Im Jackpot liegen jährlich eine Million Franken. Dieses Geld will die Basler Stiftung für Medienvielfalt für ein Nachfolgeprojekt der «Tageswoche» zur Verfügung stellen. Die bisherige Geschäftsführerin Sibylle Schürch treibt dazu die Idee eines journalistischen «Slow-Food»-Projekts voran, vielleicht in Form eines monatlichen Magazins. Nun formiert sich im Verein Medienzukunft eine Alternative.

Initiant des noch namenlosen Online-Medien-Projekts ist der Autor und Kulturaktivist Guy Krneta. Ausgehend von der Initiative Kunst + Politik hatte er die Aktion «Rettet Basel» ins Leben gerufen, um gegen die Übernahme der «Basler Zeitung» durch Christoph Blocher zu protestieren. Da «Rettet Basel» und die «Tageswoche» praktisch gleichzeitig entstanden, sieht sich Krneta legitimiert, auch bei der Nachfolge der gescheiterten «Tageswoche» mitzureden und Anspruch auf das Millionenerbe zu stellen, das in Aussicht steht.

Tageszeitung im Onlineformat

Im Auftrag des kurz vor Weihnachten gegründeten Vereins Medienzukunft haben Matthias Zehnder (ehemals Chefredaktor bz) und Hansi Voigt (Gründer von «Watson») ein zwanzigseitiges Konzept verfasst. Zehnder sagt, vorgeschlagen sei ein publizistisches Angebot, das den Bewohnern der Region zum Frühstück auf dem Tablet alle relevanten Themen serviere.

Das Online-Angebot soll die Funktion übernehmen, die jahrzehntelang bei breiten Bevölkerungsschichten die Tageszeitung erfüllte. Neben der Aktualität werde ein Schwerpunkt auf die Kulturberichterstattung und auf den Service gelegt. Ein solches Angebot fehle heute. Wenn die Pläne realisiert werden, soll das Medium zehn bis 15 Mitarbeiter beschäftigen und ein Budget von zwei bis drei Millionen Franken haben. Geplant ist eine neue Firma mit einem breiten Aktionariat.

Wer das Projekt journalistisch leiten soll, ist unklar. Zehnder und Voigt stellten sich allenfalls für eine Startphase zur Verfügung. Krneta selbst will ebenfalls bloss als Geburtshelfer agieren. Prominentestes Mitglied im Vereinsvorstand ist derzeit Susanne Sugimoto, die als Gründungsmitglied der «Republik» über Erfahrung bei Medien-Start-ups verfügt.

An Bord ist zudem der Advokat Manuel Bertschi, der bisher die Geschäftsstelle der Fairmedia führte, einer Art Medienombudsstelle, die Krneta zusammen mit dem Basler SP-Nationalrat Beat Jans ins Leben gerufen hat.

Die Suche nach einem publizistischen Kopf könnte sich allerdings rasch erübrigen. Dann nämlich, wenn es Krnetas neuem Verein nicht gelingt, den Jackpot der Stiftung zu knacken.