BASF
Nach Stellenabbau bei BASF: Wer kauft das leere Gelände?

Die BASF wird in Basel nicht nur Stellen abbauen, sondern auch ihr gesamtes Gelände verkaufen - eine Fläche von 120 000 Quadratmetern. Wie diese in Zukunft genutzt wird, hängt davon ab, wer das Areal kauft. Soll es der Kanton erwerben und für die Stadtentwicklung nutzen?

Stefan Schuppli
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Das BASF-Gelände aus der Luft.

Das BASF-Gelände aus der Luft.

bz

Die BASF wird in Basel nicht nur Stellen abbauen, sie will auch gleich das ganze Gelände verkaufen, das sie 2008 mit der Ciba-Akquisition miterworben hatte. Es sind drei nicht zusammenhängende Areale.

• Das eine ist das ehemalige Hauptgebäude der Ciba an der Kreuzung Dreirosenstrasse-Klybeckstrasse und erstreckt sich im Norden bis zur Kleinhüningerstrasse. Die älteren Wohnhäuser Ecke Altrheinweg/Klybeckstrasse gehören nicht mehr dazu.

• Das zweite Areal liegt dem ersten gegenüber, ebenfalls an der Klybeckstrasse.

• Das dritte liegt nördlich der Mauerstrasse und geht beinahe bis zur Aktienmühle.

Fläche von 120 000 Quadratmetern wird frei

BASF bestätigt, dass die Fläche insgesamt 120 000 Quadratmeter beträgt. Zum Vergleich: Die Schützenmatte hat rund 50 000 Quadratmeter.

Die Verkaufsabsichten beflügelt die Fantasien. Denn auf Stadtgebiet werden selten solche Areale frei. Das letzte in dieser Grössenordnung war das DB-Areal. Mit der «Erlenmatt» lässt sich das Gebiet allerdings aus mehreren Gründen nicht vergleichen. Dieses Areal war grösstenteils unbebaut und zusammenhängend.

Die Stadt solle nicht nur auf Chemie setzten, sagt Grossrätin Anita Lachenmeier (GB) auf Anfrage der bz. Basel solle hier die Chance nutzen und günstige Wohnungen und Grünflächen planen. «Teure Wohnungen hat es schon genug», meint sie. Das gebe auch die Möglichkeit, dass die das äussere Klybeckquartier städtebaulich an das Matthäusquartier angebunden werde. «Aber es braucht Koordinationsarbeit mit den anderen Quartieren.» Kulturelle Nutzungen würde sie auch begrüssen.

Sie schlägt vor, dass der Kanton das Heft in die Hand nimmt und das Areal gleich selbst kauft. Dann sei eine kohärente Planung möglich. «Bei der Erlenmatt hat das die Stadt verpasst.» Die Umwandlung von Industrie- in Wohngebiet würde eine Zonenänderung erfordern, was wiederum eine Wertsteigerung des Gebiets zur Folge haben. Davon würde der Mehrwertfonds profitieren, der einen Teil des Mehrwertes für Quartier-Aufwertungsmassnahmen, meist Grünzonen, abschöpft.

Iris Welten, Geschäftsführerin der Standortagentur Basel Area hat keine konkreten Pläne oder Ideen für das Areal. «Es kommt sehr darauf an, an wen verkauft wird und welche Pläne der Investor hat», sagt sie. «Bei Basel Area kommen viele Anfragen für Büros und Labors, aber auch Läden, Gewerbe und Industrie.» Wenn Produktionsflächen nachgefragt würden, dann eher grosse, meint sie. Basel Area werde heute als Immobilienvermittler besser wahrgenommen als in der Vergangenheit.

Altlasten im Boden

Ein Problem dürfte der Boden sein: Hier wurde mit Chemie hantiert. Das geht nicht spurlos an der Umwelt vorbei. «Es kommt sehr darauf an, was früher auf dem Areal gemacht wurde», sagt Dominik Keller vom Amt für Umwelt und Energie. «Überwachunsgbedarf» besteht laut Kataster nördlich der Mauerstrasse. Ein grosser Teil des Gebiets ist noch nicht fertig untersucht.

Dividendenverzicht statt Abbau vorgeschlagen

Bei der Hauptversammlung am Freitag in Mannheim muss sich BASF unbequemen Fragen des Dachverbands der Kritischen Aktionäre, des Gen-ethischen Netzwerks und der Schweizer Aktionärsgruppe für nachhaltiges Wirtschaften Actares stellen. Die drei Organisationen kritisieren BASF wegen seines Engagements in der Pflanzen-Biotechnologie und wegen des Abbaus von 350 Arbeitsplätzen in der Region Basel. «Wir überlegen uns einen Vorstoss für teilweisen Dividendenverzicht zugunsten der Arbeitsplätze in Basel. BASF könnte, im Gegenteil investieren. Den Aktionären geht es nicht schlecht», sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands. Der offizielle Dividendenvorschlag liegt bei 2.60 Euro, bei einem Kurs von 68 gibt das eine Dividendenrendite von 3,8 Prozent. Für ein Industrieunternehmen ist das relativ hoch. (sts)