Wie es die Frau genau schaffte, nach Schliessung der Münstertürme am Sonntagabend über das Geländer zu klettern, um zu springen, ist unklar. Klar ist, es war keine Dritteinwirkung im Spiel und kein Unfall, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Als prominenter Aussichtspunkt befindet sich das Basler Wahrzeichen an einem besonderen Ort: Der Münsterplatz ist zu gewissen Tageszeiten gut frequentiert, besonders entlang der Eingänge und des Durchgangs zur Pfalz. Würden beim Sturz einer Person Drittpersonen in Mitleidenschaft gezogen, wäre das zur Tatsache eines Sturzes hin noch verheerender.

Kirche nimmt Vorfall ernst

Matthias Zehnder, Sprecher der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, sagt: «Wir nehmen den Vorfall sehr ernst.» Die Kirche überprüfe nun gemeinsam mit der Basler Staatsanwaltschaft, der Polizei und dem Münsterbaumeister die baulichen Möglichkeiten, um die Sicherheit auf den Türmen des Münsters zu erhöhen.

Dass das auf dem geschützten Stadt-Wahrzeichen aus Sandstein nicht ganz einfach wird, verhehlt Zehnder nicht. Der denkmalgeschützte Zustand sowie die Architektur erschweren zusätzliche Installationen wie zum Beispiel Glasscheiben. Daher sei noch offen, wie allfällige bauliche Massnahmen aussehen könnten.

Das letzte Mal vor fünf Jahren passiert

Zehnder verweist dabei auch auf das Beispiel des Wasserturms auf dem Bruderholz, wo solche Glasscheiben Erfolg gezeitigt hätten. Schon eine verglaste Front mindert die Gefahr, dass jemand vom Turm stürzt, deutlich. Bereits nach dem letzten Sturz vom Münster im Juni vor fünf Jahren erhöhte die Kirche das Sicherheitsdispositiv. So ist es etwa untersagt, dass Einzelpersonen allein auf den Turm gehen.

Weitere Details gibt die Kirche aus eben jenen Sicherheitsgründen allerdings nicht bekannt. Ein Vorfall wie jener vom Sonntagabend sei in dieser Form noch nie vorgekommen, betont der Kirchensprecher. Die Sicherheit gehe auf jeden Fall vor, besonders auch wegen der Möglichkeit, dass Dritte betroffen sein könnten.

Die Pfalz ist gefährlicher

Grundsätzlich ist das Basler Münster allerdings ein sicherer Ort. Stürze von einem der Türme sind sehr selten, was für ein funktionierendes Sicherheitsdispositiv spricht, gerade für eine gut frequentierten und als Fotosujet sehr beliebten Aussichtsplattform im Zentrum von Basel. Weniger selten kommen Stürze von der Pfalz vor, deren Mauer sich direkt hinter dem Münster befindet.

Besondere Sicherheitsmassnahmen gibt es hier nicht, die Aussichtsplattform ist im Gegensatz zu den Türmen ebenerdig begehbar. Doch weil die Mauerkante ein ebenso beliebter Aufenthaltsort ist, kommt es auch hier zu Unfällen, unter anderem unter Alkoholeinfluss. Die Stürze von der lediglich 18 Meter hohen Mauer der Basler Pfalz enden allerdings nicht immer tödlich, sondern oft mit schwersten Verletzungen und entsprechenden Folgeschäden.