Am vergangenen Dienstag stiess ein 12 Jahre altes Mädchen auf der Weiler Hauptstrasse mit dem Tram zusammen. Das Kind fuhr mit dem Velo auf dem Trottoir und überquerte dann trotz einer roten Ampel die Schienen. Es wurde vom Drämmli erfasst, auf die Gleise geschleudert und so schwer verletzt, dass es ins St.-Elisabethen-Krankenhaus in Lörrach eingeliefert wurde. Seit dem vergangenen Dezember gab es vier Unfälle mit dem 8er-Tram in Weil am Rhein. Sind vier Unfälle in einem guten halben Jahr eine ungewöhnliche Häufung? Liegt das daran, dass die Weiler sich erst noch an das Tram im Strassenbild gewöhnen müssen?

Anfängliche Skepsis verflogen

Nein, findet Rudolf Koger, zweiter Bürgermeister von Weil am Rhein: «Aus unserer Sicht sind das relativ wenig Unfälle. Bei allen vier Ereignissen war die Ampel auf Rot, es war immer menschliches Unvermögen. Ein erhöhtes Unfallrisiko sehe ich nicht.» Koger war als Stadtkämmerer und Leiter der Stadtwerke auf deutscher Seite zuständig für die Tramverlängerung. «Wir waren schon etwas skeptisch, bevor die Strecke im Dezember 2014 eröffnet wurde, weil das Tram als Verkehrsmittel neu ist für Weil. Aber die Unfälle sind nicht aussergewöhnlich. In anderen Städten wie etwa Freiburg kommt es zu ähnlichen Unfällen mit Strassenbahnen. Und die meisten Weiler kennen das Tram aus Basel.»

Im ersten Jahr unfallfrei

Seit der Eröffnung der neuen Strecke war das 8er-Drämmli ein Jahr lang unfallfrei in Weil unterwegs. Im Dezember 2015 kam es zum ersten Unfall. Damals rannte ein 60 Jahre alter Mann trotz roter Ampel über die Strasse, wurde weggeschleudert und schwer verletzt. Das Fahrzeug war nach der Kollision nicht mehr fahrtüchtig.

Die Frage nach einem Unfallschwerpunkt verneint Paul Wissler, Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg. Zweimal hätten Fussgänger, einmal ein Autofahrer und zuletzt das Mädchen auf dem Velo eine rote Ampel ignoriert oder übersehen. «Die Schuldfrage ist für uns bei der Erhebung von Unfällen bedeutungslos. Aber wenn wir einen Brennpunkt erkennen, etwa wegen einer falschen Signalisation oder einem verdeckten Verkehrszeichen, dann versuchen wir das zu ändern und abzustellen», sagt Wissler.

Entwarnung geben auch die Basler Verkehrsbetriebe. Benjamin Schmid, Sprecher der BVB, sagt: «Wir beobachten keine überproportionale Häufung von Unfällen auf deutschem Boden der Linie 8, verglichen mit dem gesamten Streckennetz.» Die Einwohnerinnen und Einwohner von Weil am Rhein hätten sich schnell und gut an das neue Verkehrsmittel gewöhnt.