Sebastian Frehner und Joël Thüring gehen in Zukunft geschäftlich getrennte Wege. Diese Ankündigung von SVP-Parteipräsident und Nationalrat Sebastian Frehner, die das Ende des langjährigen Führungsduos der Basler SVP beschreibt, zeigt: Eine Kampagne der letzten Tage in der «Basler Zeitung» gegen SVP-Grossrat und Parteisekretär Joël Thüring zeigt Wirkung. In einigen dürren Worten erklärt Sebastian Frehner, dass er sich von Thüring geschäftlich trenne und aus der gemeinsamen «Aspero AG» aussteige, weil Thüring «Mühe hat, finanzielle Angelegenheiten ordnungsgemäss zu erledigen».

Gegenüber der bz fügt Frehner an: «Das ist nichts, das ich tun will, sondern etwas, das ich tun muss.» Thüring war in der BaZ in den letzten Tagen massiv angegriffen worden, weil er seinen Militärpflichtersatz so lange nicht bezahlt hatte, dass ihm die Pfändung drohte. Ein Vorgang, den Thüring bestätigte, als «mittlerweile geregelt» einstufte und ansonsten zur «Privatsache» erklärte.

Der zweite Streich

Am Freitag erweiterte die BaZ die Geschichte um einen angeblichen «Parteispendenskandal» rund um Nationalratskandidat Frehner. Dieser habe – ohne Wissen der Partei – Spendengelder für den Nationalrats-Wahlkampf 2011 für seinen parallel laufenden Ständeratswahlkampf benutzt. Dabei geht es vor allem um einen Spendenaufruf an Parteimitglieder und Sympathisanten, den Frehner umgeschrieben haben soll, nachdem ihn der inzwischen verstorbene Karl Schweizer verfasst hatte, um ihn über seine persönliche Adressdatenbank zu versenden.

Diese Darstellung der Ereignisse bestätigen auch verschiedene Parteimitglieder gegenüber der bz weitgehend. Ob ein Brief umgeschrieben worden ist, ist umstritten, sicher ist, Schweizer wollte Nationalrat werden und sah sich von Frehner benachteiligt. Darauf reagierte er mit heftiger Kritik an der Verteilung von Finanzen und Werbemitteln.

Schweizer kann dazu nichts mehr sagen, die übrigen Beteiligten erklären übereinstimmend, die Vorgänge seien damals gütlich beigelegt worden. Diese Streitigkeiten bilden gemäss BaZ den Hintergrund zum Putschversuch gegen Frehner, den 2012 die Grossräte Patrick Hafner, Felix Meier und Karli Schweizer unternommen hatten. Das sei nur teilweise richtig, heisst es aus dem Umfeld der damaligen Putschisten.

Es sei vielmehr generell darum gegangen, die Verflechtung von Thüring, Frehner und der Aspero AG, die die beiden betreiben, einerseits, und der Partei andererseits, aufzulösen. Jetzt erreicht die BaZ-Kampagne das Ziel, das damals mit dem Putsch noch kläglich gescheitert war.

Viele offene Fragen

Die SVP Basel-Stadt zeigt sich in einer Medienmitteilung empört über die «Hetzkampagne der Basler Zeitung». Diese handle «unsauber und pietätlos». Letzteres deswegen, weil die BaZ Karl Schweizer sozusagen postum zum Hauptzeugen erhebt. Ausserdem habe kein Parteiexponent der SVP die Gelegenheit erhalten, die Behauptungen zu widerlegen. Ein Interview mit Frehner, das die BaZ am Freitag in der Zeitung ankündigte, war gemäss Frehner nie definitiv vereinbart worden. Nun sagt er: «Ich verstehe diese Hetzkampagne nicht. Und auch nicht den Grund dafür.»

Weshalb die BaZ, die SVP-Stratege Christoph Blocher gehört, kurz vor den Nationalratswahlen gegen die Basler SVP-Spitze schiesst, bietet auch anderen Politikern Anlass zu Spekulationen. Auch, weil Frehner in den letzten Tagen immer wieder angetönt hatte, dass es im Ständeratswahlkampf 2015, für den es derzeit noch keinen bürgerlichen Kandidaten gibt, noch eine «Überraschung» geben könnte.