warten müssen.

Der baldige Abgang von Johann Schneider-Ammann hat jedoch die bisherige Ausgangslage abrupt verändert: Denn nun könnte plötzlich die FDP mit einer Frau antreten. Zumal auch bei den Liberalen mehrere Frauen mit einer Bundesratskandidatur liebäugeln. Die FDP wäre sogar fast noch ein bisschen mehr in der Pflicht, eine Frau aufzustellen: Seit Elisabeth Kopp hatte sie keine Frau mehr im Bundesrat. Hier sehen viele Politbeobachter allen voran die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter in der Pole-Position. Zu den Mitfavoritinnen wird aber auch Parteipräsidentin Petra Gössi gezählt.

Das hat weitreichende Folgen: Für die CVP würde damit der Druck sinken, dem Bundesparlament mindestens eine Frau zur Bundesratswahl vorschlagen zu müssen. Damit würden bei den Christdemokraten gleich mehrere männliche Interessenten in der Thronfolge nach vorne rücken. Für Elisabeth Schneider-Schneiter wird die Ausgangslage gleichzeitig automatisch schwieriger. Von einer Mitfavoritin könnte sie rasch zur Aussenseiterin werden.
Noch aber bleibt vieles Spekulation. Von den Betroffenen wollte am Dienstag in der Wandelhalle des Bundeshauses niemand klar Stellung nehmen. Nicht CVP-Präsident Gerhard Pfister, der «aktuell keinen Rücktritt» von Verkehrsministerin Leuthard auf der Traktandenliste hat und für den sich am Dienstag die Ausgangslage «nicht verändert» hat.

Nicht in die Karten blicken lassen

Und auch Elisabeth Schneider-Schneiter wollte sich nicht in die Karten blicken lassen, was Schneider-Ammanns Rücktritt auf Ende Jahr hin für ihre persönliche politische Zukunft für eine Bedeutung haben dürfte. «Ich hoffe, Doris Leuthard führt ihre Legislatur zu Ende», kommentiert sie. Der Bundesrat sei aufgrund verschiedener wichtiger Geschäfte angewiesen auf ein hohes Mass an Kontinuität, das nicht durch mehrfach vorzeitige Abgänge gestört werden solle. «Entsprechend hat eine Frage nach einer Nachfolge für Doris Leuthard aktuell keine Berechtigung.»

Elisabeth Schneider-Schneiter vertritt die Christdemokraten seit 2010 im nationalen Parlament. Sie ist Mitglied zudem des publizistischen Beirats der bz.