Personalie
Nach Sylvie Ritters Abgang: Michel Loris-Melikoff übernimmt Baselworld-Leitung

Michel Loris-Melikoff, Geschäftsführer der Messe Beaulieu Lausanne, wird per Juli neuer Chef der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Die langjährige Messeleiterin Sylvie Ritter verlässt das Unternehmen.

Andreas Schwald
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Sylvie Ritter verlässt die Baselworld.

Sylvie Ritter verlässt die Baselworld.

Kenneth Nars

Er ist wieder da. Michel Loris-Melikoff übernimmt per 1. Juli die Leitung der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Die Messe ist das Flaggschiff der MCH Group AG in der Schweiz; sie steht trotz Umsatzeinbrüchen in den vergangenen zwei Jahren immer noch an der Spitze der Basler Messen. Die bisherige Chefin Sylvie Ritter hatte sich bereits im Dezember 2017 entschieden, den Posten nach 15 Jahren als Messeleiterin zu verlassen. Nach einem Bericht in der «Basler Zeitung» verschickte die MCH Group AG am Freitag eine entsprechende Medienmitteilung.

Ihr Nachfolger ist in Basel kein Unbekannter. Loris-Melikoff war bis 2013 Chef der Basler St. Jakobshalle. Zuletzt war er aber Teil der MCH Gruppe: Als Geschäftsführer der MCH Beaulieu Lausanne SA. Ihm obliegt es nun, das Einnahmenleck des Flaggschiffs zu stopfen. «Wir werden das Baselworld-Team und die Veranstaltung den Herausforderungen der Zukunft entsprechend ausbauen und den eingeschlagenen Weg der Qualitätssteigerung weitergehen», so Loris-Melikoff. Dazu sollen einige Neuerungen erfolgen, unter anderem in der Gewichtung des Schmucksegments, dessen Marktumfeld sich anders bewege als das der Uhrenindustrie.

Michel Loris-Melikoff

Michel Loris-Melikoff

zvg

Unterhaltung für Influencer

Die Anpassungen sollen auch auf Ideen von ausserhalb beruhen, wie die MCH Group mitteilte. Auf Nachfrage sagt deren Sprecher Christian Jecker: «Es ist wichtig, dass auch in Zukunft die Erwartungen der verschiedenen Akteure der Baselworld – Aussteller, Einkäufer, Medien – in neue Konzepte miteinfliessen.» Was die Rolle der Medien betreffe: «Für die Aussteller werden zum Beispiel Influencer und Blogger immer wichtiger. Die Mediendienstleistungen der Baselworld müssen die neuen Bedürfnisse dieser neuen Akteure abdecken.» So werde es insbesondere Neuerungen in den Bereichen Gastronomie, Hospitality und Events geben, um hier den Anforderungen von Ausstellern und Besuchern noch besser gerecht zu werden. Man will ein Erlebnis bieten.

Fest stehe zudem, dass die Baselworld 2019 einen ganzen Tag allein für die Medienvertreter offenstehen wird. Denn nach der Kritik der Aussteller besonders in den vergangenen zwei Jahren muss es mit der Messe vorwärtsgehen. Allein die Grösse der Baselworld wurde schon massgeblich reduziert; bereits Anfang Jahr kündigten die Verantwortlichen einen Einnahmenrückgang um rund 40 Millionen Franken an, weil die Ausstellungsfläche nur noch halb so gross war. Immerhin: Die Besucherzahl konnte im Vergleich mit dem Vorjahr gehalten werden.

Gegen die Totenglocke

Der Wandel wird von der Branche klar eingefordert, wie nach Abschluss der diesjährigen Baselworld mehrfach betont wurde. So sagte Tag-Heuer-Chef Jean-Marc Biver in markigen Worten vor den Medien: «Am Tag, an dem einer der Grossen geht, wird die Totenglocke der Baselworld läuten. Wenn jemand aus Asien kommt und die Hälfte seines Umsatzes nicht ausgestellt wird, wird er nicht nach Basel reisen.»

Ritter selbst bleibt nüchtern, auch nach Bekanntwerden ihrer Kündigung. Auf Anfrage sagte sie am Freitag: «Als Spiegelbild des weltweiten Uhren- und Schmuckmarktes ist es äusserst wichtig, dass die Baselworld diesen auch jährlich abbildet. Es ist uns mit dem neuen Format der Baselworld 2018 gelungen, die Konsolidierung des weltweiten Uhren- und Schmuckmarktes abzubilden.»

Die konzeptionelle Neuausrichtung habe nach diesem Jahr eingeläutet werden können, so Ritter weiter: «Mit der Baselworld 2018 und den Zusagen der wichtigsten Aussteller für 2019 ist ein gutes Fundament gelegt, auf dem die weiteren Herausforderungen in Angriff genommen werden können. Ich freue mich, Ende Juni eine Baselworld mit Rückenwind in neue Hände zu legen.» Mit dem Wechsel an der Spitze und dem neuen Fokus auf den Event-Charakter ist damit klar: Die Baselworld wird nicht mehr so aussehen wie zu ihren bisherigen Glanzzeiten, als sie sogar der Auslöser für den Bau jener neuen Messehalle war, die sie 2018 halb leer stehen lassen musste.