Es war ein gemütlicher Nachmittag im September 2012 in einem Waldstück bei Müllheim in Deutschland, 25 Kilometer nördlich von Basel. Doch damals trafen sich nicht Ornithologen oder Wandervögel, sondern insgesamt 20 prügellustige Männer aus Basel mit weissen T-Shirts sowie aus Freiburg im Breisgau mit schwarzen T-Shirts. Die FCB-Anhänger nennen sich gelegentlich auch «Boxstaffel Basel».

Die Auseinandersetzung wurde gefilmt und fand auf verschlungenen Wegen schliesslich zu den Strafverfolgungsbehörden. «Das Video dauert etwa 25 Sekunden. Es gibt ein Kommando, dann wird geprügelt, und danach ist es vorbei», schilderte Einzelrichterin Susanne Nese am Donnerstag im Basler Strafgericht den Inhalt.

Angeklagt war ein heute 27-jähriger Mann aus Muttenz wegen Raufhandels, er ist auf dem Video zu erkennen. Verteidiger Christian Von Wartburg argumentierte vergeblich, solche abgesprochenen Kämpfe seien wie etwa Boxkämpfe nicht strafbar. «Die waren alle urteilsfähig. Strafbar sind Körperverletzungen, in die jemand nicht eingewilligt hat. Es gibt hier kein Strafbedürfnis», so Von Wartburg. Gerichtspräsidentin Susanne Nese sah das anders, denn das geschützte Rechtsgut sei hier das öffentliche Interesse an Sicherheit. «Man will keine öffentlichen Schlägereien», so Nese.

Allerdings konnte die Staatsanwaltschaft nicht beweisen, dass bei der Schlägerei tatsächlich jemand verletzt worden ist: Deshalb gab es dennoch einen Freispruch. Zusätzlich tauchte der Mann auch auf einem Video von Ausschreitungen des UEFA-Spieles zwischen FC Basel und Schalke 04 im Oktober 2013 im Joggeli auf. Der 27-Jährige wollte sich zu den Vorwürfen nicht äussern, identifiziert wurde er von einem Polizisten. Auch Susanne Nese kam nach Sichtung des Videos zum Schluss, dass er bei den Rangeleien vor dem Spiel damals beteiligt war.

Mitgegangen, mitgehangen

Im rund 15 Minuten dauernden Video ist er, laut Gericht, sowohl am Anfang wie auch am Ende als Teil des Mobs zu erkennen. Hauptsächlich versuchten die Basler Fans damals, den Polizeikordon als Trennung von den Schalke-Fans zu umlaufen, doch wurde mindestens ein Schalke-Fan verprügelt.

Mehrere FCB-Anhänger sammelten Gummischrotgeschosse vom Boden auf und schleuderten diese gegen die Polizei. Zwar war der 27-Jährige lediglich ein passiver Mitläufer, gemäss der Gerichtspräsidentin reicht das allerdings im konkreten Fall aus für eine Verurteilung wegen Landfriedensbruchs sowie Gewalt gegen Beamte.

Weil die ganze Geschichte schon fast sieben Jahre her ist, stellte das Gericht allerdings auch eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes fest und reduzierte die Strafe massiv. Zudem war der Mann nicht vorbestraft und ist seither nicht mehr in der Szene aufgefallen. Zu den Vorwürfen selbst äusserte er sich vor Gericht nicht. Der Mann kommt mit einer bedingten Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 130 Franken davon. Dazu kommen Verfahrenskosten von knapp 1200 Franken.