Coronavirus

Nach Unklarheiten bei deutschen Paketdiensten: Verbot für Grenzgänger bleibt

Nach Aufhebung des ersten Lockdowns 2020 bildeten sich vor deutschen Paketshops lange Schlangen.

Nach Aufhebung des ersten Lockdowns 2020 bildeten sich vor deutschen Paketshops lange Schlangen.

Kurzzeitig ging das Gerücht um, Kunden dürften Pakete ohne Quarantänepflicht in deutschen Paketshops abholen. Dem ist allerdings nicht so.

Die Freude von Paketshop-Betreiber Maik Gregl aus Badisch- Rheinfelden währte nur kurz. Vergangene Woche hatte sich ein Kunde aus der Schweiz mit einer brisanten Information bei ihm gemeldet: Trotz starker Einschränkungen im Grenzverkehr soll es für Schweizerinnen und Schweizer aus Grenzkantonen weiterhin möglich sein, Bestellungen in Paketshops ennet der Grenze abzuholen.

«Das Abholen von Paketen zählt nicht als Einkauf. Sie dürfen demnach zu diesem Zweck weiterhin für bis zu 24 Stunden ohne Quarantänepflicht nach Baden-Württemberg einreisen, nicht jedoch zum privaten Einkauf im Einzelhandel», hiess es in einer Mail, die der Kunde vom zuständigen Landesministerium Soziales und Integration erhalten und prompt an Gregl weitergeleitet hatte.

Am Montag bestätigte Pascal Murmann, Sprecher des Ministeriums, diese Information gegenüber dieser Zeitung. «Zum Abholen von Paketen: Die grenzüberschreitende Abholung von Paketen aus Paketshops ist quarantänefrei möglich», hielt er fest.

Nur Pakete aus Postfächern dürfen abgeholt werden

Einen Tag später rudert das deutsche Ministerium allerdings bereits wieder zurück. Oder wie Murmann es ausdrückt: «Die Regelung wurde jetzt noch einmal präzisiert.» Sie lautet nun so: «Wer sich in einem Risikogebiet bestellte Waren explizit an eine vom Wohnort abweichende Adresse in Baden-Württemberg, beispielsweise Paketshops oder sonstige Paketannahmestellen, liefern lässt, kann sie dort nicht abholen, ohne anschliessend in Quarantäne zu müssen.»

Nur das eigene Postfach oder Schliessfach könne hingegen ohne Quarantänepflicht besucht werden, um die dorthin gelieferte Post abzuholen. Es gilt also wie gehabt eine Quarantänepflicht beim Abholen von Päckli in Paketshops, auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der Grenzkantone.

LAS-Burg witterte die Falschinformation

Die Betreiber des Paketdienstes LAS-Burg in Weil am Rhein leiteten die neuen Informationen nicht voller Euphorie an ihre Kundschaft weiter, wie viele ihrer Kollegen. Auf Nachfrage der bz teilte eine Mitarbeiterin gestern Nachmittag mit, man sei skeptisch, was diese Regelungen angehe und würde aktuell in Gesprächen mit dem Ministerium abklären, ob das Abholen von Paketen in Baden-Württemberg tatsächlich ohne Quarantänepflicht möglich sei.

Wie sich im Verlauf des Tages zeigte, war diese Skepsis berechtigt. Auf der Website ist nun nach wie vor zu lesen, dass eine Paketabholung zurzeit schwierig ist, da man sich rein rechtlich im Fall eines Grenzübertritts in Quarantäne begeben muss.

LAS-Burg teilt allerdings mit, dass Kunden, die ihre Pakete aus gegebenem Anlass nicht abholen könnten, die Lagerkosten nicht bezahlen müssten. Ausserdem bestehe genügend Lagerkapazität, sodass alle Pakete bis zur Abholung aufbewahrt werden könnten.

Rückgang bei Bestellungen dürfte sich verschärfen

Anders reagierte das Paketdepot in Lörrach. Auf der entsprechenden Website steht in grossen roten Lettern geschrieben, dass alle «Grenzkantönler» ihre Sendungen ab sofort wieder abholen dürften. Bis Redaktionsschluss wurde diese Information noch nicht auf den neusten Stand gebracht.

Für Maik Gregl, seine Berufskollegen und ihre vielen Schweizer Kunden sind das schlechte Nachrichten. Schon in den vergangenen Wochen hatte Gregl einen starken Rückgang bei den Bestellungen festgestellt. Das dürfte sich nun noch verschärfen. (az/hel)

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