Löhne
Nach vier Jahren Kampf knickt die Regierung ein: Logopädinnen erhalten mehr Lohn

Vier Jahre dauerte der Streit der Basler Logopädinnen mit der Regierung. Rückwirkend werden sie nun wieder in dieselbe Lohnklasse eingeteilt wie vor 2015 - und damit Primarlehrerinnen gleichgestellt. Allein die Nachzahlungen seit 2015 kosten den Kanton 125000 Franken.

Michael Nittnaus
Merken
Drucken
Teilen
Der Protest der Basler Logopädinnen, wie hier am Frauenstreiktag, hat sich – wortwörtlich – gelohnt.

Der Protest der Basler Logopädinnen, wie hier am Frauenstreiktag, hat sich – wortwörtlich – gelohnt.

Zur Verfügung gestellt

Die rosaroten Plakate und Ballone, welche die Basler Logopädinnen am Frauenstreiktag vergangenen Sommer in die Höhe hielten, dürften nicht allein den Ausschlag dafür gegeben haben, dass der Kanton einknickte. Für Mirjam Kohli, Mitglied des Logopädinnenverbands Region Basel, ist aber klar: «Es brauchte unseren Widerstand, sonst hätte sich nichts geändert.» Die 58-Jährige ist eine der rund 60 Basler Logopädinnen, die – unterstützt durch ihren Berufsverband und die Freiwillige Schulsynode Basel-Stadt – seit 2015 für mehr Lohn kämpfen. Sie reichten damals bei der Regierung Einsprache ein gegen die Herabstufung um eine Lohnklasse, die eine kantonale Überprüfung der Lohneinreihungen der Staatsangestellten mit sich gebracht hatte (bz berichtete).

Es brauchte unseren Widerstand, sonst hätte sich nichts geändert.

(Quelle: Mirjam Kohli, Logopädinnenverband Basel)

Rückerstattung kostet den Kanton 125000 Franken

Nun liegt der bz der Regierungsratsbeschluss vor. Und er ist bemerkenswert: Die Exekutive macht die Herabstufung rückgängig. Nicht nur werden Schul-Logopädinnen ab sofort wieder der Lohnklasse 15 statt 14 zugeteilt, die Korrektur gilt auch gleich rückwirkend per 1. Februar 2015. In Zahlen bedeutet das, dass eine Logopädin bei Berufseinstieg nun monatlich 6881 Franken verdient statt 6418. Aufs Jahr gerechnet – inklusive 13. Monatslohn – macht dies immerhin gut 6000 Franken zusätzlich aus. Mehr noch: Im Gegensatz zu früher müssen neu Berufseinsteigerinnen nicht mehr für drei Jahre in Lohnklasse 14 ausharren, ehe sie aufsteigen, sondern starten direkt in Lohnklasse 15. «Wir sind sehr zufrieden mit diesem Entscheid», sagen Kohli und Verbandskollegin Sophie Besset. Damit sind Logopädinnen in Basel-Stadt nun wieder Primarlehrerinnen gleichgestellt – eine der Hauptforderungen der Einsprechenden.

Konkret stimmte die Regierung den Logopädinnen zu, dass die Stellenbeschreibung, auf der die Lohneinreihung fusst, «die Anforderungen nicht angemessen abbildet». In den Bereichen Führung, Kenntnisse und Fertigkeiten sowie Beanspruchungen und Arbeitsbedingungen seien die Anforderungen höher als bisher festgehalten. Die Stellenbeschreibung muss nun angepasst werden.

Heilpädagoginnen bleiben besser eingestuft

Laut dem Erziehungsdepartement kostet die rückwirkende Auszahlung den Kanton insgesamt etwa 125000 Franken. Davon profitieren rund 40 Logopädinnen. Dazu muss man wissen, dass alle Logopädinnen, die vor 2015 bereits angestellt waren, zwar eine Klasse herabgestuft, ihr Lohn aber nicht gesenkt, sondern eingefroren wurde. Dies ist etwa bei Kohli der Fall, wobei der Ausgleich des fehlenden Lohnstufenanstiegs innerhalb der Lohnklasse und der angestauten Teuerung der letzten Jahre dennoch zu Buche schlägt.

Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer zeigt sich auf Anfrage zufrieden: «Ich freue mich, dass die wichtige Arbeit der Logopädinnen honoriert wurde und die höhere Einstufung klappte.» Wenn Cramer also das Anliegen unterstützte, weshalb dauerte der Konflikt dann vier Jahre? Für die neuen Lohneinreihungen 2015, die unter dem Begriff «Systempflege» vorgenommen wurden, war das Finanzdepartement zuständig. Im 25 Seiten starken Regierungsbeschluss wird denn auch deutlich, dass die Entscheidung nicht selbstverständlich war. Die vorbehandelnde paritätische Überführungskommission hatte der Regierung empfohlen, die Einsprache abzuweisen.

Am Ende wurde sie denn auch nur teilweise gutgeheissen. Denn die Logopädinnen forderten in erster Priorität eigentlich eine Verbesserung um zwei Lohnklassen sowie eine Parteientschädigung. Beides lehnte die Regierung ab. Lohnklasse 16 hätte bedeutet, dass Logopädinnen neu Heilpädagoginnen gleichgestellt worden wären. Wie die Regierung jedoch feststellt, brauchen Erstere einen Bachelor-, Letztere aber einen Masterabschluss. Zudem sei der heilpädagogische Berufsauftrag breiter gefasst und umfasse auch die Vermittlung des Schulstoffes. Heilpädagoginnen würden ausserdem viele Arten von Behinderungen und Auffälligkeiten behandeln, Logopädinnen ausschliesslich Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen.

Logopädinnen überlegen sich, weiterzukämpfen

«Ich bin mir dieser Unterschiede bewusst», sagt Besset. Dennoch möchten sich die Logopädinnen in einer Woche erst noch mit der Freiwilligen Schulsynode zur Beratung treffen. Dann wird diskutiert, ob sie den Regierungsentscheid trotz des Teilerfolgs an die nächste Instanz weiterziehen wollen. «Unser Anwalt wird auf jeden Fall vorsorglich Rekurs einlegen», erklärt Besset. Nach vier Jahren kämpfen hält die Logopädin aber auch fest: «Ich persönlich wäre froh, wenn langsam Ruhe einkehren würde.»